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Literaturbeilagen

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Im Ententeich: Redaktionsblog

Die Monotheismusdebatte - Editorial

Von Thierry Chervel

29.01.2013. Wer die letzten 35 Jahre Revue passieren lässt – von der iranischen Revolution über die religionsamtliche Morddrohung gegen Salman Rushdie, den 11. September und zahllose Selbstmordattentate – wird kaum bestreiten, dass es eine Gewalt im Namen Gottes gibt. Viel unheimlicher ist allerdings die Frage, ob diese Gewalt Religionen inhärent ist, ob sie womöglich ein Kennzeichen monotheistischer Religionen ist, und wo die Ursprünge dieser Gewalt liegen.

Wer die letzten 35 Jahre Revue passieren lässt – von der iranischen Revolution über die religionsamtliche Morddrohung gegen Salman Rushdie, den 11. September und zahllose Selbstmordattentate – wird kaum bestreiten, dass es eine Gewalt im Namen Gottes gibt. Viel unheimlicher ist allerdings die Frage, ob diese Gewalt Religionen inhärent ist, ob sie womöglich ein Kennzeichen monotheistischer Religionen ist, und wo die Ursprünge dieser Gewalt liegen.

Dass ausgerechnet der Ägyptologe Jan Assmann im Zentrum einer Debatte um diese Fragen steht, ist auf den ersten Blick erstaunlich. Im Jahr 1998 veröffentlichte er sein berühmtes Buch "Moses der Ägypter". Seitdem wird über seinen Begriff der "mosaischen Unterscheidung" diskutiert: Liegt im Gründungsakt der monotheistischen Religionen, im Bund mit dem einen Gott, in der Unterscheidung zwischen Wahr und Falsch in der Religion, mit der sich Mose der Ägypter von dem polytheistischen Gegenmodell aus Ägypten absetzte, bereits ein Keim zu einer spezifischen Gewalt?

Theologen haben verständlicher Weise gegen diese Vermutung aufbegehrt, am prominentesten der Berliner Theologe Rolf Schieder in seinem Buch "Sind Religionen gefährlich?", der den heikelsten Punkt in Assmanns These anspricht: Ausgerechnet die Juden, die den Monotheismus erfunden haben, sollen die Gewalt in die Religion gebracht haben? Liegt in dieser Vorstellung nicht ein sehr deutscher Wunsch nach Entlastung von dem Holocaust, den die Deutschen den Juden bekanntlich nie verzeihen werden, fragt Schieder.

Assmanns Thesen zum Monotheismus sind in den letzten Jahren im geisteswissenschaftlichen Feld weithin diskutiert werden, und die Diskussionen werden so bald kein Ende finden.

Wir freuen uns, dass Jan Assmann den Perlentaucher ausgewählt hat, um die Debatte nun auch vor einem breiteren und Internetpublikum zu führen. Er eröffnet sie mit einer Antwort auf Rolf Schieder, in der er seine Thesen zum Teil modifiziert, zum Teil präzisiert. Rolf Schieder hat uns dankenswerter Weise das Kapitel aus seinem Buch, auf das sich Assmann bezieht, als pdf-Dokument zur Verfügung gestellt.

Sinn von solchen Debatten ist nie die Antwort auf die Frage, sondern die Schärfung der Positionen. Immerhin zeigt sich sowohl in Schieders als in Assmanns Position aber eine erstaunliche Gemeinsamkeit: Zwar sieht nur einer in den monotheistischen Religionen das Problem – aber beide vermuten in ihnen die Lösung. Auch dies eine Behauptung, die im Verlauf der Debatte womöglich aus säkularer oder anderer Sicht in Frage gestellt wird!

Mehrere Debattenbeiträge sind bereits zugesagt und werden in den nächsten Tagen und Wochen in losem Rhythmus folgen, unter anderem von Markus Witte, Bernhard Giesen, Peter Sloterdijk, Jan-Heiner Tück, Micha Brumlik, Herbert Schnädelbach und Rolf Schieder selbst. Als nächstes schreiben Bernhard Lang und Bernhard Giesen.

Thierry Chervel

twitter.com/chervel

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