Bücher der Saison
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Klappentext
Aus dem Spanischen von Matthias Strobel. Eine Welt tut sich auf: riesenhaft wie der Palast in Lima, in dem Julius aufwächst, abgründig wie das Verhältnis von Herrschaft und Dienerschaft darin, beängstigend, beglückend. Für das schöne Kindermädchen Vilma und die unheimliche "Dschungelfrau" aus der Küche, den schlitzohrigen Chauffeur Carlos, die Wäschefrau, den Gärtner ist Julius "der junge Herr", unabänderlich "Darling" dagegen für Susan, seine Mutter, die er abgöttisch liebt und die sich ihm hinter einem Schleier aus Zauberhaftigkeit entzieht. Mit jedem staunenden Schritt, den Julius hinaus in die Welt tut, öffnet sich ihm ein weiterer Aspekt des Lebens. Unbedingte Zuneigung aber erfährt er allein bei der Dienerschaft, zu deren Welt er gerade nicht gehören soll.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2002
Die Welt sei in diesem Roman mit den Augen "eines intelligenten, aber arglosen Kindes" gesehen, schreibt der rezensierende Schriftsteller Martin Mosebach. Dennoch bereite sich vor dem Leser ein Spektrum Perus aus, das in Mosebachs Augen auch "durch eine politisch-soziologische Analyse" nicht reicher sein könnte. Das vorliegende Buch zählt er zu jener besonderen Kategorie des Entwicklungsromans, zu der für ihn die größten Werke der modernen Literatur (er nennt Prousts "Recherche" oder Doderers "Dämonen") gehören. Julius, der junge Protagonist, stamme aus der alten Oberschicht des Landes, das eine Aristokratie aus spanischen Kolonialzeiten besitze. Doch "die Herren von Peru", die sich gerade erst von Spanien befreit hatten, seien nun unter amerikanischen Einfluss geraten. Mosebach zufolge gibt es nur wenige Seiten im Roman, in denen keine eisgekühlte Cola serviert werde. Da helfe es wenig, dass der servierende Diener dabei weiße Handschuhe trage. Der Rezensent sieht die "steinreichen peruanischen Oligarchen" in ihren alten Palästen wie hypnotisiert auf Nordamerika starren. Die Existenz als kolonisierte Kolonisatoren verleihe ihrer Welt etwas Unwirkliches. Die allmähliche Auflösung dieser Unwirklichkeit von Julius' Welt, das "Herauswachsen aus ihren wattigen Nebeln", beschreibt Mosebach als Gegenstand des Romans.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2002
"Eine Welt für Julius", der jüngst in deutscher Sprache erschienene Roman des peruanischen Autors Alfredo Bryce Echenique, ist bereits vor rund dreißig Jahren vollendet und herausgegeben worden, informiert der Rezensent Kersten Knipp. Möglichen Einwänden gegen den Text, der weder einen klaren Aufbau, noch eine These oder einen Protest beinhalte, wie schon ein peruanischer Rezensent in den siebziger Jahren festgestellt hatte, tritt er im voraus entgegen, indem er das Bestreben des Autors erklärt: Echenique, so Knipp, wolle erzählen, und zwar genau so, wie das Leben spielt, das ja auch hin und wieder einen wirren Verlauf nehme. Von dem Ergebnis ist Knipp sehr angetan. Echenique, der wie sein Protagonist zur peruanischen Oberschicht gehört, sei ein Entwicklungsroman mit zum Teil autobiografischen Zügen gelungen. Der Roman sei aber gleichzeitig Chronik einer verlorenen Zeit, Klassenportrait und Ideologiekritik, lobt er. Die dekadente Welt der peruanischen Oberschicht, wie sie sich bei Echenique darstellt, hätte gut in die Form des "'engagierten', offen anklagenden Romans gepasst", Knipp wertet es jedoch als "Teil von Echeniques Kunst, darauf verzichet zu haben". Dies gilt auch für seine Entscheidung, sich nicht festzulegen und einen offenen Ausgang zu wählen, bemerkt er abschließend.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.04.2002
Uwe Stolzmann ist einfach hin und weg von diesem Roman, der der erste und beste des peruanischen Autors sei. Zehn Jahre begleite der Leser "verzaubert" den Knaben Julius und staune mit ihm über die Welt, die immer "größer und bunter", aber auch "immer schrecklicher" werde mit jedem Tag. Stockmann schwärmt von dem "fast göttlichen Glanz", der die bourgeoise Familie von Julius umgibt. Aber auch von den "rauen Sitten", der Oberflächlichkeit, die Bryce Echenique so herzzerreißend beschreibe, den "faszinierenden Porträts" von Dienern und Herren. Im Mittelpunkt aber steht "eine der schönsten Kindergestalten der 'hohen' Literatur", der zu Beginn der Erzählung 4-jährige Julius, ein Wesen 'von grüblerischem Naturell' zitiert Stolzmann den Autor, dem seine Familie mit Misstrauen und Ablehnung begegnet, weil auf ihn der "Dünkel seiner Klasse" nicht abgefärbt hat. Dieser Roman, so Stolzmann, ist ein "einsam funkelndes Kleinod", und auch wenn er schon 30 Jahre alt sei: "Ein Buch wie dieses kann nicht zu spät kommen."
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