Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Reinhart Baumgart

Glück und Scherben

Drei lange Geschichten, vier kurze

Cover: Glück und Scherben

Carl Hanser Verlag, München 2002
ISBN-10 3446202072
ISBN-13 9783446202078
Gebunden, 176 Seiten, 17,90 EUR

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Klappentext

Baumgarts Erzählband "Glück und Scherben" ist ein weiterer Beweis seiner Erzählkunst. In den Geschichten greift Baumgart Alltagssituationen spleeniger Existenzen auf und spürt ihren geheimsten Wünschen und Ängsten nach. Mit seiner klaren und ironischen Prosa zieht er den Leser in seinen Bann, dem dieser nur schwer wieder entkommt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.02.2003

Nach anfänglicher Begeisterung ist Wolfgang Schneider doch enttäuscht von diesen Erzählungen. Die Geschichten, in denen es um Beziehungen "zwischen Lust und Leidenschaft" geht, wie der Rezensent zusammenfasst, weisen jede Menge "geglückter Formulierungen" und sehr genaue Beobachtungen auf, lobt Schneider zuerst. Seitenweise hat er gar immer wieder das Gefühl, "eine Meister-Erzählung" vor sich zu haben. Aber die anfängliche Begeisterung flaut ab, weil bei allem gelungenen "Beschreibungsaufwand" die Figuren der Erzählungen selbst weder Interesse erregen, noch "Kontur" gewinnen, wie der Rezensent moniert. Jetzt kritisiert er auch die "komplizierten Handlungsabläufe", die dennoch nicht verbergen können, dass hinter dem ganzen sprachlichen Aufwand eben einfach keine "überzeugenden Geschichten" stehen.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.02.2003

Auch wenn Reinhard Baumgarts Erzählungen vorwiegend von alten Männern handeln, folgen sie Khristina Maidt-Zinke zufolge einem ungebremsten Fabuliertrieb, als gehöre der Autor, staunt die Rezensentin, einer jüngeren Generation an, die sich partout dem Erwachsenwerden verweigert. Vielleicht liegt ein Grund für diesen Mitteilungsdrang in der Tatsache begründet, legt Maidt-Zinke nahe, dass Baumgart seine Schriftstellerkarriere für dreißig Jahre unterbrach und als Literaturkritiker arbeitete. Baumgart geht wahrhaft unbefangen zu Werk, wundert sich die Rezensentin, zuweilen fast redselig, findet sie, wenn es um die erotischen Verstrickungen des akademischen Milieus geht. Überhaupt will es ihr scheinen, als habe der Philologenberuf Baumgart "die Lust an der Präzision", an Stil und Form verdorben. Stattdessen wird das Verschwommene, Nebulöse zum Erzählprinzip erhoben, was für Maidt-Zinke seinen eigenen Charme besitzt. Von literarischer Moderne, schließt sie, jedenfalls keine Spur. Die Versammlungen der Gruppe 47 müssten sich dem Autor Baumgart schwer aufs Gemüt gelegt haben.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.11.2002

In diesen Geschichten wird viel geträumt, meint Andreas Isenschmid, der sich auch in der Form der Texte an Träume erinnert sieht. Sehr begrüßenswert findet es der Rezensent, dass nach langjähriger Kritikertätigkeit endlich wieder ein Prosaband des Autors erschienen ist, und er kommt aus dem Schwärmen über die Erzählungen gar nicht heraus. Was den Rezensenten so beeindruckt ist Baumgarts "hervorstechende Gabe", durch immer weiteres Kombinieren, Auseinandernehmen und neues Zusammenlegen das "Entlegenste durch harte Schnitte weich zusammenzukleben". Diese doch etwas wolkige Formulierung wird vom Rezensenten dahingehend präzisiert, dass er dem Autor bescheinigt, in einem überaus "träumerischen" Stil konkrete Erfahrungen zu schildern und an der richtigen Stelle abzubrechen, nie zu viel zu verraten. Wer allerdings "straffe Plots" oder "satte Pointen" erwartet, kommt bei diesem Buch nicht auf seine Kosten, warnt der Rezensent, und er stellt statt dessen "Geheimnis, Übergang und Halluzination" in Aussicht. Isenschmid, der besonders die Titelerzählung als "virtuos" preist, sieht in den Texten ein beeindruckendes Schwanken zwischen "Traumdämmer" und dem Streben nach "Offenbarung, Bestimmtheit, Abgrenzung".

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