Bücherschau der Woche
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Außer Atem: Das Berlinaleblog
Das ganze Vokabular des Bewegungsfilmens
Von Ekkehard Knörer, 19.02.2010, 15:44
Der Berlinale-Wettbewerb bewegt sich schnurstracks in den Abgrund. Die letzten Jahre waren schlimm genug, in diesem ist die Katastrophe monumental. Unter den zwanzig zur Bärenvergabe präsentierten Filmen gab es, bei großzügiger Betrachtung, vielleicht eine Handvoll, die im Wettbewerb eines A-Festivals etwas verloren haben. (Bei Lichte betrachtet ist die Berlinale keins mehr.) Der Rest sind nicht etwa Werke, die Nobles im Gemüt gehabt hätten, das ihnen leider misslang. Sondern es ist konzeptuell, ästhetisch, intellektuell minderwertige Ware, für den Zustand des Weltkinos von vorneherein ohne jede Bedeutung.
Wenn ein Cannes- oder Venedig-Jahrgang einmal wenig zufriedenstellend ausfüllt, sagt man: Kein gutes Jahr für das Kino. Zwar steckt auch da eine gewaltige Hybris drin, aber niemand, der bei Verstand ist, glaubt, nach Ansicht eines Berlinale-Wettbewerbsjahrgangs auf den Zustand von irgendetwas anderem als dem Kunstverstand seiner Auswahlkommission schließen zu dürfen. Es ist ... mehr lesen
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abschlusstext, angela schanelec, benjamin heisenberg, der räuber, dieter kosslick, im schatten, kamera, orly, reinhold vorschneider, thomas arslan, wettbewerb 2010
Ein Monstrum, aber ein amüsantes: Oskar Roehlers 'Jud Süß - Film ohne Gewissen'
Von Thomas Groh, 18.02.2010, 21:00

Wie umgehen mit diesem Film? Oskar Roehlers "Jud Süß - Film ohne Gewissen" mangelt es an eben diesem ganz gehörig und dies, aber nur vielleicht, zum Glück. Ein Monstrum ist dieser Film, zwischen deutsch-mehlspeisigem Melodram aus Opas Kino, bizarrer Clownerie und einer den Produzenten, wenn auch nur sacht, untergejubelten Prise Punk.
Dass Roehler wahrscheinlich selbst nicht ganz genau weiß, was er mit dem Stoff des Theater- und Filmschauspielers Ferdinand Marian (Tobias Moretti) anfangen soll, den Goebbels zur Darstellung des Joseph Süß Oppenheimer in Harlans Propaganda-Melodram "Jud Süß" vermutlich zwang (der Film spitzt hier drastisch zu, was wohl zahmer abgelaufen ist) und diesen Jud Süß fortan nicht mehr los wurde, ist vielleicht das beste, was ihm, dem Film, geschehen konnte. Was als Stoff einlädt zur zweiten Runde "Untergang" und Herumhitlern (oder eben: -goebbeln), zu einem weiteren pathosschwangeren Spiel ... mehr lesen
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deutschland, drittes reich, jud süß - film ohne gewissen, oskar roehler, wettbewerb 2010
Risikoloser Thesenfilm: Jasmina Zbanics 'Na putu'
Von Lukas Foerster, 18.02.2010, 17:54
Be careful what you wish for... Gestern hatte ich mich angesichts des noch in seinen didaktischsten Momenten unbeholfenen "Shahada" nach einem echten Thesenfilm gesehnt. Heute habe ich einen bekommen und habe mir prompt Burhan Qurbanis wirre Dialektik zurück gewünscht. Die hat auf ihre Art wenigstens ein klein wenig riskiert. Jasmila Zbanics "Na putu" geht nicht das geringste Risiko ein.
