Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Melitta Breznik erzählt sechs Geschichten von Frauen und Männern, die einsam sind, die sich immer heftiger in ihren Gefühlen verfangen und dennoch die Kraft nicht verlieren, sich auf ihre Weise zur Wehr zu setzen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Glaubt man Hubert Spiegel, dann braucht man einen gewissen Mut, um dieses Buch zu lesen - fröhlich scheint es nicht zu sein. Aber Spiegel scheint sich nicht gelangweilt zu haben. "Lebenstraurig" nennt er diese Erzählungen, "hungernde Herzhöhlentiere in ihrem ausweglosen Bau" zeigten sie. Spiegel macht als zentrales Motiv in Brezniks Schreiben den Abschied aus, das Wiedersehen nach langer Zeit, das melancholische Verfolgen nicht verwirklichter Möglichkeiten. "Variationen der Einsamkeit".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.10.1999
Martin Krumbholz kann sich nicht wirklich begeistern für diese Erzählungen. Er vermisst eine "gewisse negative Energie" und wittert ein schlechtes Gewissen bei der Autorin, das durch Schreiben zu einem guten Gewissen werden soll. Zu viel "Trauerrand" diagnostiziert er an diesen Texten, zu viel Empfindsamkeit, gleichzeitig bleiben seiner Ansicht nach alle Figuren - einschliesslich die der Erzählerin - zu blass. Dies sei in Brezniks "Nachtdienst" anders gewesen, und er erinnert an die gut gezeichnete Vaterfigur, die darin eine Rolle spielte. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen findet Krumbholz in "Figuren" sehr oberflächlich und unverbindlich.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.1999
Andrea Köhler zeigt sich besonders von Brezniks Gratwanderung beeindruckt: Sie könne einerseits ohne Sentimentalität, distanziert und mit "diagnostischem Blick" erzählen, gleichzeitig aber dennoch Intimität erzeugen und ohne Pathos mitfühlend sein. Angesichts der Themen, um die Brezniks Erzählungen vorwiegend kreisen, nämlich um Abschiednehmen und den Tod, äussert die Rezensentin um so nachdrücklicher ihre Anerkennung. Darüber hinaus lobt sie aber auch die Fähigkeit der Autorin, Figuren stilsicher zu zeichnen und ihr ausgeprägtes Talent zum Lauschen, zur Beschreibung akustischer Wahrnehmung. Zweideutig merkt die Rezensentin daher an: "Wenn es so etwas gibt wie hellhöriges Erzählen - in diesen Texten wird es wahr."
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