Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Außer Atem: Das Berlinaleblog

Schmutzige Scheiben: Gus van Sants 'Promised Land' (Wettbewerb)

Von Thomas Groh, 08.02.2013, 19:02

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Wo man hinschaut: schmutzige Scheiben. Oft dreht Gus van Sant durch Scheiben hindurch, so dass man die Schlieren auf dem Glas sieht. Oder das Licht auf der Frontscheibe eines Autos reflektiert so, dass Matt Damon dahinter nur schemenhaft erkennbar ist. Ein Kontrast zu den weiten Panoramen oder den aus einiger Höhe aufgenommenen Gottesperspektiven: Hier, wo die USA am amerikanischsten sind, im Hinterland, wo die meisten - wenn auch zunehmend unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten - noch auf Farmen leben, hier also, wo manche Einstellung so aussieht, als sei sie der Rahmenhandlung vom "Wizard of Oz" entnommen, wo man den Eindruck gewinnt, als habe sich die USA in den letzten Winkel und ihren eigene Ursprungsmythos zurückgezogen, hier liegt das Land in aller Klarheit vor einem. Nur die Leute, die in die Stadt kommen, bleiben undurchsichtig.

Es geht ums "Fracking", die Erschließung ... mehr lesen



Stichwörter: gus van sant, politisches kino, promised land, usa, wettbewerb 2013

Ups and Downs einer Beziehungskiste: Andres Veiels 'Wer wenn nicht wir'

Von Thomas Groh, 18.02.2011, 08:00

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Für Katzen ist das kein guter Berlinalewettbewerb: In "The Future" (unsere Kritik) stirbt eine im Heim über Beziehungskrisen nicht abgeholte Katze den Tod durch Einschläferung, bei "Wer wenn nicht wir" wird gleich zu Beginn eine Katze standesgemäß erschossen. Das Jahr ist 1949, auf der anderen Seite des Gewehrs steht Will Vesper, Literat im Dienste des Dritten Reiches, und hält eine pädagogische Rede an den Sohn, Bernward Vesper: Die Katzen gehören nicht zu uns, sie stammen aus dem Orient und sind damit die Juden unter den Tieren und insbesondere diese Katze, die des Sohns, tötete die schönen Nachtigallen.

Den Weg von der hingerichteten Katze bis zum hingerichteten Schleyer geht "Wer wenn nicht wir" als Spielfilm über die Wiegenzeit der RAF zwar nicht, doch bleibt die tote Katze prägend. Bernward (August Diehl) studiert Germanistik, lernt Gudrun ... mehr lesen



Stichwörter: andreas baader, andres veiel, bernward vesper, deutschland, gudrun ensslin, politisches kino, raf, wer wenn nicht wir, wettbewerb 2011

Barbiepuppe mit Feuerpenis: Kim Suns 'Self Referential Traverse: Zeitgeist and Engagement'

Von Lukas Foerster, 14.02.2011, 11:02

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Die Oddity der diesjährigen Berlinale fängt verhältnismäßig harmlos an, nämlich als Fernsehsitcom der banalsten Art. Ein tumber Vater und seine smarte Tochter streiten sich über Politik, die Mutter sorgt sich, die Kochschürze umgebunden, um den Familienfrieden. Dazu die Lacher des Publikums aus der Konserve, eingespielt meist in Momenten, die alles andere als komisch sind.

Mir nichts dir nichts wechselt der Film dann das Register. Die nachgestellte, flache Fernsehästhetik weicht einer ebenfalls nachgestellten 16mm-Trashoptik inklusive digital eingefügter Artefakte über den Bildern; ein wenig sieht das aus wie in Quentin Tarantinos und Robert Rodriguez' "Grindhouse", nur wirkt es hier um einiges roher, unbehauener, weitaus weniger am pittoresken Effekt orientiert. Die Hauptfigur des Films ist jetzt eine ewige grinsende, uniformierte Marionette, die dem koreanischen Polizeimaskottchen Pogori nachempfunden ist. Pogori hat seine Beine verloren und möchte sich ... mehr lesen



Stichwörter: Animationsfilm, forum 2011, kim sun, politisches kino, self referential traverse, stop motion, südkorea, trash, zeitgeist and engagement

Held ohne Anführungszeichen: Jose Padilhas 'Tropa de Elite 2'

Von Lukas Foerster, 13.02.2011, 16:15

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Wer die neuen Talente des Weltkinos entdecken möchte, der ist auf der Berlinale der Ära Kosslick eher fehl am Platz. Die interessanten jungen Regisseure der Gegenwart tauchen, soweit sie sich überhaupt auf Festivals bewegen, in Rotterdam oder im koreanischen Jeonju auf und machen sich dann auf den Weg nach Cannes oder Venedig. Berlin und leider inzwischen auch das Forum lassen sie meist links liegen. Zu den wenigen Ausnahmen dieser bedauerlichen Entwicklung zählt Jose Padilha, der einen großen Teil seines bisherigen Werkes in Berlin präsentieren konnte. Der Brasilianer dreht sowohl intelligente Dokumentarfilme ("Bus 174", "Garapa", Panorama 2009), als auch dynamische, reflektierte Blockbuster. Padilhas Kino setzt keine neuen Maßstäbe, aber es nimmt das politische Erbe des Cinema Novo, des neuen brasilianischen Films der sechziger und siebziger Jahre, auf zwar populistische, aber deswegen nicht dumme Art auf.

"Tropa de ... mehr lesen



Stichwörter: actionfilm, brasilien, jose padilha, panorama 2011, politisches kino, polizeifilm, tropa de elite 2