Mathew D. Rose

Eine ehrenwerte Gesellschaft

Die Bankgesellschaft Berlin
Cover: Eine ehrenwerte Gesellschaft
Transit Buchverlag, Berlin 2003
ISBN 9783887471798
Gebunden, 232 Seiten, 16,80 EUR

Klappentext

Der größte Bankenskandal in der Geschichte der Bundesrepublik: man kennt die Folgen, aber die Ursachen bleiben hinter einer Nebelwand verborgen. Der Autor erzählt von einem unglaublichen Fall, in dem Größenwahn, die Verfilzung von Geld und Politik und gigantische Inkompetenz sich zu krimineller Energie bündeln - mit dem Ergebnis, dass eine ganze Stadt ausgeplündert und deren Einwohner für Milliardenverluste zur Kasse "gebeten" werden.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.07.2003

Im tagespolitischen Geschehen der Hauptstadt spielt die Krise der Berliner Bankgesellschaft, ihre Ursache und ihre Bewältigung, nur noch eine Nebenrolle. Scheinbar haben sich alle mit dem Ist-Zustand abgefunden und versuchen, die Haushaltslöcher zu kitten, anstatt sich mit radikaleren (und vielleicht besseren) Lösungswegen zu befassen. Genau in diese Bresche springt nach Ansicht des Rezensenten Ralph Dollmann das Buch von Mathew D. Rose. Zunächst schildere der Autor "so strukturiert wie faktenreich (...) fernab eines kurzsichtigen Affärenjournalismus die Chronik einer absehbaren Milliardenpleite." Die Zahlen seien beeindruckend, so Bollmann. Mit 20 Milliarden Euro -was den aktuellen Berliner Jahresetat übersteige- bürge die Stadt inzwischen für Risiken der Gesellschaft. Anschließend weist der Autor jedoch einen ziemlich radikalen Lösungsweg aus der Misere: Man solle die Bankgesellschaft doch einfach Pleite gehen lassen. Die Konten der Privatanleger seien ohnehin abgesichert, und die Haftung für die Immobilienfonds sei Berlin damit endgültig los. Darin will der Rezensent Rose jedoch nicht zustimmen, denn es sei wohl schwer vorstellbar, was passieren würde, wenn zwei Millionen Kunden der Berliner Sparkasse vorübergehend nicht an ihr Geld kommen. Auch würde Berlin mit einem solchen Schritt das System der öffentlichen Banken in Deutschland zum Einsturz bringen und sich "endgültig die Sympathien der übrigen Bundesländer verscherzen."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.07.2003

Marius Zippe ist begeistert von dem Kenntnisreichtum, mit dem Mathew D. Rose den "größten Wirtschaftsskandal in der Geschichte der Bundesrepublik" aufrollt. Der Autor zeige auf, dass die Bankgesellschaft Berlin vor allem zwecks Versorgung der "Klientelwirtschaft" mit Posten, Aufträgen und Krediten gegründet wurde. Unser Rezensent hat in dieser Studie erfahren, dass die Schuld für die vorhersehbare Katastrophe vor allem die Berliner Politiker, die Bankmanager, die Wirtschaftsprüfgesellschaften und das damalige Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen trifft. Er zeigt sich entsetzt über die "Raffgier" der "Berliner Beutegesellschaft" aus Bankvorständen, Politikern und Baulöwen, die einen "sorglosen Raubzug durch die öffentliche Kassen" unternahmen. Zippe unterstreicht das Verdienst des Autors, die verstreuten Informationen zusammenzuführen, obwohl ein "dichter Nebel" die Ereignisse einhülle. Unser Rezensent gibt zu Bedenken, dass der Immobilienhändler Manfred Schoeps vor Gericht zog, weil er sich durch den Titel des Buches in die Nähe der Mafia gerückt sah. Die Richter lehnten seine Klage ab, allerdings mussten vier Stellen im Text, die Schoeps ebenfalls monierte, geschwärzt werden. Viel aufschlussreicher findet Zippe jedoch, dass das Buch "im Wesentlichen" vor den Richtern bestand.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.05.2003

Nils Kreimeier zeigt sich in seiner kurzen Kritik über die Studie zum Niedergang der Bankgesellschaft Berlin sehr angetan. Er lobt, dass es dem in Amerika geborenen Journalisten gelungen sei, "einen schmalen Pfad" in das fast undurchdringliche "Dickicht" des Bankskandals zu schlagen. Dabei findet er es hilfreich, dass Rose vor allem die "faulen Wurzeln" der Bankgesellschaft untersucht, statt wie die meisten Medienberichte während der Hochzeit des Skandals, das Augenmerk auf die Parteispendenaffäre des Berliner CDU-Fraktionsvorsitzenden Landowsky zu legen.

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