Der originellste Einfall steht gleich am Beginn: Über den Anfangstiteln läuft pumpender Balkan-Pop ("Roll With It, Roll With It"), dann folgt ein abrupter Schnitt in die Stille und auf das Gesicht Lunas, der Hauptfigur des Films. Luna (Mirjana Karanovic) ist Stewardess, schätzungsweise Mitte Zwanzig, ihr Freund Amar ist Pilot. Bei einem Autounfall - das schimpfe nochmal jemand über die konstruierten Plots Hollywoods - treffen die beiden auf Amars alten Kumpel aus der Armee, Bahrija. Der trägt seinen Bart lang ... mehr lesen
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bosnien-herzegowina, islam, Jasmina Zbanic, Na putu, wettbewerb 2010
Schweigt und brütet: Rafi Pitts in 'Shekarchi'
Von Ekkehard Knörer, 18.02.2010, 09:59

Zu den erstaunlichen und manchmal gelinde verstörenden Erfahrungen, die man im Sturm eines Festivals macht, gehört die, dass beinahe jeder Film, so sehr man selbst unter ihm leidet, seine Freunde, Anhängerinnen und Fürsprecher findet. Ein besonders eklatanter Fall ist da für mich der vorgestern im Wettbewerb gelaufene Rafi-Pitts-Film "Shekarchi". Ich saß in meinem Cinemaxx-Sessel und konnte, je länger er dauerte, desto weniger fassen, was mir da zugemutet wird. Den Saal verließ ich im Bewusstsein, eines der wirklich unerfreulichen Berlinale-Erlebnisse hinter mich gebracht zu haben. Die Lektüre der Kritiken, der Blick in den Kritikerspiegel belehrten mich dann - nun ja, nicht eines anderen, denn ich sehe den Film noch ganz genauso; ich bin jetzt aber doch um die Erkenntnis reicher, dass viele Kolleginnen und Kollegen in "Shekarchi" ein vollkommen respektables Werk sehen.
Gestern hatte ich mir erspart, über dies ... mehr lesen
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alexei popogrebsky, how i ended this summer, iran, rafi pitts, russland, shekarchi, wettbewerb 2010
Szenen einer Ehe: 'The Kids are All Right' von Lisa Cholodenko
Von Thomas Groh, 17.02.2010, 22:25

Eine Standardszene: Die Eltern mit dem Sohn am Tisch, unausgesprochen liegt die Frage in der Luft: "Sag' mal, bist Du eigentlich schwul?" Eine solche Szene gibt es in "The Kids Are All Right" auch, doch with a twist: Die Eltern sind in diesem Fall ein lesbisches Paar. Und weil diese nicht recht herauskommen wollen mit ihrer Frage, kommt es zum Missverständnis: Ja, er habe eine Beziehung zu einem anderen aufgebaut. Zu seinem biologischen Vater, einem Samenspender.
Die lesbische Traumfamilie - Sohn und Tochter von je einer Mutter, beide vom selben Samenspender - gerät ins Wanken, denn der Samenspender-turned-Vater Paul (Mark Ruffalo) wird zusehends zum Satelliten der Familie. Mit den Kindern versteht er sich prächtig, mit Mutter Jules (Julianne Moore) baut er bald den Garten hinter seinem Haus um - und landet schließlich mit ihr im Bett. ... mehr lesen
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homosexualität, lisa cholodenko, the kids are all right, usa, wettbewerb 2010
Hat es Dir gefallen? Es ist verboten!: Burhan Qurbanis 'Shahada' im Wettbewerb
Von Lukas Foerster, 17.02.2010, 17:20
Jetzt hat Dieter Kosslick mich also doch erwischt, es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Bisher hatte ich wenig Grund, mich über den diesjährigen Berlinale-Wettbewerb zu ärgern. Teilweise deshalb, weil ich einigem, vor allem den Alterswerken Polanskis und Scorseses, mehr abgewinnen konnte als meine Mitstreiter Thomas Groh und Ekkehard Knörer. Vor allem aber, weil ich dank unserer internen Arbeitsteilung verschont geblieben bin von dänischer Miserabilismuspornografie, norwegischer Zynik und ähnlichem. Burhan Qurbanis Debütfilm "Shahada" aber konnte ich leider nicht entgehen.
