Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
"Wir müssen nicht alles voneinander wissen", sagt Vera zu Vincent, als er merkt, daß sie wieder gelogen hat. Vera hat behauptet, ihre Eltern seien tot. Nun erhält sie einen Brief ihrer Mutter, die mitteilt, daß der Vater im Sterben liegt. Die Reise in das Dorf ihrer Kindheit wird für die Dreißigjährige zur Erinnerungsfahrt wider Willen. Während die Mutter sich in Alltagsaktivitäten rettet, erinnert sich Vera an die verzweifelten Versuche in ihrer Kindheit, die Aufmerksamkeit des wortkargen Vaters zu erheischen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.2000
Wolfgang Schneider ist zwar nicht sehr überzeugt von diesem Roman, bescheinigt ihm aber zumindest Potential. Im Gegensatz zum ersten Roman der Autorin sei hier die Sprache "weniger gespreizt", auch wenn es hin und wieder zu Manieriertheiten komme. Während die Szenen, die in Berlin spielen und die die Beziehungsgeschichte zwischen Vera und Vincent zum Inhalt haben, wenig "Dichte" haben, so Schneider, ist die Schilderungen der DDR-Vergangenheit bedrückend und eindrucksvoll. Die Autorin habe keinen "großen Roman" geschrieben, aber er sei zumindest besser als der erste. Zuletzt rät der Rezensent, doch eher "flaubertsche Ironie" statt "therapeutische Beflissenheit" in ihren Texten einzusetzen, dann könnte vielleicht "beachtliche Literatur" daraus werden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.06.2000
Dem Rezensenten erging es mit Katrin Dorns zweitem Roman wie mit so manchem Fußballspiel. Da gibt es eine gute und eine schlechte Spielzeit, und weil die schlechte am Ende steht, wünscht sich Rainer Moritz, das Spiel wäre abgepfiffen worden. Beachtlich findet Moritz den Kern der Erzählung, in der die Protagonistin in die thüringische Heimatstadt an das Sterbebett ihres Vaters reist. Er zeigt sich beeindruckt vom "leisen, unerbittlichen Ton", mit dem die Autorin das kleinbürgerliche Milieu der regimekritischen Familie und die Leere in den Beziehungen zwischen Eltern und Kindern charakterisiert. Leider sei diese Reise eingebettet, schreibt Moritz, in eine fehlschlagende Liebesgeschichte, die zu wortreich um das Thema Sprachlosigkeit kreist.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.04.2000
Mit Sympathie betrachtet Angelika Ohland den zweiten Roman der aus der DDR stammenden Katrin Dorn, die sie innerhalb der jungen deutschen Literaturszene eher zu den traditionellen Erzählern rechnet - was Ohland aber keineswegs auf die Inhalte angewandt wissen möchte. Eine Familien- und Beziehungsgeschichte, das Ost-West-Verhältnis und "die Kommunikationslosigkeit der in der Kommunikationsgesellschaft herangewachsenen Generation" sind Thema dieses Buches. Dorn sieht "Lügen und Schweigen als Dialektik der Therapiegesellschaft", schreibt Ohland, wobei sich das Lügen eindeutig der westliche Talkgesellschaft und das Schweigen dem DDR-Regime zuordnen läßt. Das Buch geizt nicht mit parodistischen Seitenhieben auf die Psychoszene, berichtet Ohland amüsiert.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2000
Claus-Ulrich Bielefeld ist nicht glücklich mit dem Roman, der aus der Rahmenhandlung im Berlin des Jahres 1992 zurückführt in die Erinnerung der Protagonistin an die kleinbürgerliche Hölle ihrer Eltern in der DDR: "Eingeschlossen in der DDR, eingeschlossen im eigenen Unglück, geschlagen mit Stummheit und ratlos in der neuen Freiheit" seien Dorns Figuren. Aber das ist nicht alles: Bielefeld fühlt sich vor allem darin gestört, dass Dorns Helden in ihrer Trostlosigkeit auch noch etwas Abziehbildhaftes hätten und über den "Status von Demonstrationsfiguren" nicht hinauskämen.
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