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Im Ententeich: Redaktionsblog
Auf dem Museumsamt
Von Nicolas Oxen, 30.08.2011, 16:08
Nicht nur wegen der "Dame mit dem Hermelin" sorgt derzeit die Ausstellung "Gesichter der Renaissance" für Aufsehen, sondern auch wegen der langen Warteschlange davor. Schon am Eröffnungstag standen etwa 3.000 Besucher bis zu zwei Stunden geduldig am windigen Kupfergraben vor dem Bode-Museum, um die Meisterwerke italienischer Porträtkunst zu bewundern. Hat man sich einmal bis zum Ticketschalter durchgekämpft, heißt es wieder warten. Zutritt bekommt man ins Museum wie auf dem Amt. Man zieht eine Nummer und wird aufgerufen. Mit dem Unterschied, dass man beim Bezirksamt nicht zwei Stunden anstehen muss, um die Nummer zu bekommen.
Tageskarten gibt es nur hier, nicht übers Internet, denn der Onlineverkauf ist zusammengebrochen. Wegen der großen Nachfrage, beteuern die Veranstalter. Nur wer bereit ist, den doppelten Preis zu bezahlen, kann sich an den Vorverkaufsstellen VIP-Karten besorgen, die den Sofortzutritt garantieren. Nicht einmal die Frühaufsteher haben mehr eine Chance, denn die sogenannten "Early-Bird-Tickets" mit denen man schon ab neun Uhr in die Ausstellung kommt, sind bereits jetzt restlos ausverkauft. Ein Kartenchaos, das Wartezeit zur Preisfrage macht. Nicht nur dass man entweder mehr zahlen oder ergeben vor dem Museum ausharren muss. Noch dazu haben die Veranstalter für diejenigen, die sich ihre Karten in der Schlange erstehen, allerlei gut getimete Ratschläge vorbereitet (in fünf Minuten zu Dussmann oder ins Strandbad Mitte auf eine ermäßigten Kaffee). Das dysfunktionale Verkaussystem wird mit dem Versprechen freier Mußestunden geschönt. In formschönen Managementvokabular wird dann auch noch mit modernen Kommunikationsmitteln Zeiteffizienz gepriesen. Entweder kann man im Internet gebannt den Einlass-Counter verfolgen, oder sich per SMS-Service 30 Minuten vor dem ersehnten Einlass, daran erinnern lassen, mit der Nummer in der Hand zurück zum Eingang zu laufen. Anstehen muss man dann trotzdem und hätte statt "Wartezeit-Tipps" lieber die Karten von zuhause aus bestellt.
Absurd, denn die "Zeitfenster" und "VIP-Karten" erzeugen, was die Stiftung preußischer Kulturbesitz für nicht mehr zeitgemäß hält - Schlangen: "Verbindliche Zutrittszeiten für Museen wurden von den Tagungsteilnehmern als wegweisendes Serviceangebot bewertet. Die Warteschlange, in Marketing und Medien immer noch gern als Qualitätsindikator beschworen, scheint mehr und mehr ein Auslaufmodell zu sein." So steht es in einer der Ankündigung der Fachtagung "Neues-Museum - ein Bildungserlebnis mit Servicequalität" von 2010. Diese erhellende Einsicht ziehen die Veranstalter aus dem Ansturm auf die Impressionisten-Ausstellung 2007, dem letzten großen "Bildungserlebnis", an dem damals 677.000 Besucher teilhaben wollten. Nicht zu vergessen die Moma-Schau in der Neuen Nationalgalerie, bei der die Menschen bis zu elf Stunden in der Schlange stehen mussten. Vom Serviceangebot ist aber immer noch wenig zu spüren, meint auch Sebastian Leber im Tagesspiegel, der mit den 'Gesichtern der Renaissance' ein typisches berlin-Ritual zurückgekehrt sieht: "Die stundenlange Warterei gilt manchen gar als Qualitätsbeweis einer Schau. Als Versprechen, dass einen im Innern tatsächlich Großes erwartet. Was alle sehen wollen, wird sich schon auch lohnen". Fragt sich nur noch, was von dieser Ausstellung stärker im Gedächtnis bleibt - Renaissance-Gesichter oder Warteschlangenspektakel.
