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zuletzt aktualisiert 11.02.2012, 19.57 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Matthias Kessler

Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?

Die Lebensgeschichte der Monika Göth, der Tochter des KZ-Kommandanten aus 'Schindlers Liste'

Cover: Ich muss doch meinen Vater lieben, oder?

Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN-10 3821839147
ISBN-13 9783821839141
Gebunden, 256 Seiten, 19,90 EUR

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Klappentext

Amon Göth wurde bekannt als Symbol unmenschlicher Grausamkeit in Steven Spielbergs Film Schindlers Liste. Er war ein Massenmörder, 500 Juden soll er eigenhändig erschossen haben. 1946 wurde der "König von Plaszow" zum Tode verurteilt und gehängt. Monika Göth wurde 1945 von der Geliebten Amon Göths, genannt Majola, zur Welt gebracht. Als Teenager beginnt sie Fragen zu stellen, aber erst Anfang der 80er Jahre, als ihre Mutter dem englischen Fernsehen ein Interview gibt, bestätigen sich Monikas Ahnungen. Die Mutter vergiftet sich mit Schlaftabletten. In einem Interview-Experiment, das von Matthias Kessler für die Buchausgabe bearbeitet und mit bislang unveröffentlichtem Archivmaterial ergänzt wurde, stellt Monika Göth sich erstmals der Öffentlichkeit. Schonungslos sich selbst gegenüber erzählt sie ihre Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2002

Iris Hanika scheint geradezu abgestoßen von diesem Buch, für das der Autor zwei Tage lang mit der Tochter des KZ-Aufsehers Amon Göth gesprochen hat. Nicht nur, dass hier versucht werde, mit einer Art Rummelplatz-Monstrosität Interesse zu wecken, so die Rezensentin empört. Zudem hat Monika Göth, deren Vater 1946 hingerichtet wurde, ihren Vater lediglich aus "Anekdoten" der Mutter kennengelernt und also nur Informationen aus zweiter Hand zu bieten, ärgert sich die Rezensentin. Dass Kessler im Titel auf filmische Wirklichkeit anspielt und Monika Göth damit zur "Tochter einer Filmfigur" wird, zeigt Hanika, dass es sich hier weniger um ein Dokument als um "fiktionalisierte" Realität und damit um ein reines "Artefakt" handelt. Schließlich bemerkt sie mit Befremden, wie der Autor am Ende seines Buches versucht, Göth psychologische Hilfe anzubieten und ihr die Schuldgefühle zu nehmen. Mit diesem Werk, so Hanika fassungslos, "verfügt das Obszöne über eine neue Spielart".

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.06.2002

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Monika Göth, der Tochter des spätestens seit Schindlers Liste auch der Allgemeinheit bekannten KZ-Kommandanten von Plaszow, Amon Göth, berichtet die Rezensentin Ingrid Müller-Münch. Monika Göths Mutter war zunächst Sekretärin von Oskar Schindler, dann die im Luxus schwelgende Geliebte Göths. Ihren Vater hat Monika Göth nie gesehen, im Jahr 1945, in dem sie geboren wurde, gab es die mörderische "Idylle am Rande des Untergangs" nicht mehr, Göth wurde 1946 hingerichtet. Das Buch ist das Ergebnis der zweitägigen Begegnung des Journalisten Michael Kessler mit Monika Göth. Erst 1983, mit dem Selbstmord der Mutter, ist die Scheinwelt der Tochter zusammengebrochen, die den Vater zu entschuldigen bemüht war. Die Distanzierung jedoch gelingt bis heute nicht, Monika Göth gibt sich, wie es die Rezensentin Ingrid Müller-Münch formuliert, "die Schuld an allem und an jedem". Das Buch ist, so Müller-Münch, ein "herausragendes und bewegendes Dokument".

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