Aus dem Slowenischen übersetzt und mit einem Nachwort von Erwin Köstler.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2004
Muss ein guter Schriftsteller tatsächlich Schlimmes durchlitten haben. fragt sich Adam Olschweski bange und kommt zu dem beunruhigenden Ergebnis, er fürchte ja. Im Fall der beiden autobiografischen Erzählungen des slowenischen Autors Ivan Cankar scheint das Leidensmoment tatsächlich gegeben gewesen zu sein - und ausnahmsweise sollten wir dafür dankbar sein, schwärmt Olschewski, weil es zu so reifen, wunderbaren Erzählungen geführt habe. Die Religion nimmt eine übergeordnete Rolle im Werk Cankars ein, erklärt der Rezensent, und so tauche das Motiv der Sünde immer wieder auf wie der Zweifel am Glauben, die Figur der Mutter und so weiter, wenige Elemente und Motive, die Cankar "mit wenig Aufwand und mächtigem Nachhall" aufnehme und ausführe, so Olschewski. Cankars Sprache sei schlank, präzise, es gebe kein überflüssiges Wort in seinen Erzählungen, die zwar motivisch gelegentlich zur Monotonie neigten, jedoch so bildermächtig seien, dass man lange in einer bestimmten Stimmung oder evozierten Landschaft Cankars hängen bleibe. Eine literarische Entdeckung eines kleinen Verlages.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.09.2002
Als "bedeutendsten Vertreter der literarischen Moderne Sloweniens" ehrt Rezensent Rolf Wörsdörfer den Schriftsteller Ivan Cankar (1876-1918). Neben dem kargen, bäuerlich-kleinstädtischen Leben thematisierte Cankar in seinen Werken immer wieder die Metropole mit ihren Droschken, Cafés und Theatern - hier wie dort sah er vor allem Gescheiterte, Alkoholiker, Tuberkulöse und Suizidgefährdete, weiß Wörsdörfer. Kein Schriftsteller habe das Wien der Belle Epoque so sehr in sozialkritischen Tönen gezeichnet wie Cankar. Wörsdörfer hält fest, dass im Zentrum von Cankars Schaffen die Selbstbeschreibung steht. So auch in diesen beiden Erzählungen, in denen Cankar seine Kindheitserinnerungen verarbeitet hat. Beide handeln vom harten Schicksal ihrer aus ärmlichen Verhältnissen stammenden jugendlichen Protagonisten. Während die Erzählung "Mein Leben" laut Wörsdörfer in einer knappen, klaren und manchmal sperrigen Sprache verfasst ist, herrscht in der Lebensbeschreibung des "Sünders Lenart" ein aggressiver Ton vor. Die Bilder, die Cankar findet sind voller Ausdruckskraft, lobt Wörsdörfer. Cankars Buch lese man mit Gewinn, schließt er "denn es führt den Leser in eine Terra incognita, die mitten in Europa liegt."
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