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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Francisco de Quevedo

Aus dem Turm

Moralische und erotische Gedichte, Satiren und Grotesken. Spanisch - Deutsch

Cover: Aus dem Turm

Dieterichsche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2003
ISBN-10 3871620580
ISBN-13 9783871620584
Gebunden, 303 Seiten, 20,00 EUR

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Klappentext

Ausgewählt und übersetzt von Werner von Koppenfels. Als Zeitgenosse gleichen Ranges von Luis de Gongora und John Donne war Francisco de Quevedo (1580-1645) einer der bedeutendsten und vielseitigsten Barockdichter Europas, und ebenso leidenschaftlicher wie wortmächtiger Zeuge des beginnenden Verfalls der spanischen Macht. Während seine satirischen Träume und sein abgründiger Schelmenroman Buscon es rasch zu internationalem Ruhm brachten, blieb seine glanzvolle Dichtung bis zur Moderne im eigenen Land unterschätzt und, da sie als nahezu unübersetzbar galt, außerhalb Spaniens bis heute so gut wie unbekannt. Die hier vorliegende erste umfangreiche Auswahl aus allen Bereichen dieses poetischen Riesenwerkes in formbetonter Übertragung lässt an Quevedos pointierter und kühner Fremdheit aufregend moderne Züge hervortreten. Gedrängtheit des Ausdrucks bei größter Mitteilungsfülle, verfremdende Metaphorik, verwegene Stilmischung, und die Gegenläufigkeit von idealem Aufschwung und Absturz in krasse Desillusion.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2004

Thomas Sträter eröffnet seine enthusiastische Besprechung mit viel Kontext: Spanien, frühes 17. Jahrhundert, das Weltreich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Es tobt ein Dichterkampf zwischen den Vertretern des sinnfällig bildhaft, doch "sprachlich klar formulierten Gedankens" und anderen, die Poesie als "hochintellektuell-esoterisches Spiel für Eingeweihte" betreiben. Francisco de Quevedo, den Sträter anhand eines Porträts von Velaázquez als schroffen und brillanten Menschen beschreibt, gehört zu der ersten Gruppe - ein einflussreicher Kulturträger am Hof, später in Ungnade gefallen. Borges hat ihn sich einige hundert Jahre später zum stilistischen Vorbild erkoren, den "kurzen und intensiven Rhythmus des Denkens" gepriesen, und Sträter stimmt dem berühmten Gewährsmann von ganzem Herzen zu. Quevedos Lyrik, schreibt er, "dominiert das große Barockthema Tod", der Gedanke der Vergänglichkeit alles Irdischen, aus dem dann aber ein "gesteigerter Lebensgenuss" erwächst. Werner von Koppenfels, der Herausgeber und Übersetzer, lobt Sträter zudem, habe "Bewundernswertes vollbracht".

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.02.2004

Andreas Dorschel ist sowohl von der Auswahl wie von der Übersetzung dieser Gedichte Francesco de Quevedo völlig begeistert. Er lobt den Übersetzer Werner Koppenfels geradezu überschwänglich für seine Übertragungen ins Deutsche, die er als gleichermaßen genau wie frei preist. Wegen der vielen witzigen Wortspiele und Metaphern wird man dem spanischen Lyriker des 17. Jahrhunderts nämlich mit einer wörtlichen Übersetzung nicht gerecht, betont der Rezensent. Deshalb preist er die "ästhetische Freiheit zum Unphilologischen", die sich Koppenfels, wo es nötig war, genommen hat, und meint respektvoll, dass diese deutschen Übersetzungen "schwer zu übertreffen" sein werden. Quevedos Gedichte erinnern Dorschel zwar an den spanischen Autor Baltasar Gracian, nicht zuletzt im sprachlich "Sentenziösen und Konzisen". Doch sieht er bei Quevedo vor allem eine Perspektive des "Verfalls" mit eher "düsteren" Vorzeichen im Mittelpunkt stehen, auch wenn er sein Werk gleichzeitig als "witzig" und "derb" apostrophiert. Dorschel freut es außerordentlich, dass mit dieser Gedichtauswahl, die zudem, wie er lobt, mit einem "superben" Nachwort des Übersetzers ausgestattet ist, endlich den "ganzen Quevedo" auch für deutschsprachige Leser sichtbar werden lässt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2003

Hans-Martin Gauger hält es mit Jorge Luis Borges, der 1952 einen Essay über den spanischen Dichter mit dem klangvollen Namen Francisco Gomez de Quevedo y Villegas verfasst und ihn als Lyriker auf eine Stufe mit Petraca und Shakespeare gestellt hat. Dessen theologischen und politischen Traktate hingegen fanden keine Gnade vor den Augen Borges', berichtet Gauger. Quevedo genieße selbst in Spanien nicht die angemessene Anerkennung, behauptet er. Im Vergleich aber mit den erwähnten Shakespeare und Petrarca vermisst der Rezensent in den Gedichten ein gewisses Maß an Dringlichkeit, an Innigkeit. Für ihn erweist sich Quevedo als Meister der Sprache, dem die Form über alles geht. Im übrigen zeige sich in den Gedichten noch eine "festgefügte, restlos unangekränkelte ... triumphalistisch katholische Welt", die den sinnlichen Genüssen durchaus zugeneigt war. Der Herausgeber Werner von Koppenfels fungiert auch als Übersetzer, der seiner Arbeit laut Gauger souverän nachgekommen ist. Nachwort und Anmerkungen seien kundig und klug verfasst, merkt Gauger an und zitiert ein letztes Mal Borges mit der feinsinnigen Bemerkung, Quevedo sei nicht der "Dichter der Dichter", sondern der "Literat der Literaten".

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