Seit der Gründung der "Deutschen Vorstadt" gegen Ende des 16. Jahrhunderts treffen in Moskau Vertreter der europäischen und russischen Kultur aufeinander. Die Deutschen stellten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts nach den Russen die zweitgrößte ethnische Gruppe und spielten eine bedeutende Rolle im wirtschaftlichen und sozialen Leben der Stadt. Anhand von umfangreichem Quellenmaterial aus russischen Archiven führt der Autor den Leser von den engen und vielfältigen Kontakten der russischen und deutschen Bevölkerung bis zu den zwischen beiden Gruppen ausbrechenden Konflikten. Den Scheitelpunkt bilden die Pogrome gegen die Moskauer Deutschen im Mai des Jahres 1915.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.08.2002
"Die Darstellung ist kenntnisreich und beruht auf umfassender Vertrautheit mit Quellen und Literatur", schreibt Dittmar Dahlmann über dieses Buch. Allerdings weckt der Titel seines Erachtens falsche Erwartungen, da sich das Buch nicht als wirkliche Überblicksgeschichte über 500 Jahre erweist, sondern auf einen Kernzeitraum von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des 1. Weltkriegs erstreckt. Im übrigen fehlen Dahlmann sozialgeschichtliche Aspekte in der Geschichte der deutschen Kolonie in Moskau, vor allem eine Würdigung deutschen Unternehmertums. Das in den Text integrierte Quellenmaterial ist zwar wichtig, ermüdet aber häufig, meint Dahlmann, der auch das vorletzte Kapitel über den Pogrom gegen die Moskauer Deutschen 1915 ausgesprochen langatmig findet. Fazit: An Kenntnissen und Quellen mangelt es nicht, wohl aber an geschickter Präsentation und einem pfiffigeren Lektor.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 08.06.2002
Voller Anerkennung bespricht der U. Sm. zeichnende Rezensent dieses Buch des Düsseldorfer Historikers Victor Dönninghaus. Dieser habe die überaus wechselvolle Geschichte der deutschen Bevölkerung Moskaus über Jahrhunderte hinweg in einer "detaillierten Arbeit" verfolgt, vom Aufstieg der Deutschen, die sich durch ihre erfolgreichen Geschäfte Respekt verschafften, über die Probleme, die mit dem ersten Weltkrieg auftauchten, bis hin zur drohenden Deportation nach Kasachstan um 1941. Das Beeindruckende und zugleich zutiefst Beängstigende dieser Studie sei "der Nachweis, dass auch eine fast vollständig assimilierte Bevölkerungsgruppe nicht vor fremdenfeindlichen Projektionen gefeit" sei.
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