Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Graham Swift

Das helle Licht des Tages

Roman

Cover: Das helle Licht des Tages

Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN-10 3446203583
ISBN-13 9783446203587
Gebunden, 326 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Rojahn-Deyk. George Webb arbeitet als Detektiv in einem Londoner Vorort, Spezialität: Scheidungsfälle. Für Sarah Nash, in die sich George verliebt, soll er ihren Mann beschatten, der eine leidenschaftliche Affäre mit einer kroatischen Studentin hat. Bis zumSchluss läuft alles nach Plan, doch in einem einzigen Moment verliert Sarah, die behütete kultivierte Frau, die Nerven und damit alles was sie besessen hat.

Rezension Perlentaucher

Mosaikstein um Mosaikstein wird eingefügt, es ergibt sich ein Bild, aber es bleiben Leerstellen. Leer bleibt, genauer gesagt, das Zentrum des Romans und darin liegt seine eigentliche Pointe. Die Lücke des Rätsels, das der Mensch sich bleiben muss, gerade da, wo er Staunen macht, sich und die anderen, will Swift nicht füllen...
Lesen Sie mehr von Ekkehard Knörer in 'Mord und Ratschlag'

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003

Christoph Schröder braucht keine halbe Seite, um zu erklären, wie aus einer dem Kriminalgenre entlehnten Detektivfigur und einem "banalen" Plot eine "zauberhafte Detektivgeschichte" werden kann. Schröder liest den Roman als bewusste Dekonstruktion des Genres, dessen Überreste im Laufe der Lektüre "neue Qualitäten" entfalten. Der Ich-Erzähler George Webb versucht zu klären, warum die Frau, in die er sich verliebt hat, ihren Mann erstochen hat. Vergeblich, wie sich herausstellt. Die Nachforschungen des verliebten Detektivs in eigener Sache packe Swift in einen "kunstvoll gebauten, atmosphärisch dichten Roman", voll mit Rückblenden und Einschüben. Ein "Spiel mit Fiktion und Wahrheit" entstehe, das aber immer zurückhaltend bleibe, was der Rezensent besonders schätzt. "Die Dezenz des Erzählens, die Andeutungskunst, ist ebenso glänzend wie beglückend."

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.10.2003

Ziemlich außergewöhnlich findet Rezensent Sebastian Domsch diesen Kriminalroman von Graham Swift. Zwar versammelt Swift alle typischen Elemente des klassischen Krimis, etwa den suspendierten Polizisten und Privatdetektiv, den müden Ermittler kurz vor der Pensionierung, die betrogene Ehefrau, das Messer mit den Blut- und Petersiliespuren und so weiter. Doch - und das ist für Domsch das Besondere - entzieht er sich zugleich allen Genrekonventionen. Nicht die Frage nach dem Täter steht Domsch zufolge im Mittelpunkt, sondern das "Unerklärliche der Tat überhaupt". Deswegen sei der Roman auch nicht als Geschichte mit durchgängiger Handlung angelegt, sondern lasse den Leser unmittelbar an der Erinnerungsarbeit des Privatdetektivs George Webb teilhaben, der sich in Sarah, seine Auftraggeberin, die nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis sitzt, verliebt hat. Insbesondere die "große technische Meisterschaft", mit der Swift das "Protokoll eines gequälten Denkens" schreibt und der "unlösbaren Frage" nachgeht, wie wir unseren Weg wählen, wie und wann wir welche Entscheidungen treffen, hat Domsch beeindruckt. Da Swift das Rätsel zum Prinzip macht und Webb an der Unbegreiflichkeit des Mordes und seiner Liebe zu Sarah verzweifeln lässt, besteht seines Erachtens ein wenig die Gefahr, er könnte am Ende einige Leser, die sich damit nicht abfinden wollten, verlieren.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.10.2003

In Graham Swifts "hervorragendem" Roman fällt das "kalte, klare Licht eines kurzen Novembertages in die dunklen Hintergründe einer unwahrscheinlichen Liebesbeziehung", schwärmt der Rezensent Thomas David. An einem einzigen Tag spielt die Erzählung, dem Tag nämlich, an dem der Privatdetektiv George Webb die inhaftierte Sarah besucht, genau zwei Jahre nachdem sie ihren Mann ermordet hat. Was Swift an dieser Situation interessiert, so der Rezensent, ist, dass im Grunde nichts passiert, und dass andererseits "Dinge von großer Bedeutung" geschehen, ohne dass sie als "außergewöhnliche Ereignisse" daherkämen. Umso unbegreiflicher scheine es, dass diese scheinbar nichtigen Dinge einen Menschen an den äußersten Rand seiner selbst treiben können, und darüber hinaus zum "Überschreiten von Grenzen". Dies zu rekonstruieren habe sich auch der Held des Romans, George Webb, in dem der Rezensent eine Art alter ego des Autors erkennt, zur Aufgabe gemacht, so dass Webbs weitgehend rückblickende Gedanken diesem einen Tag und dem zentralen Moment der Begegnung zwischen George und Sarah eine Geschichte geben. Doch es geht nicht darum, so David, letzte und restlose Klarheit zu schaffen, sondern im Grenzspiel zwischen "Fiktion" und "Wirklichkeit" die eigene Wahrheit zu finden.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.09.2003

Von diesem Buch ist Thomas Steinfeld einfach hingerissen. Er feiert diesen Roman als das "schlichteste, aber auch unglaublichste Buch dieser Saison". Denn eigentlich, so der Rezensent beeindruckt, hat die Geschichte um einen Privatdetektiv, der sich in eine Mörderin verliebt, "alle Requisiten" eines Krimis und erinnert zudem nicht zufällig an den Film "To Have And To Have Not". Und so dauere es nicht lange, bis den Lesern klar werde, wie sich die Geschichte entwickle, und dennoch verliere sie nicht ihre Spannung, meint Steinfeld begeistert. Er rühmt den britischen Autor als "Meister" im Erzeugen dieser Spannung und im Ausschmücken der Frage, wie es zu all dem, was das Buch beschreibt, kommen konnte und bekennt, dass der Plot ihm "zu Herzen" gegangen ist. Besonders gut gefallen hat dem Rezensenten zudem, dass Swift es nicht nötig hat, Bildungszitate im Text hervorzuheben und deshalb weder auf das sich aufdrängende Orpheus-und-Eurydike-Thema noch auf das Todesmotiv, was seiner Geschichte unterlegt ist, herumreitet.

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