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zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Johann Wilhelm Ludwig Gleim

Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Ausgewählte Werke

Cover: Johann Wilhelm Ludwig Gleim: Ausgewählte Werke

Wallstein Verlag, Göttingen 2003
ISBN-10 3892444986
ISBN-13 9783892444985
Gebunden, 768 Seiten, 29,00 EUR

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Klappentext

Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719-1803) gehört zu den bedeutenden Autoren der sogenannten Vorklassik. Vor allem mit seinen anakreontischen Gedichten hat er einen wichtigen Beitrag zur Geschichte der deutschen Lyrik geleistet, aber auch durch seine Fabeln und Romanzen, seine Sinngedichte und besonders seine Kriegslieder eines preußischen Grenadiers hat er anregend auf die Literatur seiner Zeit gewirkt. Anlässlich des 200. Todestages am 18. Februar 2003 erscheint diese Auswahlausgabe. Sie bietet einen repräsentativen Überblick über das umfangreiche Gesamtwerk Gleims.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.02.2003

Als Literat war Johann Wilhelm Ludwig Gleim kein Glanzlicht, warnt Jens Bisky und empfiehlt trotzdem wärmstens dessen "schertzhafte Lieder", die Mitte des 18. Jahrhunderts der Mode der anakreontischen Dichtung frönten und von Wein, Liebe, Frühling, Gesang und Tanz handelten. Nur Gleims patriotische Ergüsse sind heute kaum noch genießbar, so der Rezensent. "Lyrische Meterware", sagt Bisky über Gleims Werk, zumindest teilweise, doch habe man heutzutage die literarischen Muster vergessen und könne das "programmatisch Unangestrengte" der Verse genießen, das dem hohen Ton der Lyrik widerspreche, der sich bald darauf durchgesetzt hätte. Gleim war aber mehr als ein Dichtersmann, hält Bisky fest, er war ein Drahtzieher und Förderer, der "mit allen befreundet" war. Diese Seite Gleims kommt Bisky in der von Walter Hettche kommentierten Auswahl etwas zu kurz, in der nur der Briefwechsel mit Gottfried August Bürger Berücksichtigung gefunden hat. Insgesamt gilt Gleim unserem Rezensenten eher als Epigone denn als Vorläufer, vor allem aber als Vertreter einer vergnüglichen "Nebenstundenpoesie".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2003

Mustergültig findet Rezensent Heinrich Detering (dessen Rezension auf diesen Autor ausgesprochen neugierig macht) diese neue Gleim-Ausgabe, mit der zum zweihundertsten Todestag Herausgeber Walter Hettche diesem "Meister des Kleinen, der kunstvollen Einfalt" endlich Gerechtigkeit widerfahren lasse. In der Edition, Detering zufolge "viermal so umfangreich wie Jürgen Stenzels Pionierunternehmen von 1969", lasse sich wiederentdecken, dass man es hier mit einer wichtigen Figur der deutschen Literatur zu tun hat. Nicht nur sei Gleim der erste gewesen, der reimlose Verse proklamierte. Auch habe er mit seinen schlichten "Romanzen" die deutsche Kunstballade eröffnet. Immer wieder habe er mit leichter Hand Ausdrucksformen geschneidert, "die dem poetischen Zeitgeist passten, wie angegossen". Der Rezensent beschreibt Gleim auch als höchst skurrilen Inszenator seiner selbst, als eine Art Popstar seiner Zeit, der aber von den Zeitgenossen am Ende nicht mehr ernst genommen worden sei. Gegen die "Genies und Kraftkerle" des Sturm und Drang habe er überzeugende Gegenbilder geschaffen und besonders empfindsame Freundschaften gepflegt. Doch sei er irgendwann allen nur noch "auf die Nerven" gegangen. Noch auf dem Sterbebett habe der "lebenslange Jüngling" ein Epigramm gegen Schlegels "Lucinde" diktiert, und der bewegte Rezensent hört darin "aus einer versunkenen Welt" eine brüchige Altherrenstimme gegen den Sturmwind der Romantik anklingen.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.02.2003

Himmelhochjauchzend wird dieser heroische Versuch von Rezensent Benedikt Erenz begrüßt, den dichtenden Halberstädter Domsekretär, Briefeschreiber und Dichterförderer Gleim wiederzuentdecken. Für dieses Wagnis wird auch der herausgebende Münchener Germanist Walter Hettche sehr gelobt, dessen Kommentar Erenz "exzellent" findet, die Edition insgesamt als "Schatztruhe für Literaturhistoriker" würdigt. In den Texten dieses "anachronistischen Anakreontikers" Gleim, dessen (gelegentlich recht preußisch-martialische) Verse einst in allen Lesebücher gestanden hätten, hat der Rezensent manches "hoch Merkwürdige" entdeckt und zudem viele kleine, "gewissermaßen anakreontische" Freunden gehabt. Auch müssen die Briefe, Lieder und Gedichte des Friedrich II. Verehrers Gleim einige aufschlussreiche Schrullen der deutsche Seele am individuellen Beispiel illustrieren, an dem den Rezensenten besonders dessen absoluter Wille, Freund zu sein, gerührt hat.

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