Das "Shahada" ist das muslimische Glaubensbekenntnis. Vor Zeugen ausgesprochen genügt es, einen Ungläubigen in einen Muslim zu verwandeln. In Qurbanis Film gibt es eine Szene, in der zwei Muslime einen Nicht-Muslim zwingen wollen, das Bekenntnis aufzusagen. Doch als Samir über Daniel kniet und ihm am Boden festhält, greift er plötzlich dessen Hand. Samir und Daniel sind schwul und ... mehr lesen
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burhan qurbani, deutschland, shahada, wettbewerb 2010
Führt in die Dunkelheit: Semih Kaplanoglus 'Bal'
Von Lukas Foerster, 16.02.2010, 17:02
Ein Mann läuft durch den Wald und nähert sich der Kamera. An der Hand führt er einen Lastesel. Im Bildvordergrund angekommen, beginnt er, auf einen Baum zu klettern. Dort oben, auf dem Baum, möchte er, das wird man allerdings erst in der Mitte des Films erfahren, Bienenstöcke aufhängen. Als er schon einige Meter über dem Boden schwebt, beginnt der Ast, an dem er sein Kletterseil befestigt hat, verdächtig zu knacken. Bald hängt er frei in der Luft. Während er verzweifelt um sich blickt, kommt die erste von mehreren Bienen in den Film gesummt.
Der Mann ist Bauer und Imker in einem kleinen türkischen Bergdorf, vermutlich im Norden des Landes, in der Nähe der Schwarzmeerküste. Seine Familie lebt etwas abseits einer kleinen Ortschaft: er selbst, seine Frau und Yusuf, ihr gemeinsamer Sohn. Der steht im Zentrum des Films. Er ... mehr lesen
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bal, semih kaplanoglu, türkei, wettbewerb 2010
Gott auf zwei Rädern: Koji Wakamatsus 'Caterpillar'
Von Ekkehard Knörer, 16.02.2010, 09:40

So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem Match Cut Koji Wakamatsu dann hinüber ins Spielfilmbild. Man sieht: eine Vergewaltigung hinter mit billigem Digitaleffekt in die Bilder kopiertem Feuer. Der Effekt und das Geschehen gehen eine Verbindung ein, aber sie ist sichtlich künstlich. In diesem extrem sachlich dissoziierten Dokumentarbild-Spielfilmübergang setzt Koji Wakamatsu die Parameter, an die er sich fortan konsequent hält.
Der billige Digitaleffekt ist Absicht, wie der alles andere als slicke Digitalvideolook des Films überhaupt. Kein ästhetisches Jota geht Wakamatsu über das hinaus, was er für seinen Film braucht. Mit Historienfilmen, die Geschehenes für ihr ... mehr lesen
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caterpillar, japan, koji wakamatsu, sex, wettbewerb 2010
Trash-Sex im Kellerloch: Hans Peter Mollands 'En Ganske Snill Mann'
Von Thomas Groh, 16.02.2010, 09:32
An obskurem Sex ist dieser Wettbewerb gewiss nicht arm. Im begähnenswerten "Greenberg" geht Ben Stiller Greta Garwig sehr unvermittelt an die Wäsche und bricht ebenso unvermittelt wieder ab. Im sehr großartigen "Caterpillar" gibt es mehrfach Amputiertensex. Dass in "En Ganske Snill Mann" dann eine Frau fortgeschrittenen Alters mit deutlich ins Bild gesetzten schwieligen Beinen plötzlich ihre ranzige Unterhose auszieht, sich flach aufs Bett legt und den in ihrem Kellerloch untergebrachten Ex-Knasti mit traurig-fahlem Altherrenhintern anfährt, ob er denn zum Beischlaf noch eine Einladung benötige, um anschließend, bei erfolgter mechanischer Bebeischlafung, auf wildes "Jesus Christus"-Schreien zu verfallen, hat dann aber doch eine sehr eigene Qualität. Die erstgenannten Filme verhalten sich in der Zwischenzone von Hinsehen und Distanzwahren. "En Ganske Snill Mann" verfolgt nur ein Projekt: Die konsequente Desavouierung jeder seiner Figuren. Dass dabei plump um die Komplizenschaft eines amüsierwilligen Publikums gebuhlt wird, ist das eigentlich ... mehr lesen
