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Außer Atem: Das Berlinaleblog
Heute noch zu sehen: Emin Alpers 'Beyond the Hill', Kiko Goifmans 'Look at me again' und Zoé Chantres 'Tiens moi droite'
Von Nikolaus Perneczky, 18.02.2012, 11:15

Emin Alpers Erstlingsfilm "Tepenin Ard? - Beyond the Hill" (Forum) beginnt vielversprechend enigmatisch. Ein alter Patriarch verteidigt sein Anwesen in den anatolischen Bergen gegen Nomaden, die ihre Tiere auf sein Weideland führen. Der Kleinkrieg zwischen dem alten Mann, der mit einem seiner Söhne und dessen Familie in einer Talsenke lebt, und den angeblichen Aggressoren, tobt schon eine ganze Weile, als der zweite Sohn zu Besuch kommt. Geschickt relegiert der Film die wahrgenommene Bedrohung ins Off, hinter den Hügel, wo die Nomaden sich aufhalten sollen. Sie sind jedoch nie direkt zu sehen, sondern lediglich in der Phantomgestalt von Gegenschüssen aus dem umliegenden Gebirge, unauffällige Landschaftsaufnahmen jeder für sich, die sich nach und nach zu einer Triangulation des Geschehens im Tal addieren, und so die Frage aufwerfen, wessen Betrachterstandpunkt sich hier mitteilt. Es ist zu bedauern, dass Emin Alper den Konflikt ... mehr lesen
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beyond the hill, brasilien, emin alper, forum 2012, frankreich, kiko goifman, look at me again, panorama 2012, tiens moi droite, türkei, zoé chantre
Peter Kerns 'Glaube, Liebe, Tod' (Panorama)
Von Nikolaus Perneczky, 15.02.2012, 09:13

Die thomistische Trias christlicher Tugenden - Glaube, Liebe, Hoffnung – hat Pate gestanden für Peter Kerns neue filmische Selbstentäußerung. Allein Hoffnung mag in diesem Rundumschlag gegen die unchristlichen Zustände an der europäischen Außengrenze keine aufkommen. Darum folgt auf den Glauben und die Liebe... der Tod.
"Glaube, Liebe, Tod" ist das filmische Äquivalent einer Wellblechhütte, ein mit ärmlichen Mitteln aus schierer Notwendigkeit hastig zusammengezimmertes Provisorium, wackelig und schlecht abgedichtet, durch das der Wind pfeift. "Was machen wir eigentlich hier in Mecklenburg-Vorpommern?", fragt Kern seine Mutter (Traute Furthner), die auch keine gute Antwort darauf weiß. Ein Hausboot haben die beiden gemietet, auf dem sie, zu Filmmusik nach Bernard Herrmann, familiären Kleinkrieg spielen. Bis ein marokkanischer Bootsflüchtling als Fremdkörper - hier buchstäblich: als fremder, begehrlicher Körper - auftaucht und die libidinöse Ökonomie der Haus(boot)gemeinschaft nachhaltig aufrüttelt. An einen Sessel gefesselt ... mehr lesen
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glaube, liebe, tod, österreich, panorama 2012, peter kern
Fraktionen des Bösen im Nazihauptquartier: Volker Schlöndorffs 'La mer à l'aube' (Panorama)
Von Lukas Foerster, 14.02.2012, 11:17

"La mer a l'aube", eine Fernsehproduktion von Volker Schlöndorff, die, was Ausstattung und filmische Mittel angeht, auch so aussieht, erzählt von der Hinrichtung 150 französischer Kriegsgefangener, die im Zweiten Weltkrieg auf Anordnung Hitlers als "Vergeltungsmaßnahme" für den Anschlag auf einen deutschen Offizier im Oktober 1941 von den deutschen Besatzern in Zusammenarbeit mit französischen Hilfstruppen geplant und durchgeführt wurde.
Wie obszön ist "La mer a l’aube"? Erste Antwort: schon ziemlich obszön, schließlich steckt auch Schlöndorff wieder deutsche Schauspieler in Naziuniformen und die deutschen Schauspieler fühlen sich da wohl: jetzt können sie endlich mal alle Register ziehen, vorführen, was sie auf der Schauspielschule so alles gelernt haben. Vielleicht schauen ja die richtigen Leute zu, dann könnte die SS-Uniform als Karrieresprungbrett dienen. Diesem Mechanismus kann sich ein deutscher Film, der im Modus des psychologischen Realismus über das Dritte Reich erzählt, kaum ... mehr lesen
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Beim Barte des Führers: Nazi-Ufos in Timo Vuorensolas 'Iron Sky' (Panorama Special)
Von Thomas Groh, 12.02.2012, 14:02

Kommen zwei Nazis nach 72 Jahren nach New York und finden ein Pornoheft. Sagt der eine: "Die entwickeln sich ja wie unsere Weiber. Aber da unten haben sie keine Haare, wie die Mädchen seh'n die aus." Sagt der andere: "Und wenn sie da Haare haben, seh'n die aus wie der Bart unseres geliebten Führers!" Oder aber: Greifen Nazis vom Mond völlig krass die Erde an. Die Leute in der UNO so voll am Abstreiten, keiner ist's gewesen. Meldet sich Nordkorea: "Wir sind's, wir sind's gewesen!" Alle anderen voll so am Ablachen: "Als ob!!"
Seinen Ursprung kann "Iron Sky" kaum verhehlen: Seit Jahren geistern Trailer und Teaser (siehe auch unten) mit Nazi-Ufos durchs Netz, meist auf der Suche nach Geldgebern und einer spendewilligen Community, die den Film nicht nur finanziell, sondern auch mit Ideen und ... mehr lesen
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Film noir aus Thailand: Pen-Ek Ratanaruangs 'Headshot' (Panorama)
Von Lukas Foerster, 11.02.2012, 11:02

Tul war früher Polizist. Nachdem er von einem korrupten Politiker, dem er auf den Fersen ist, erpresst wird, steigt er aus und wechselt die Seiten, wird Auftragskiller (allerdings einer der moralischen Sorte, der nur die "richtigen" killt), es tauchen weitere Schwierigkeiten auf - und eine geheimnisvolle Frau, die den Blick des Films in ihrer ersten Szene regelrecht stillstellt: in Untersicht taucht sie zuerst auf, die Kamera blickt zu ihr hoch, auf ihren ins engste Kostüm gequetschten Körper, dann entspinnt sich ein Gespräch, aber die Kamera bleibt an ihr kleben, verzichtet auf den Gegenschuss auf Tul, der ihr dann folgerichtig hoffnungslos verfällt. Irgendwann bekommt er eine Kugel in den Kopf, er überlebt das zwar, doch die Kugel (John Woos "Bullet in the Head" hatte seinerzeit eine ähnliche Konstellation) verändert ihn: er sieht nun alles falsch herum. Eine klinische Erklärung gibt ... mehr lesen
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film noir, headshot, panorama 2012, pen-ek ratanaruang, thailand
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