Die sozialhistorisch ausgerichtete Studie beschäftigt sich mit der Frage, warum es die Menschen im 17. und 18. Jahrhundert ablehnten, freiwillig ihre Körper nach dem Tod der Anatomie zur Sektion zu überlassen. Die Einbeziehung nicht nur der Sichtweise der Mediziner, sondern auch der verschiedenen Obrigkeiten sowie der Betroffenen selbst vermittelt neue vielschichtige Erkenntnisse. Es wird deutlich, dass die Ambivalenz im Umgang mit dem sezierten Leichnam nicht zuletzt an den Widersprüchen lag, die sich aus den jeweiligen Argumentations- und Handlungsketten ergeben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2002
Ein interessantes Stück Sozialgeschichte ist es nach Meinung der Rezensenten Thomas Schnalke auf jeden Fall, was hier von Karin Stukenbrock in einer "profunden [?] Studie" aufbereitet wird. Sie geht der Frage nach, wie und vor allem an welchen Körpern in der Frühmoderne anatomische Forschungen betrieben wurden und kommt dabei zu spannenden, weil überraschenden Ergebnissen. Das ist gerade bei diesem Thema nach Meinung der Rezensentin doppelt interessant, denn dieser Bereich der "Medizin- und Wissenschaftsgeschichte war bislang mit sehr vielen dunklen Vermutungen und Pauschalaussagen befrachtet". Bei genauerer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild als von der Rezensentin zunächst angenommen. Obwohl vor allem die Körper von "Mitgliedern gesellschaftlicher Randgruppen" zu anatomischen Zwecken benutzt wurden, war es nicht kein Interessenskonflikt entlang klar vorgefasster Linien: "Eine Frontstellung - hier die Obrigkeit im Verbund mit der fortschrittsgläubigen Anatomenschaft, dort die unterdrückten Rechtlosen - nicht der Realität", so die Kernthese von Stukenbrocks Arbeit.
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