Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. Christine Angot findet Briefe ihres Vaters wieder, die der "Vernichtung" entgangen sind. Voller Bewunderung heißt es dort: "Warum Brasilien? Vielleicht weil dies ein Land ist, dessen ganzer Reichtum in der Zukunft liegt, wie auch für Dich, der Dir die Erde gewidmet wurde." Ein Versprechen, das das Leben nicht eingelöst hat. "Warum Brasilien?" erzählt das Zusammentreffen der Schriftstellerin Christine Angot mit dem jüdischen Journalisten Pierre Louis Rozynes. Ist er es, der das große Versprechen der Liebe einzulösen vermag?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 26.11.2003
Die Luft ist raus aus Christine Angot, notiert Michaela Klopp-Marx ungerührt. Angot ist eine der vier "schamlosen Französinnen", die in den vergangenen Jahren mit dezidiert autobiografischen und "recht freizügigen" Romanen Furore machten. Ihr neuer Roman, schreibt die Rezensentin, ist das Bild einer restlos erschöpften Autorin und gleichzeitig das "monomanische Protokoll" einer missglückten Beziehung zu einem ihrer Kritiker. Angots Stil sei auch in dem neuen Buch deutlich erkennbar: eine Kombination aus "(einst) angesagten Theoremen", vorgetragen in abgehackten Staccato-Sätzen, fugenartigen Wortwiederholungen, und unmotivierten Vor- und Rückblenden", das Ganze abgeschmeckt mit einer "eigenwilligen" Interpunktion. Das betont Ungekünstelte, das in "Inzest" noch gewirkt hat, erscheint nunmehr nur noch als Selbstzitat und damit "lächerlich", urteilt die Rezensentin.
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