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Vom Verenden des Verstehens
26.05.2012. Pfingstereignis Feuilleton! In der FAZ überlegt Durs Grünbein, warum Dichtung unerlässlich ist. In der SZ schreibt Günter Grass ein erlässliches Gedicht. In der NZZ beschreibt Botho Strauss den Idioten als freien Geist. In der Welt droht der Künstler Gregor Schneider Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev mit Kunst. Im Tagesspiegel wünscht sich Johannes Schneider etwas mehr Ehrlichkeit in der Urheberrechtsdebatte. In der taz schlägt Ulrich Kühne vor: Nur noch sechs Prozent für die Verwerter. Mehr lesen
Einen Jux will er sich machen
25.05.2012. Cent um Cent: Zuckerberg, Zauberer, Zocker - Studie: Wie sich Buchkritiken auf den Verkauf auswirken - Apps im Kreuzfeuer der Kritik: Stiftung Warentest und Zapp warnen - Nachrichten-Websites: Rote Zahlen überall nur Zeit und FAZ trotzen dem Negativ-Trend - Groteske Pointe: Murdoch und News of the World + Wenn sich die Sprache Gedanken macht: Vor 150 Jahren starb Johann Nestroy und wenn der Kretschmann den Richling macht. Mehr lesen
Liebe, Revolution und Verrat
22.05.2012. Die Tscherkessen möchten 2014 keine Olympischen Winterspiele in Sotschi: Man könnte auf den Knochen ihrer ermordeten Vorfahren Ski fahren, berichtet Newsweek. Die Italiener müssen verstehen, dass Demokratie auch ohne Spektakel eine interessante Sache ist, meint Roberto Saviano im Espresso. Museen, fürchtet die türkische Regierung, ruft der Economist. Die LRB reist nach Syrien. Der New Yorker porträtiert Fidel Castros "Nacht-und-Nebel-Mann" William Alexander Morgan. Das Smithsonian Magazine steht staunend vor dem größten Salzsee der Welt. Mehr lesen
Karikaturen und Cartoons
22.05.2012. Heute: Wer wird Milionär?
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Archiv: Bücher
Krisen des modernen Ichs
26.05.2012. FAZ und NZZ sind beeindruckt von Drastik und Zartheit in John Cheevers neu übersetztem Roman "Willkommen in Falconer". Ganz groß findet die FAZ auch Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst". Die SZ guckt Safaa Fathys Film über Derrida. Die taz staunt über Germán Kratochwils spätes Debüt "Scherbengericht", in dem das Wien der Kaiserzeit mit dem Patagonien der Gegenwart verbunden wird.
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Das ist also Reichtum
14.05.2012. Oliver Harris holt mit "London Killing" den englischen Krimi zurück in die Metropole und lässt seinen Detective Belsey sehr riskant, aber vornehm gegen die City zocken. Giancarlo de Cataldo und Mimmo Rafele decken in "Zeit der Wut" den Plan zur Abschaffung Italiens auf. Mehr lesen
Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945, Band 3
07.05.2012. Der Band 3 der Edition "Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945" dokumentiert die Judenverfolgung im Protektorat Böhmen und Mähren seit März 1939 und im Deutschen Reich vom Beginn des Zweiten Weltkriegs bis zum September 1941. Lesen Sie hier einige Dokumente. Mehr lesen
Nerv für klare Worte
07.05.2012. Matthias Nawrat erzählt von einem schwer verliebten Gemüsefahrer. Helene Bessette erzählt von einem besessenen Pfarrer. Ketil Bjoernstadt erzählt von der Sandwich-Generation, Nedim Gürsel von Allahs Töchtern. Außerdem reisen wir mit Stephen Greenblatt in die Renaissance und mit David van Reybrouck in den Kongo. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Mai. Mehr lesen
Archiv: Magazin
Texte teilen
21.05.2012. Den Begriff "Geistiges Eigentum" halte ich für tendenziös und wenig fruchtbar. Meine Fragen sind andere, mich interessieren weniger meine Befürchtungen als die Hoffnungen und Freuden, die sich mit dem Netz für mich verknüpfen. Über das Schreiben im digitalen Zeitalter. Mehr lesen
Auf den Kopf gestellter Zauberlehrling
17.04.2012. Wie konnte es geschehen, dass eine so abstrakte wie randständige Materie wie das Urheberrecht solch massive politische Wirkung entfaltet, mit Hebeln, die von den Rändern bis ins ideologische Zentrum der Gesellschaft einhaken? Ein Plädoyer für pragmatische Lösungen Mehr lesen
Medienticker und Teletaucher
31.03.2012. Medienticker und Teletaucher fallen wegen Krankheit mindestens noch bis zum 23. April aus. Mehr lesen
Mundtot gemacht
21.03.2012. Mit der Pressefreiheit ist es in der Türkei nicht gut bestellt. Journalisten werden verhaftet und auf der Grundlage schwammiger Gesetze angeklagt. Es wird immer schwieriger, kritisch über die Regierung Erdogan zu berichten. Mehr lesen