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a somewhat gentle man, hans peter molland, norwegen, sex, wettbewerb 2010
Bleibt immer trocken: Benjamin Heisenbergs 'Der Räuber'
Von Lukas Foerster, 15.02.2010, 19:55

Der erste Schnitt ist gleich einer in die Bewegung: Johann Rettenberger (Andreas Lust) rennt, mit beachtlicher Geschwindigkeit in Sportkleidung. Um ihn herum sind Menschen, Alltagslärm vermischt sich mit seinem Atemgeräusch. Erst als Rettenberger zu rennen aufhört, erkennt man, dass er sich auf einem Gefängnishof befindet. Er sitzt ein wegen versuchtem Bankraub und steht kurz vor seiner Entlassung. Die freie Zeit im Knast nutzt er fürs Lauftraining. Auch in seiner wenige Quadratmeter großen Zelle kann er kilometerweit laufen: ein wohlmeinender Wächter hat ein Laufband installiert. Dieser wohlmeinende Wächter ist es auch, der Rettenberger noch einmal vor der Entlassung ins Gewissen redet. Dass Rettenberger sich draußen Mühe geben müsse. Sonst könne er schnell wieder im Gefängnis landen. Rettenberger antwortet, das glaube er nicht, er werde sicherlich nicht wieder im Gefängnis landen. Sehr sicher scheint er seiner Sache in diesem Moment zu ... mehr lesen
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bankraub, benjamin heisenberg, der räuber, deutschland, wettbewerb 2010
Total kommensurabel: Banksys 'Exit Through the Gift Shop' im Wettbewerb
Von Ekkehard Knörer, 15.02.2010, 08:55
Banksy was here. Na, vielleicht auch nicht. Wer da ist, vor Start des Films, ist die Berlinale-Pressechefin Frauke Greiner. Sie kündigt eine kurze Filmbotschaft des englischen Künstlers an. Ton ab, Bild ab. Er sitzt da, mit Kapuzenjacke und schwarzem Gesicht und spricht mit technisch verzerrter Stimme zu uns. Macht Scherze und teilt mit, dass der nun folgende Film erstens durch und durch die Wahrheit erzählt und zweitens ganz gut sei, jedenfalls, wenn man die Erwartungen niedrig hält. 
Was den ersten Punkt angeht: schwer zu sagen. Möglicherweise ist die Unklarheit zwischen Mocku- und Documentary ein bisschen die Pointe des Films. "Möglicherweise" deshalb, weil man an keiner Stelle den Eindruck gewinnt, dass "Exit Through the Gift Shop" da irgendwas im Ernst oder im Scherz wirklich zuende denkt. Sicher ist aber dies: Es ist keine Doku über ... mehr lesen
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banksy, exit through the gift shop, großbritannien, kunst, street-art, wettbewerb 2010
Kaputt in Indiewood: Greenberg von Noah Baumbach (Wettbewerb)
Von Thomas Groh, 14.02.2010, 23:16
Wenn man für ein Festival akkreditiert ist und von Auftrags wegen auf eine Schiene des Festivals abonniert ist, ergeben sich manchmal hübsche Überraschungen: Da ich sowieso die Wettbewerbsvorführungen um 12 Uhr besuche, schaue ich (meist) im Vorfeld gar nicht erst näher hin, was mich erwartet. Entsprechend erstaunt war ich, als sich in "Greenberg" plötzlich Ben Stiller (in der der Titelrolle) mit verwuschelter Frisur ins Bild dreht und - er hatte kurz zuvor einen Nervenzusammenbruch - verstört ins Telefon flüstert: "Da sind Leute im Pool." An dieser Stelle ist der Film schon einige Minuten alt und hat bis dahin seine Signale deutlich gesendet: Indiewood. Ein lose verbandelter ästhetischer, motivischer, vor allem aber distributorischer Nischenzusammenhang des amerikanischen Kinos, der mittlerweile ein fester Bestandteil im Verwertungskalkulationen der "Großen" ist. Stiller erwartet man in solchen Filmen dennoch nicht unbedingt.
