Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 20.03.2010, 13.13 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Alan Bennett

Vater, Vater lichterloh

Zwei Kurzromane

Cover: Vater, Vater lichterloh

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2002
ISBN-10 3803131685
ISBN-13 9783803131683
Gebunden, 128 Seiten, 15,50 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Englischen von Ingo Henzke. Mr. Midgley hat seinen übermächtigen Vater oft vergeblich zum Teufel gewünscht. Nun ist es endlich soweit. Während der Vater auf der Intensivstation hinüberdämmert, zieht sich der Sohn dessen viel zu große Hosen an und macht mit der Krankenschwester seiner Ehe den Garaus. Die Frage ist, ob sich irgend etwas geändert hat für ihn... Pater Jolliffe hingegen muß einen Gedenkgottesdienst für den Bettgefährten der "beautiful people" von London zelebrieren. Einen Mann, den er selbst ganz genau kennengelernt hat. Die traurige Zeremonie verwandelt sich jedoch unversehens in einen überaus sinnenfrohen Dankgottesdienst, denn es kommt heraus, woran dieser Mann nicht gestorben ist...

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.07.2002

Bislang ist Alan Bennett als Dramatiker hervorgetreten, nun präsentiert er sich als Erzähler: Marion Löhndorf rezensiert zwei Kurzromane des Briten, die mit Witz und Humor den Tod und seine Begleitumstände auf die Schippe nehmen, und siehe da, "der Tod wird entdämonisiert", meint Löhndorf. Gefallen hat ihr vor allem die titelgebende zweite Geschichte des Bandes: "Vater, Vater lichterloh", die vom Sterben eines Mannes im Krankenhaus berichtet, der sich noch auf dem Sterbebett einen deprimierenden Machtkampf mit seinem Sohn liefert. Vor allem die Schilderung des Randgeschehens, der unwillig kommenden Verwandten, des achtlos behandelten Pflegepersonals, des gesamten Krankenhausgeschehens, das mit den Protagonisten eigentlich nichts zu tun hat, findet Löhndorf literarisch am bestechendsten: mehr aus gedankenloser Konvention als aus Bösartigkeit handeln die Beteiligten in ungetrübtem Egoismus, stellt Löhndorf fest. Auch bei der ersten Erzählung erscheinen ihr eher die Trauernden und Überlebenden als Gespenster, und nicht etwa die Toten, aber bei dieser ersten Kurzgeschichte entgleitet Bennett in selbstgewisser Manier gegen Ende die Feder, schreibt Löhndorf. Die Selbstgefälligkeit, die er karikiert, werde von ihm selbst am Ende wiederholt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.05.2002

Eine Totenfeier als Beschwörung der Lebenslust - Rezensent Michael Schmitt ist begeistert vom ersten der beiden Kurzromane ("Hand auflegen") des Bandes und bezeichnet den Autor als "eine der profiliertesten Stimmen der angelsächsischen Literatur". Im Kirchenschiff, wo sich ein ganzes Establishment versammelt hat, das mit dem Verstorbenem (einem jungen schwarzen Masseur) sexuelle Beziehungen unterhielt, sieht Schmitt eine ganze Gesellschaft schwitzen: eine Gesellschaft, "die sich in vollem Verfall befindet". Angst vor Aids, Libertinage und religiöse Heuchelei spielen eine Rolle, aber die literarische Qualität hebt diese Geschichte nach Ansicht des Rezensenten über eine moralische Satire "hoch hinaus". "Knochentrockener britischer Humor", kondensiert in dicht geschriebenen Genrebildern, trägt zur Begeisterung des Rezensenten bei, dem auch das zweite "nicht mehr ganz neue Prosastück" des Bandes ausgesprochen gut gefiel.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Das andere Ende der LeinePatricia B. McConnell: Das andere Ende der Leine
Aus dem Englischen von Gisela Rau. Dies ist eigentlich kein Buch über Hundeerziehung, sondern eines über ...

Buch: Sozialistische GesetzlichkeitMichael Stolleis: Sozialistische Gesetzlichkeit
Dieses Buch bietet eine erste Gesamtdarstellung der Staats-, Verwaltungs- und Völkerrechtslehre in der DDR. ...

Archiv: Bücherschauen

Vexierspielkünstler

20.03.2010: Die FAZ hat Denis Johnsons Thriller "Keine Bewegung!" gelesen und freut sich über das Gespür des Autors für kriminelle Loser. Die FR folgt der zehnjährigen Dora durch Jacques Roubauds Abenteuer und Geheimnis verheißenden "Verwilderten Park". Sehr anregend findet die NZZ Eric Hobsbawms Buch über "Globalisierung, Demokratie und Terrorismus". Die taz spürt einen Hauch von Erlösung in Don DeLillos Roman "Der Omega-Punkt". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren