Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Jobs
Historische Tage
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
An seinem zwölften Geburtstag erhält Karl ein Buch, voll leerer Seiten, und Tag für Tag wird er daran schreiben, ein Leben lang. Doch nach seinem Tod verschwindet es, bevor es sein Sohn, wie es der Brauch ist, hätte lesen können. Also schreibt der Sohn, der Ich-Erzähler, ein zweites Mal: das Buch des Vaters. Es ist die Aufzeichnung eines reichen Lebens, von der Liebe zum Leben und der Leidenschaft zu den Büchern bestimmt. Die vielleicht wunderbarste Fähigkeit des Vaters ist, sich und andere begeistern zu können. Im Geist lebt er mit Villon, Diderot und Stendhal - er übersetzt sie und viele andere -, in der wirklichen Welt fühlt er sich einer Gruppe junger Maler zugehörig, die zwar sehr verschieden malen, aber alle glühende Antifaschisten sind. Kein Wunder, dass auch er, während einer legenären Fastnacht im Jahr 1936, Kommunist wird... Und natürlich erzählt es auch die Geschichte der Frau, die er liebt - Claras, die im Zentrum des Romans "Der Geliebte der Mutter". Die gleiche Geschichte, verblüffend anders erzählt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.04.2004
"Das Buch des Vaters" ist ein Roman, keine Autobiografie. Und zwar nicht, macht Lothar Müller deutlich, weil sein (auto)biografischer Gehalt etwa nur fiktiv sei, sondern weil Urs Widmer, der Sohn, dem Vater ein "Nachleben" verschafft, "das dessen durch und durch literarischer Existenz die Waage hält". Der "Gymnasiallehrer, Übersetzer, Literaturkritiker und Gelegenheitsautor" Walter Widmer ersteht als Karl auf und wird zum "Modell eines Schweizer Intellektuellen in Zwischenkriegszeit, Krieg und Nachkrieg". Doch zunächst, so beschreibt es der offenbar sehr bewegte und angeregte Rezensent, begegnen wir einem zwölfjährigen Buben, "geführt von der Zauberhand des Erzählers" durch eine Schweiz, in der noch das 19. Jahrhundert herrscht, der später zu einem "unermüdlichen Reisenden in der Weltliteratur", einem "Mitglied der kosmopolitischen Boheme" wird. "Der Ton", schreibt Müller, "ist munter, gelegentlich frivol, aber nahezu jede Anekdote ist mit Falltüren versehen". Der Rezensent ist sie bewundernd hinabgeklettert.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.03.2004
Seinem autobiografischen Roman "Der Geliebte der Mutter", in dem er den Vater "laut schweigend" aussparte, habe Urs Widmer jetzt einen furiosen Erinnerungsroman nachgelegt, schreibt eine euphorisierte Rezensentin Pia Reinacher. Das "Buch des Sohns über den Vater" hat sie "als unerhörtes Dokument eines verpassten Lebens" gelesen, und es ist ihrer Ansicht nach "nüchterner, distanzierter und gleichzeitig schwereloser" ausgefallen. Unterschiedlichste Elemente fand sie in der väterlichen Lebensgeschichte "bruchlos verklebt", die tieftraurigsten Szenen reizten sie zum Lachen, die fatalsten Begebenheiten amüsierten sie dagegen. Kein larmoyantes Nostalgiebuch, kein empfindsamer Bewältigungsversuch - mehr denn je arbeite Widmer mit Satire, der Parodie, der fantastischen Verfremdung der Wirklichkeit, begeistert sich Reinacher über Widmers Schreibverfahren. Über seine autobiografischen Bezüge hinaus fasziniert sie das Buch auch als "hochdiffiziles Psychogramm eines Literaten, der in Dünndruckausgaben, Bleisatz Goldschnitt und Fadenbändchen" sein Glück gesucht habe und an der Welt der Imagination zu Grunde ging; als das geniale Porträt eines Versagers, der sich mit Literatur gegen das Leben gepanzert hat.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.02.2004