Für Indiewood-Filme sind ... mehr lesen
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ben stiller, greenberg, greta gerwig, indiewood, noah baumbach, usa, wettbewerb 2010
Postmodernisiert: Zhang Yimous 'A Woman, a Gun and a Noodle Shop'
Von Lukas Foerster, 14.02.2010, 16:17

Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang Yimou als die Welt ausgibt. Farbenfroh ist sie und völlig artifiziell. Rot-weiß gestreifte, pittoresk zerklüftete Hügellandschaften, über die bald schwarze Soldaten mit blauen Fahnen geritten kommen werden. Doch zunächst macht die Welt, die durch den Riss in der Oberfläche bricht, Krawall. Wir sind im Nudelrestaurant, das Wang gemeinsam mit seiner deutlich jüngeren Frau betreibt. Jetzt werden erst einmal Pistolen und Kanonen eingeführt. Zumindest in diesem einsamen, hinterwäldlerischen Fleckchen Erde (wer soll hier eigentlich ein Nudelrestaurant frequentieren? Uninteressant, nächste Frage) sind Schusswaffen noch unbekannt. Das Personal des Restaurants, insbesondere ... mehr lesen
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a woman, a gun and a noodle shop, blood simple, china, joel und ethan coen, pulp, wettbewerb 2010, zhang yimou
Miserabilismusporno erster Kajüte
Von Ekkehard Knörer, 14.02.2010, 10:40
Ich gebe, bevor ich hier als der Berliner Schlechte-Laune-Bär abgestempelt werde, zu Protokoll, dass mir die beiden Wettbewerbsfilme "My Name is Khan" (warum der außer Konkurrenz läuft, weiß der Kosslick) und "If I Want to Whistle, I Whistle" von Florin Serban auf ihre sehr unterschiedliche Weise jeweils sehr imponiert haben.

"Submarino" von Thomas Vinterberg allerdings hat das nicht. Der Film ist eine Zumutung, was noch kein Werturteil ist. Aber er ist mächtig stolz darauf, eine Zumutung zu sein, darauf, seine Figuren und seine Zuschauer so richtig tief in die Scheiße tunken zu können. Und dieser Stolz ist zum Kotzen. Dieser Stolz, und mehr noch die Tatsache, dass er dem Film aus jeder Pore entströmt, machen diese Geschichte zweier Brüder, denen "das Leben" (in Wahrheit natürlich das Drehbuch) nichts erspart, zum Miserabilismusporno erster Kajüte. Kurze, unvollständige Aufzählung des ... mehr lesen
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alkohol, dänemark, dogma, folter, hoffnung, submarino, thomas vinterberg, wettbewerb 2010
Im Kabinett des Dr. Scorsese: 'Shutter Island'
Von Thomas Groh, 13.02.2010, 20:00
"Vernunft ist keine Option, für die man sich frei entscheidet", sagt Dr. Cawley (Ben Kingsley) an einer Stelle. Die Patientin, über die er spricht, lebt, seit sie ihren Nachwuchs ertränkt hat, in einer fiktiven eigenen Welt, in der Psychologen Postboten, Ärzte Milchmänner und die Kinder in der Schule sind. Im Verlauf von "Shutter Island", Martin Scorseses Rückkehr zum Psychothriller mit Gothic-Horroreinschlag, beschleicht einen zunehmend das Gefühl, dass es dem Regisseur mitunter ähnlich ergeht. Die Karnickel, die er mit großer Geste aus dem Hut zieht, die Tricks aus den Schubladen der Filmgeschichte, die Scorsese hier zur Anwendung bringt, stehen einem als solche lange schon vor Auge, während der Regisseur noch von der Virtuosität seines Treibens völlig überzeugt ist. 
