Herausgegeben von Ulrich becker, Hans Günter Hockerts und Klaus Tenfelde. Der deutsche Sozialstaat gilt als Erfolgsmodell. Aber er steht auch vor großen Herausforderungen. Der Band behandelt seine Geschichte und seine Zukunftsperspektiven vom Kaiserreich bis zur Europäischen Union. Die Beiträge des Bandes beleuchten Akteure und Adressaten des deutschen Sozialstaats, sie betrachten ihn im Vergleich zu anderen Ländern und analysieren neue Herausforderungen. Sie thematisieren nicht nur die Alterssicherung, das Gesundheitswesen, die Sozialhilfe und die Mitbestimmung, sondern auch transnationale Bezüge deutscher Sozialstaatlichkeit. Die Autoren verknüpfen politik- und sozialgeschichtliche Ansätze und untersuchen aus rechtswissenschaftlicher Sicht die institutionelle Ausgestaltung des Sozialstaats.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2010
Andreas Rödder gratuliert Gerhard A. Ritter, dem "grand old man" der historischen Sozialstaatsforschung, ehrfurchtsvoll zum Achtzigsten. Die zu seinen Ehren entstandene Festschrift findet er allerdings ein bisschen unter Ritters Würde. Ritters Erkenntnisse bezüglich der Ambivalenz des Sozialstaats nämlich sieht er in dem Sammelband nicht ausreichend gewürdigt. So detailliert und thematisch in die Breite gehend die einzelnen Beiträge zur Geschichte und Gegenwart des Sozialstaats dem Rezensenten auch vorkommen, so sehr scheinen ihm die Autoren dem tradierten Sozialstaat nahe zu stehen. Dass alles halb so wild ist, etwa in Sachen demografischer Überalterung, wie es Hans Günter Hockerts hier suggeriert, möchte Rödder nicht glauben. Über das Problem eines gerade durch den Sozialstaat reduzierten zivilgesellschaftlichen Engagements, hätte er gerne ein wenig mehr erfahren.
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