War die Figur des Vaters in Urs Widmers letztem Roman "Der Geliebte der Mutter" noch ein "konsequent blinder Fleck", so antwortet "Das Buch des Vaters" wie eine "Spiegelgeschichte" auf diese Abwesenheit, erklärt der beeindruckte Rezensent Sebastian Domsch. Nach seiner Ansicht ist dieses Buch noch besser - weil "widmerscher" - als das letzte. Auch weil hier die Grenze zwischen Autobiografischem und "skurriler" Fiktion deutlicher ins Schwimmen geraten. Denn das Dorf des Vaters, so der Rezensent, ist eines, in dem soviel Särge vor der Haustür stehen, wie es Bewohner hat, eines, in dem jedes Kind ein leeres Buch geschenkt bekommt, um darin sein Leben aufzuschreiben, und es seinen Kindern zu vererben. Das Buch des Vaters bekomme der erzählende Sohn nur flüchtig zu sehen bevor es verschwinde, und er müsse infolgedessen den Verlust mit seiner Erzählung ausgleichen. Das klingt reichlich postmodern, meint der Rezensent, doch Widmer geht damit so "zurückhaltend" um, so "sparsam" und trotzdem "meisterhaft", dass es einfach "großartig" zu lesen ist. Beide Spiegelbücher, so Domsch, funktionieren wie ein "literarischer Reißverschluss", wie ein "komplexes Puzzle mit nur zwei Teilen". Der Roman, der sich daraus ergebe, sei "größer als die Summe seiner Teile", und erzeuge ein "unauslotbares Spannungsfeld", das der in beiden Büchern versuchten "erzählerischen Rekonstruktion" eine Absage erteile.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.02.2004
Martin Lüdke ist ganz unglücklich: Er schätzt Urs Widmer sehr. Besonders dessen vor vier Jahren erschienenen Roman "Der Geliebte der Mutter", in dem Widmer die Lebensgeschichte seiner Mutter ebenso wahrheitsgetreu wie fiktiv nacherzählt hatte, war in Lüdkes Augen ein "Meisterwerk". Im neuen Buch geht es nun also um das Leben des Vaters. Wie in anderen Büchern von Widmer gibt es auch hier "betörend eindrucksvolle Passagen", schreibt Lüdke, und doch "stimmt etwas nicht". Anders als die Mutter, deren wechselhafte Lebensgeschichte sich zu einer schicksalhaften Tragödie auswuchs, war der Vater eine "mittlere Größe", Gymnasiallehrer, Literaturkritiker und Übersetzer. Als Stoff gibt sein Leben einfach nicht viel her. Widmer schlingere darum herum, doch selbst das eigentlich zentrale Ereignis im Leben des Vaters, die Begegnung mit der rothaarigen Tochter eines Schmieds, führt zu nichts. "Das große Motiv eines versäumten Lebens wird nur angespielt, nicht ausgeführt", bedauert der enttäuschte Rezensent.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.01.2004
Urs Widmer habe eine "Hommage auf das Lebenswerk seines Vaters geschrieben", resümiert Roman Bucheli in seiner Besprechung dieser "biographie romancee" des Vaters, der ein bedeutender Übersetzer französischer Literatur war. Der Rezensent rät uns, den Roman "Das Buch des Vaters" und "Der Geliebte der Mutter" neben- und hintereinander zu halten, denn die beiden romanesken Biografien der Eltern Widmers ergänzten sich gerade deswegen, weil sie keine Berührungspunkte hätten. "Die stumme Anwesenheit des einen im Buch des anderen schafft eine komplementäre Bindung", argumentiert der Rezensent, deren Wirkung er als gegenseitige "Verdüsterung" und als "Schatten der Melancholie" beschreibt.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Bücher von Lesern empfohlen
Giorgio Agamben: Signatura rerum
Aus dem Italienischen von Anton Schütz. Jede Untersuchung hat einen unausgesprochenen Kern. Doch nur ein Denken, ...
Miljenko Jergovic: Freelander
Aus dem Kroatischen von Brigitte Döbert. Der pensionierte Gymnasiallehrer für Geschichte Karlo Adum erhält ...
Archiv: Bücherschauen
Klanggeist der Poesie
11.03.2010: Die Zeit preist Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt" als vibrierende Meditation über die Zeit, die Wahrheit und einsame Männer. Peter Rühmkorfs Aufnahmen "Jazz und Lyrik" erscheinen ihr als Idealfall akustischer Literatur. Als Gesamtanalyse der Poplinken kann die FAZ Wolfgang Frömbergs Spex-Roman "Spucke" empfehlen. Seufzend liest die SZ die Erinnerungen des Theaterkritikers Henning Rischbieter "Schreiben, Knappwurst, abends Gäste". Und die NZZ zieht sich mit P.G. Wodehouse zurück. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst
11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst".
Mehr lesen
Necla Kelek: Himmelsreise
08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise".
Mehr lesen
Yasmina Khadra: Die Schuld des Tages an die Nacht
04.03.2010: Younes wird zu Jonas, als er als Kind von seinem arabischen Onkel und dessen französischer Frau in Oran angenommen wird. In seinem Leben und einer unmöglichen Liebe spiegelt sich die Spannung zwischen Orient und Okzident. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Roman des algerischen Autors Yasmina Khadra "Die Schuld des Tages an die Nacht". Mehr lesen


Folgen Sie uns auf Twitter


