Bücherschau der Woche
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Klappentext
Herausgegeben und eingeleitet von Erdmut Wizisla. Uwe Johnson, Anfang zwanzig und Student, wechselt zum Wintersemester 1954 von Rostock nach Leipzig, in die (wie er später schreibt) "wahre Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik". Jochen Ziem, zwei Jahre älter als Johnson und ebenfalls Student, wechselt gleichzeitig von Halle nach Leipzig. Beide studieren Germanistik bei dem legendären Hans Mayer, beide stehen dem Studium skeptisch gegenüber, beide wollen Schriftsteller werden - gute Voraussetzungen für eine intensive und durchaus fröhliche Freundschaft.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.01.2003
Studentische Cliquen wählen sich gerne eine Geheimsprache, die niemand sonst versteht, meint Lothar Müller, und wenn es sich um Literaturstudenten handelt, dann gelte es erst recht, die schöpferische Begabung diesbezüglich unter Beweis zu stellen. In Leipzig in den fünfziger Jahren jedenfalls war es das Englische, das zur Geheimwaffe gegen die DDR-Bürokraten erklärt wurde, und so strotzen die Briefe Johnsons an Jochen Ziem von Anglizismen, die "wie Parolen" ausgetauscht wurden, findet Müller. Ziem und Johnson waren in ihrer Leipziger Zeit befreundet. Ziem ging früher als Johnson in den Westen und machte dort eine mittelmäßige Schriftstellerkarriere. Der sorgfältig edierte und kommentierte Band, berichtet Müller, enthält leider nur die Briefe und Postkarten Johnsons, deren Reiz für den Rezensenten in ihrer Eigenschaft als literarisches wie politisches Anspielungsterrain besteht. Ziems Briefe dagegen seien nicht erhalten, der Herausgeber habe sich mit eigenen Texten Ziems und dessen "bitterbösen Erinnerungen" an die in die Brüche gegangene Freundschaft mit Johnson beholfen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.01.2003
Jochen Ziem gehörte einer Zeitlang zu Johnsons Leipziger Freundeskreis, bevor er sich 1955 in den Westen aufmachte. Anschließend schrieben sich die Freunde noch bis Ende des Jahres 1957, erzählt Roland Wiegenstein, wobei leider nur Johnsons Anteil an dieser Korrespondenz erhalten geblieben sei. Die Briefe lagern im Ziem-Archiv der Berliner Akademie der Künste; Erdmut Wizisla vom Berliner Brecht-Archiv hat sie gesichtet und ebenso klug wie diskret kommentiert, findet Wiegenstein, der Transit-Verlag wiederum habe sich um eine sorgfältig Ausstattung des Buches mit Fotos und Faksimiles verdient gemacht. Für die Forschung sind die 37 Schriftstücke nur in Maßen interessant, vermutet Wiegenstein. Zwar sei der unverwechselbare Johnson-Ton aus den "Jahrestagen" und den "Mutmaßungen" schon herauszuhören, dennoch sieht Wiegenstein die Briefe eher als stilistische Erprobungsphase, in der Johnson auch den banalsten Mitteilungen einen interessanten Dreh abzugewinnen versuchte. Das wiederum macht den Reiz dieses Textkonvoluts aus, erklärt der Rezensent. Daneben enthielten die Briefe eine Menge abstruser Formulierungen und Anspielungen, die ihm wie ein studentischer Geheimcode vorkommen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 03.12.2002
Um eine "traurige Geschichte" geht es hier, schreibt Jochen Schimmang, nämlich um die langsam versiegende Freundschaft zwischen zwei Schriftstellerkollegen. Implizit handelt es den "Dampfwalzenegoismus" des erfolgreichen Uwe Johnson ab, der "oberlehrerhaft" den weniger erfolgreichen belehrt. Schimmang gesteht zu, dass auch Neid bei Ziem im Spiel gewesen sein konnte. Dennoch konzediert der Rezensent, dass die Johnson?sche Art der Stilisierung, seine "Diktion", die sich früh auch gegenüber dem Freund herausbildet, sicher schwer zu ertragen gewesen sein muss. Dass der eine den Staat, den er später verließ als der andere, zu seinem "Stoff" machen konnte und der andere zu früh ging und dennoch nie ankam, ist Schimmangs trauriges Fazit aus diesem Buch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.09.2002
Nicht durchgängig positiv kommt der Schriftsteller Uwe Johnson in diesen Briefen an seinen Kollegen Jochen Ziem, den er in seiner Studentenzeit in Leipzig kennengelernt hatte, weg, meint Martin Krumbholz. Dass der Umgang mit Johnson für eigentlich jeden schwierig war, davon zeugen sämtliche Dokumente seiner Zeitgenossen, weiß der Rezensent. Auch die Freundschaft mit Ziem währte begrenzt, "aus banalen Gründen" kam es zwischen den beiden 1968 zum endgültigen Bruch. Der Tonfall in diesen von Ziem veröffentlichten "Depeschen" jedenfalls sei "launig", "studentenhaft-ulkig" und "verspielt" - und, hat der Rezensent erkannt, bereits hier probiere sich der Schriftsteller auch stilistisch aus. Auch wenn er selbst abstritt, seine Privatpost für "Stil-Übungen" zu nutzen, seien die Briefe und Postkarten an Ziem voll von "sprachlichen Maskeraden", die später zu einem Merkmal von Johnson geworden waren.
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