Maurizio Viroli

Das Lächeln des Niccolo

Macchiavelli und seine Zeit
Cover: Das Lächeln des Niccolo
Pendo Verlag, Zürich 2000
ISBN 9783858423757
Gebunden, 349 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann. Viroli schildert das Leben Macchiavellis: die Begegnungen mit den Mächtigen, Freundschaften, Amouren, Reisen, Siege und Niederlagen. Zugleich lernen wir das Florenz der Medici kennen und das Italien des 16. Jahrhunderts, das reich war an Umstürzen und überraschenden Entwicklungen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Gleich zwei Autoren sind angetreten, um dem italienischen Theoretiker Niccolò Machiavelli ein menschliches Antlitz zu geben. Für Hans-Martin Lohmann ein überfälliges Anliegen, weswegen er in seiner lesenswerten Doppelrezension den beiden Autoren Viroli und Hoeges recht dankbar ist. Schließlich ist die Machiavelli-Rezeption in hohem Maße zeitgebunden gewesen und hat sich immer eher auf einen `Popanz` bezogen, als auf Machiavelli selbst, wie Lohmann überzeugend darstellt.
1) Maurizio Viroli: `Das Lächeln des Niccolò` (Pendo)
Viroli präsentiert nach Lohmann eher einen `Learschen Narren`, einen `melancholischen Clown`, der darüber verzweifelt, dass politische Kurzsichtigkeit, Torheit und Opportunismus allemal über Weitsicht und Klugheit triumphieren.
2) Dirk Hoeges: `Niccolò Machiavelli` (Beck)
Anders der Romanist Hoeges. Laut Lohmann sieht er in Machiavelli einen `Schriftsteller von Rimbaudschem Format, der nicht bloß modern ist, sondern absolut modern`. Lohmann sieht in Hoeges Deutung eine ästhetische Begründung der Macht, die - Zufall oder nicht - in die Kanzlerschaft Gerhard Schröders fällt, wie Lohmann süffisant andeutet: `Ohne den Schein der Macht kommt keine Macht mehr aus`.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2000

Der Autor sei der seltene Fall eines Politikwissenschaftlers, der erzählen kann, befindet Rezensent Kurt Oesterle und ist denn auch sehr angetan von Virolis Machiavelli-Biografie. Neben der Rekonstruktion des Theoretikers, der Politik als "Produkt der Triebe und Leidenschaften" beschrieben habe, steht der Renaissancemensch Machiavelli im Mittelpunkt. Sein Lächeln, das andere als Zeichen des Zynismus gedeutet haben, liest Vitroli als Signal für egalitäre Gesinnung und vor allem Sinnenfreude, so Oesterle. Entsprechend werde den Amouren Machiavellis breite Aufmerksamkeit geschenkt - und der Rezensent scheint das ausführlich zitierte "Nachkosten seiner Liebesabenteuer" durchaus zu goutieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.06.2000

Der Autor habe den bisherigen Biografien Macchiavellis nichts Neues hinzufügen können, dennoch aber versucht, sein Leben auf neue Weise zu erzählen, meint Hanno Helbling. Ein nur teilweise als gelungen zu bezeichnender Versuch, was Helblings Sympathie für das Buch des Princeton-Professors und Macchiavelli-Spezialisten keinen Abbruch tut. Er findet es lesenswert, weil es das Wesentliche ohne Vereinfachungen vermittelt, Macchiavellis Werke biographisch einordnet, ohne ihre Bedeutung zu schmälern, Anekdotisches präsentiert, ohne darauf aufbauen zu müssen. Was aber hat es mit Macchiavellis Lächeln auf sich? Das Lächeln auf den Bildnissen des Schriftstellers läßt sich nicht "in die Lebensgeschichte zurückübersetzen", schlussfolgert Helbling nach der Lektüre des Buches, aber daß Macchiavelli auch ein Spaßvogel war, müsse dem Macchiavelli-Verteidiger Hegel entgangen sein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.04.2000

Hier handele es sich nicht um eine ausführliche wissenschaftliche Biografie Macchiavellis (wie etwa die von Roberto Ridolfo), bemerkt der Rezensent mit dem Kürzel "rox." in einer Kurzkritik, sondern es gehe Viroli eher um eine "populär gehaltene Lebensgeschichte", die Macchiavelli in Verbindung mit dem Zeitgeschehen in Florenz zeigen wolle. Lesenswert findet der Rezensent das Buch dieses in Princeton lehrenden Italieners offensichtlich dennoch. Nur die deutsche Übersetzung kritisiert er als "schwerfällig".
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