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Godard Antisemit? Material
Von Thierry Chervel, 17.12.2009, 12:12
Ist Jean-Luc Godard Antisemit?, fragt die FAZ heute. Nun ja, 1977 war er es jedenfalls, wenn man diese Passage aus einem hier dokumentierten Brief an den palästinensischen Lyriker Elias Sanbar liest. Godard denkt über das Foto eines "Muselmanen" nach. So nannte man in den KZ verhungernde Insassen im letzten Stadium. Auf französisch ist das Wort absolut identisch mit dem Wort für "Muslim" - nämlich "musulman". Nach einer dunklen Passage über ein "Urbild des jüdischen Volkes" schreibt Godard:
"Darüber spricht Israel nie, dass es ein zweites furchtbares Bild brauchte, ein Bild vom deutschen Wahnsinn, um das Recht auf eine Heimat zu erobern, eine Heimat im vollen Sinne, und dass das ein schweres Erbe ist.
Aber das kann man auf jedem Bild aus den deutschen Lagern sehen, außer wenn man oberflächlich guckt und es zu schrecklich zu sehen ist, zu schrecklich vor allem, dass man nur aus dem Hass des anderen heraus existiert.
Niemand weiß, wie es genau im Nahen Osten ausgehen wird, aber man weiß ein bisschen darüber, wo und wann es begonnen hat.
Es war hier, in Europa (es ist also auch unser Krieg, wenn es nicht unser Krieg wäre, würde man garnicht verstehen, warum die Leute sich über de Libanon aufregen und nicht über Südafrika oder Kambodscha).
In Europa und mit einem seiner Bilder, nicht irgendeinem, und seiner wirklichen Bildlegende.
Der aktuelle Krieg im Nahen Osten wurde in einem Konzentrationslager geboren, an dem Tag, als ein großer jüdische Clochard sich vor seinem Tod von irgendeinem SSler noch als 'Muselmane' behandeln lassen musste.
Es muss wirklich der Geist des Bösen gewesen sein, der dem Gedächtnis von sechs Millionen toten Juden das Gedächtnis des Hasses auf den anderen einimpfte, aber auf denjenigen, der für die Juden 'der andere' ist, in diesem Fall, denn dreißig Jahre danach trifft das jüdische Volk auf seinesgleichen, ein anderes jüdisches Volk, auf einem ganz bestimmten Territorium, nicht in Nacht und Nebel diesmal, sondern eher in der Sonne, und das ihm sagt: Ich gleiche dir, ich bin Palästinenser."
Das Wort "Muselmane", das er immer wieder fälschlich mit dem französischen Begriff für den Muslim gleichsetzt, beschäftigt Godard auch in späteren Jahren. 1995 sagt er in einem Gespräch mit dem Radiosender France Culture: "Die Bücher sagen, dass die Deutschen Lagerinsassen im Endzustand als 'Muselmanen' bezeichneten, wenn sie sich überhaupt nicht mehr bewegen konnten, nicht mehr die Kraft hatten zu leben. Sie hätten sie 'Inder', 'Zigeuner', 'Russen' nennen können, es fehlte ihnen doch damals nicht an Leuten, die sie hassen konnten."
In den siebziger Jahren arbeitete Godard zusammen mit Anne-Marie Miéville an dem Essayfilm "Ici et ailleurs", in dem er die Gleichsetzung des Holocaust mit den Leiden des palästinensischen Volks mit den damaligen Mitteln des Videos umsetzt. Er montiert ein Bild Hitlers mit einem Bild Golda Meirs
und lässt zu den Gesängen eines Rabbis oder Kantors, in denen die Wörter "Auschwitz" und "Majdanek" vorkommen die Buchstabenfolge Israel wie auf früheren Flughafen-Schautafeln in die Buchstabenfolge Palestine umspringen.
Hier lässt sich die Passage aus dem Film ansehen:
Thierry Chervel
twitter.com/chervel
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Liebe, Revolution und Verrat
22.05.2012. Die Tscherkessen möchten 2014 keine Olympischen Winterspiele in Sotschi: Man könnte auf den Knochen ihrer ermordeten Vorfahren Ski fahren, berichtet Newsweek. Die Italiener müssen verstehen, dass Demokratie auch ohne Spektakel eine interessante Sache ist, meint Roberto Saviano im Espresso. Museen, fürchtet die türkische Regierung, ruft der Economist. Die LRB reist nach Syrien. Der New Yorker porträtiert Fidel Castros "Nacht-und-Nebel-Mann" William Alexander Morgan. Das Smithsonian Magazine steht staunend vor dem größten Salzsee der Welt. Mehr lesen
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22.05.2012. Heute: Wer wird Milionär?
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Krisen des modernen Ichs
26.05.2012. FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Das ist also Reichtum
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Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012. Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
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07.05.2012. Matthias Nawrat erzählt von einem schwer verliebten Gemüsefahrer. Helene Bessette erzählt von einem besessenen Pfarrer. Ketil Bjoernstadt erzählt von der Sandwich-Generation, Nedim Gürsel von Allahs Töchtern. Außerdem reisen wir mit Stephen Greenblatt in die Renaissance und mit David van Reybrouck in den Kongo. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Mai. Mehr lesen
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21.05.2012. Den Begriff "Geistiges Eigentum" halte ich für tendenziös und wenig fruchtbar. Meine Fragen sind andere, mich interessieren weniger meine Befürchtungen als die Hoffnungen und Freuden, die sich mit dem Netz für mich verknüpfen. Über das Schreiben im digitalen Zeitalter. Mehr lesen
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31.03.2012. Medienticker und Teletaucher fallen wegen Krankheit mindestens noch bis zum 23. April aus. Mehr lesen
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