Volker Ullrich hat Heinrich Manns "grandiosen Epochenroman" neu gelesen und bezeichnet ihn mit Kurt Tucholsky als "Herbarium des deutschen Mannes". Für Ullrich leistet der Roman Großes auf zwei Ebenen: Einerseits schildere Mann in Episoden die familiäre, schulische und militärische Härtedressur, die aus dem sensiblen Diederich Heßling den "Prototyp" eines Untertanen macht, der sich der Macht des Stärkeren "lustvoll" unterwerfe. Die Maxime "Nach oben buckeln, nach unten treten" sei dabei Heßlings Lebensprinzip, so Ullrich. Andererseits zeichne Mann gleichzeitig ein breites Panorama der wilhelminischen Gesellschaft, erzählt der Rezensent beeindruckt. "In satirischer Vergrößerung", entfalte Mann das "Operettenhafte und Martialische" des Wilhelminischen und seiner typischen Repräsentanten. Besonders gut gefallen hat dem Rezensenten Manns "Kunstgriff", in die Reden Heßlings Originalzitate Wilhelms II. zu montieren - "in raffinierter Weise" mache das die Phrasenhaftigkeit erst recht deutlich. Vor allem aber attestiert Ullrich dem Autor eine enormen Weitblick: "Aus Heinrich Manns Psychogramm des Wilhelminismus kann man mehr über die Vorgeschichte des Nationalsozialismus lernen als aus den meisten gelehrten Geschichtsbüchern". Dies belegt er mit einem Zitat des Autors von 1945: "Als ich die Gestalt des Untertan aufstellte, fehlte mir von dem ungeborenen Faschismus der Begriff, und nur die Anschauung nicht".
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