"Auf dieser Insel ist was faul", hört man immer wieder aus dem Mund Teddy Daniels' (Leonardo di Caprio), der als ... mehr lesen
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ben kingsley, film noir, leonardo di caprio, martin scorsese, pulp, shutter island, usa, wettbewerb 2010
Porträt eines Jugendgefängnisses: Florin Serbans 'If I Want to Whistle, I Whistle'
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 18:22

Silviu Chiscan ist 19 Jahre alt und Insasse eines rumänischen Jugendgefängnisses. Kurzrasierte Haare, bullig, eine Narbe auf der Stirn. Die anderen Insassen sehen mehr oder weniger genauso aus. Gemeinsam nehmen sie Mahlzeiten ein, spielen dazwischen Fußball oder arbeiten, handeln untereinander mit Zigaretten und prügeln sich. Silviu steht kurz vor seiner Entlassung. Der Oberwärter, der ihn im ersten Filmdrittel zu sich zitiert, scheint ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen. Vor der Entlassung soll er einen Fragebogen ausfüllen, der seine psychosoziale Befindlichkeit betrifft. Er interessiert sich weniger für den Bogen, als für die Praktikantin, die ihm beim Ausfüllen helfen soll. Aus der Bahn werfen wird ihn aber nicht das Mädchen, sondern der Besuch seines Bruders.
"If I Want to Whistle, I Whistle" ist unzweifelhaft ein Produkt des neuen rumänischen Kinos. Schon die Textur seiner grobkörnigen Bilder verrät ... mehr lesen
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florin serban, if i want to whistle, i whistle, rumänien, wettbewerb 2010
Zeitgeschichte als Melodram: Karan Johars 'My Name Is Khan'
Von Lukas Foerster, 13.02.2010, 10:00
Nicht "Kaan", sondern "Chraan" spricht man den Nachnamen des größten lebenden Filmstars unserer Zeit aus. Das lernt man in aller Ausführlichkeit in Shah Rukh Khans neuem Film "My Name is Khan", in dem er die anderen Charaktere immer wieder zurechtweist: "Chraan, from the epiglottis, the epiglottis". Der Name ist nicht die einzige Gemeinsamkeit von Filmfigur und Schauspieler. Der gesamte Film hat eine starke autobiografische Note. Genauer gesagt: Er geht vom Autobiografischem aus und extrapoliert dasselbe ganz unverschämt ins Quasimythologische und Geopolitische.
Wie der echte Khan ist der Film-Khan, der allerdings mit Vornamen Rizwan heißt, ein indischer Moslem. Und wie der echte heiratet der Film-Khan eine Hindu-Frau, nämlich die allein erziehende Mutter Mandira. Allerdings nicht in Indien, sondern, da endet die Autobiografie, in den USA. Dorthin wandert Rizwan nach dem Tod seiner Mutter aus, weil er es ... mehr lesen
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Der Unbehausteste: Roman Polanskis 'The Ghost Writer'
Von Thierry Chervel, 12.02.2010, 21:00
Am gnadenlosesten schnappen immer die Fallen zu, in die man sehenden Auges lief. Polanski ist der Filmemacher der bösen Ahnung, einer uranfänglichen Unbehaglichkeit, aus der man wie im Alptraum nicht zurück kann. Noch bevor irgendetwas passiert ist, spürt der amerikanische Arzt Richard Walker in "Frantic", dass Paris ihn nicht willkommen heißt. Er fährt trotzdem, mit der geliebten Frau. So wie Trelkovsky in "Der Mieter" die Wohnung der Selbstmörderin mietet, vor der es ihn graust und in der er seine einsame Emigrantenexistenz dann doch zu Ende fristet, und wie der Assistent des Vampirologen im "Tanz der Vampire" seinem gesunden Widerwillen hätte nachgeben sollen. Aber zu spät, die Falle schnappt zu, weil der Held zu höflich war, oder egoistisch oder neugierig oder bedürftig und weil er durch seine eigenen kleinen menschlichen Fehler den grausamen Mechanismus des Räderwerks nach Kräften schmiert.
