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Hans-Thies Lehmann
Postdramatisches Theater
Klappentext
"Postdramatisches Theater" ist Theater nach dem Drama. Das heißt: Am Ende dieses Jahrhunderts wird eine vielfältige Theaterlandschaft sichtbar, für deren ästhetische Verfassung nicht mehr die traditionelle Einheit von Drama und Theater ausschlaggebend sind. Das Buch des Theatertheoretikers Hans-Thies Lehmann bietet die lang erwartete Darstellung der internationalen Entwicklung der szenischen Formen seit den sechziger Jahren und entwickelt in detaillierten Analysen, wie das "neue" Theater in seinen innovativen Formen gegenüber den auf den dramatischen Text zentrierten ein neues Paradigma der Theaterkunst zu realisieren versucht. Lehmanns Studie knüpft an die von Peter Szondi geleistete Theoretisierung des modernen Dramas an. Für seine verschiedenen Aspekte seien einige Namen genannt: Pina Bausch, Heiner Goebbels, Klaus Michael Grüber, Heiner Müller, Robert Wilson, Robert Lepage, Jan Fabre.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.06.2000
Klaus Benesch lobt die Untersuchung Lehmanns als "nützlich und verdienstvoll", auch die Bezeichnung `postdramatisch` statt `postmodern` gefällt ihm, weil sie einleuchtend die wichtigste Tendenz des modernen Theaters beschreibe, nämlich die Abkehr vom dramatischen Text, die keine Abkehr von der Moderne sei. Aber zufrieden ist Benesch mit dem Buch nicht: Seiner Ansicht nach ist es weder Fisch noch Fleisch. Lehmann habe Theaterwissenschaft und Philosophie verbinden wollen, mit dem Ergebnis, dass es den theoretischen Überlegungen an "analytischer Systematik" mangelt und dem theaterwissenschaftlichen Teil an "konkretem Bezug zu einzelnen Aufführungen". So ist aus der Studie nach Benesch mehr eine ausufernde "Zusammenschau" geworden, als eine gründliche Analyse der Grundlagen des zeitgenössischen Theaters. Nur das Kapitel über Theater und Massenmedien genügt den Ansprüchen des Rezensenten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.04.2000
Tobi Müller versucht in seiner Rezension die Wogen, die dieses Buch ausgelöst hat, durch eine sachliche Analyse etwas zu glätten. Denn seiner Ansicht nach gibt der Band - bei nüchterner Betrachtung - wenig Anlass zum Polarisieren. Statt einem "Paradigmenwechsel" zeige Lehmann hier vielmehr verschiedenen Möglichkeiten und Facetten des Postdramatischen Theaters auf, wodurch - was der Rezensent begrüßt - Denkanstöße und eine "Neuausrichtung des Blicks" ermöglicht werden. Keineswegs gehe es hier darum, "Begriffsmauern zwischen `realistisch-erzählendem` contra `postdramatisch-assoziativem`" Theater hochzuziehen. Und gerade deswegen erscheint Müller der Wirbel, den das Buch ausgelöst hat, besonders unverständlich. Müller betont mehrfach Lehmanns Fachkenntnis und seine "Schläue", aber auch die Liebe zum Theater, die selbst bei Kritik, die Lehmann äußert, stets spürbar bleibe. Lobend hebt Müller hervor, dass man das Buch "auch als theatergeschichtliche, ansatzweise als wissenschaftsgeschichtliche Abhandlung" lesen könne, vor allem aber, dass der Autor die Postmoderne im historischen Zusammenhang betrachtet. Dabei zeige Lehmann unter anderem auf, welche Möglichkeiten für das postmoderne Theater er bereits bei Aristoteles und Hegel angedeutet sieht, ohne dass er diese dabei allerdings "als frisch verbürgte Väter ins postdramatische Familienalbum" klebe.
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