Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.09.2003
Die Lektüre dieser Augenzeugenberichte von deportierten Russlanddeutschen hat Spuren hinterlassen bei Rudolph Chimelli. Kein Wunder, erscheinen doch Gerhard Wolters Berichte in Chimellis Darstellung sehr eindringlich und drastisch. Es sei ein Buch über das Schicksal der "oft vergessenen" Volksgruppe, deren Geschichte in Russland bis zu "Iwan dem Schrecklichen" zurück reiche. Eine lange Geschichte des Alltags in der Fremde, der Unterdrückung, der Integration und der Vertreibung dieser Gruppe, die nach dem Zweiten Weltkrieg durch ein "Inferno gegangen" sei, wird hier also entworfen. Als Ergänzung sehr aufschlussreich findet Chimelli die Ausschnitte aus den Akten des KGB über Befehle an die "Vollstrecker", die "die Liquidierung als politisches Ziel sichtbar machen - entweder physisch, oder durch Auslöschung ihres Bewusstseins". Die Augenzeugenberichte tun dann ihr übriges, um die Strapazen der Vertreibung und Deportation zu illustrieren. So dass der Rezensent lakonisch schließt: "Keine leichte Lektüre".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.09.2003
Josef Henke zeigt sich tief beeindruckt von Gerhard Wolters Erinnerungsbuch, das auf bewegende und vergegenwärtigende Weise Zeugnis ablege vom russlanddeutschen Leidensweg: Deportation, Arbeitslager, Entwurzelung, Umsiedlung und das "Ende ihrer Existenz als eigenständige nationale Volksgruppe". Wolter habe nicht nur eigene Erinnerungen notiert, sondern eine Vielzahl von Berichten zusammengetragen, die "in vielen bedrückenden Einzelkonturen" die Wirklichkeit russlanddeutscher Schicksale vor dem Hintergrund von - so Wolters These - Stalins Versuch der "Entnationalisierung" des "Sowjetmenschen" dokumentieren. Leider fehle ihm, so Wolter, das für den schlüssigen Beleg seiner allgemeinen, das Schicksal der Russlanddeutschen zusammenfassenden Schlussfolgerungen nötige wissenschaftliche Werkzeug, angefangen vom Quellennachweis. Das Buch habe deshalb seinen Wert vor allem als Sammlung von Erinnerungen, die den Wert dieser Aktivität als eigenständiges "Anliegen geschichtlichen Denkens und Handelns" deutlich mache.
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