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Hipsterköpfiger Breloer: 'Howl' von Robert Epstein und Jeffrey Friedman im Wettbewerb
Von Ekkehard Knörer, 12.02.2010, 15:02

"Howl", der Film, ist natürlich totaler Quatsch, aber er hat ein, zwei Attraktionen. Quatsch ist er, weil nicht mehr als ein hochgepimpter Fernseh-Schulfilm, kleines ABC der Beat Generation, hipsterköpfiger Breloer. Ursprünglich als Doku gedacht, nun aber mit Spielszenen, die soviel Leben versprühen wie tote Katzen auf den Blechdächern von New York. Illustrationen für Bildstutzige: Der Dichter spricht und sein Gedicht kommt vor Gericht. Erklärungen für Literaturstutzige: Poesie lässt sich nicht in Prosa übersetzen, darum ist es Poesie. Szenenapplaus im Berlinale-Palast (echt!). Dazwischen, auch mal Schwarzweiß, die Liebe, die Fünfziger, aber alles mitgeschnitten aus Interviews und Protokollen. Quellenfetischismus, Geschichtsdummheit.
In jeder Sekunde des Vorspanns der TV-Serie "Mad Men" steckt mehr Intelligenz und Stilgefühl als in diesen Sequenzen. Gewiss, ein unfairer Vergleich; "Mad Men" ist so ziemlich das Beste, was wir derzeit überhaupt haben, aber ... mehr lesen
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Essen, Singen, Scheiden, Regen: Wang Quan'ans 'Eröffnungsfilm 'Tuan Yuan' (Wettbewerb)
Von Thomas Groh, 11.02.2010, 21:00
Eine pikante Situation: 50 Jahre nach der Trennung von China und Taiwan, die zahllose Familien zerriss, kehrt der einstige Soldat Liu zu seiner Ex-Frau Yu-E aus dem taiwanesischen Exil zurück. Seine taiwanesische Frau ist vor kurzem gestorben, Yu-E wiederum ist mittlerweile Großmutter einer ansehnlichen chinesischen Familie. Was als Wiedersehen beginnt, scheint bald eine Zerreißprobe in Aussicht zu stellen: Liu ist entschlossen, Yu-E nach Taiwan mitzunehmen.
Dass Wang Quan'an die Geschichte seines Berlinale-Eröffnungsfilms "Tuan Yuan" nicht als Drama erzählt, sondern als mit lakonischem Humor durchzogene Alltagsgroteske, gehört zur größten Überraschung. Die für kurze Zeit als "Ehe zu dritt" laufende Konstellation funktioniert nicht als Melodram unvereinbarer, biografisch bedingter Ansprüche, sondern als hinnehmendes Sich-Einrichten, ohnedies ist Yu-E, ob beim Kochen, sich Artikulieren oder für zukünftigen Ehepartner Entscheiden, eher quasi-existenzialistische Beobachterin ihres Daseins. Ihr chinesischer Ehemann etwa ist mit fast schon verwirrendem Enthusiasmus dabei, seine Großfamilie der Auflösung zu überantworten.
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Der Wettbewerb: eine tiefinnere Liebe zum Kompromiss
Von Ekkehard Knörer, 11.02.2010, 10:00

Ein Filmfestival von der Größe der Berlinale ist immer vieles auf einmal. Ein Wirtschaftsunternehmen zuerst, das auf die Gunst von staatlichen Geldgebern und privaten Sponsoren angewiesen und von beiden darum zu einem gewissen Grad abhängig ist. Den Gönnern hat es etwas zu bieten, ein Renommee, das sich Stars auf roten Teppichen sehr viel eher als großer Filmkunst verdankt. Ein A-Festival wie die Berlinale ist zugleich ein Ereignis, auf das die machtvollen Interessen der nationalen Filmproduktion starken Druck ausüben. Man will eine Leistungsschau des im eigenen Land produzierten Kinos, also möglichst viele "eigene" Filme im Wettbewerb. Die Granden der Industrie, die in Deutschland gar keine, sondern ein stark fernsehgestützter Subventionsbetrieb ist, sitzen dem Festivalleiter unweigerlich im Genick. Dazu kommt ein längst globalisierter Verkaufsbetrieb mit den Filmverkäufern als einflussreichen Figuren, die jedes Festival in die Knie zwingen könnten, das sich den ... mehr lesen
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