Hans-Jürgen Heise schreibt aus der Überzeugung, "dass nichts so real ist wie Vorstellungskraft, die seit je den Schlussstein des Wirklichkeitsgebäudes bildet". Geprägt vom ländlich-kleinstädtischen Ambiente seines hinterpommerschen Ursprungmilieus, hat er beim Hineinwachsen in die rein technisch und ökonomisch bestimmte Zivilisation der (Post)Moderne kritische Distanz bewahrt. Ein Grüner, lange vor der Entstehung der grünen Bewegung, verband und verbindet er die Erinnerung an eine intakte Natur mit schonungsloser Bloßstellung des weltweiten Kahlschlags. Hans-Jürgen Heise hat für die vorliegende Ausgabe ein Destillat seines umfangreichen Werkes zusammengestellt, das neben bekannten auch bislang unveröffentlichte Gedichte enthält.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.08.2002
Als einen "Freund der Pointe" bezeichnet Rüdiger Görner den Dichter Hans-Jürgen Heise, der, mit einer schmalen editorischen Notiz vom Autor selbst versehen, einen Querschnitt aus seinem lyrischen Lebenswerk präsentiert. Das Begleitwort verrät nur soviel, meint Görner, dass Heise nicht dem chronologischen Prinzip gefolgt ist, sondern dem Assoziativen den Vorrang gegeben hat. Gleichbleibend ist Heises spöttischer, manchmal gar ätzender Blick, sagt der Rezensent, in frühen wie späten Gedichten: nichts sei dem Dichter heilig. Mit anderen Worten: "der Weltbezug fehlt nicht". Auch der Bezug auf andere, bekannte Dichtergrößen wie Möricke, Hölderlin oder Rimbaud fehle nicht, doch daneben berichte oder verwerte Heise viel Alltägliches, oder besser, alltäglich Zermürbendes. Nicht alle Gedichte zählen für Görner zu den Höhepunkten der deutschen Nachkriegslyrik, manche erscheinen ihm "lyrisierte Koketterie", doch die meisten verdienen seiner Meinung nach Beachtung, da sie Heises Sprachwitz in gelungener Weise vorführen und dabei eine versteckte Traurigkeit spüren lassen.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Karl Ove Knausgard: Arendal Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…