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- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
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Außer Atem: Das Berlinaleblog
Erzählt von einem geplanten Nichtausbruch aus Nordkorea: Yang Yonghis 'Kazoku no kuni' (Forum)
Von Lukas Foerster, 13.02.2012, 12:59

Am Anfang sitzt Rie abgeschlafft in dem kleinen Cafe, das ihre Mutter betreibt, den Kopf flach auf die Theke gelegt. Sie wird bald Besuch bekommen von ihrem Bruder Sonho, den sie seit Jahren nicht gesehen hat. Sie wartet, was kommt, aber ist doch schon gezeichnet von Wunden aus der Vergangenheit, die durch nichts wieder heilen werden.
Rie ist eine Koreanerin, die in Japan lebt. Ihr Vater ist dem nordkoreanischen Regime treu ergeben und engagiert sich im hochpolitisierten Exilantenverband, der Verbindungen nach Pjöngjang unterhält. Sonho wurde als 16-Jähriger vom Vater ins Heimatland seiner Eltern geschickt, jetzt hat er dort selbst einen Sohn, zurückkehren kann er nur für kurze Zeit, zwecks Behandlung einer Krebserkrankung. Begleitet wird er von Yang, einem Aufpasser, der eigentlich gar nicht notwendig wäre, schließlich könnte das Regime Sonhos nordkoreanische Angehörigen jederzeit als Geisel nehmen, gewissermaßen sind ... mehr lesen
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Denkmal für die Überlebenden: Funahashi Atsushis 'Nuklear Nation'
Von Elena Meilicke, 11.02.2012, 09:38

Noch nicht einmal ein Jahr ist vergangen seit Fukushima oder '3/11', wie die Ereigniskette aus Erdbeben, Tsunami und atomarem Super-GAU vom 11. März 2011 in Japan mittlerweile genannt wird. Aus den deutschen Nachrichten zumindest ist Fukushima mittlerweile so gut wie verschwunden, was bleibt, ist kaum mehr als die Erinnerung an verwüstete Küstenstreifen und einen Regierungssprecher im blauen Arbeitsanzug. Drei Filme im Forum versuchen jetzt, über die kurzlebigen Fernsehbilder hinaus ein Bild der Lage zu liefern; als erstes läuft Funahashi Atsushis Dokumentarfilm "Nuclear Nation" an. Im Mittelpunkt von Funahashis Film steht Futaba, eine Kleinstadt in der Provinz Fukushima, im Nordosten Japans, an der Pazifikküste – die Stadt, in der der Reaktor Fukushima Dai-ichi liegt. Futaba wurde im März 2011 nicht nur fast vollständig durch Erdbeben und Tsunami zerstört, sondern auch vom radioaktiven Fallout kontaminiert. Heute ist Futaba Sperrgebiet, ... mehr lesen
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Filmische Kartierung des Nachkriegsjapans: Kawashima Yuzo (Forum)
Von Elena Meilicke, 09.02.2012, 14:21
Es ist fast schon Tradition geworden: seit ein paar Jahren präsentiert das Forum regelmäßig eine kleine Mini-Retro zu einem japanischen Regisseur. 2007 konnte man auf diese Weise Okamoto Kihachis formvollendete Gangster- und Schwertfilme wiederentdecken, im Jahr darauf die "pinku eiga" eines Wakamatsu Koji. 2012 ist die kleine Retrospektive einem fast Vergessenen gewidmet, der im Westen ohnehin nie wirklich bekannt war: Kawashima Yuzo. Kawashima wurde 1918 geboren und begann 1938 als Assistent in den Shochiku-Studios zu arbeiten; ab 1944 drehte er eigene Filme, und zwar genau 51, bevor er 1963 starb. Einen Platz in der japanischen Filmgeschichte hat Kawashima immerhin noch als Mentor von Imamura Shohei, zweifacher Palme-d'Or-Preisträger, der Kawashima als seinen wichtigsten Lehrer bezeichnet.
Das Forum zeigt drei Produktionen aus den 1950er Jahren. Obwohl sehr unterschiedlich, zeichnen alle drei Filme das Bild einer Gesellschaft im Umbruch, ein Land ... mehr lesen
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Rücksichtslos sichtbar: Takahisa Zezes 'Heaven's Story'
Von Lukas Foerster, 12.02.2011, 10:52

Ein sanftes, zerbrechliches Monstrum von einem Film. 278 Minuten dauert Takahisa Zezes "Heaven's Story" und doch bekommt man das Ding nie wirklich zu fassen. Irgendwo zwischen hysterischem Charakterdrama, blutigem Rachethriller und Erzählexperiment, lyrisch, naiv, stellenweise wunderschön, stellenweise enervierend setzt es sich zwischen alle Stühle. Nahe liegt ein Vergleich mit einem anderen, fast genauso langen und ungleich lauteren, grelleren japanischen Monstrum, Sion Sonos "Love Exposure", vor zwei Jahren im Forum zu sehen und längst zum Kultfilm avanciert. "Heaven's Story" wird, obwohl handwerklich der bessere Film, derartige Reaktionen wohl eher nicht hervorrufen.
Takahisa Zeze galt in Japan einst als einer von vier "Heavenly Kings of Pink". In den neunziger Jahren drehte er Dutzende Softpornos, sogenannte "Pinku eigas", eine Filmform, die trotz Fließbandproduktion und thematischer Redundanz seit den sechziger Jahren eine Spielwiese für experimentierfreudige junge Regisseure darstellt. Schon mit außergewöhnlichen Erotikfilmen ... mehr lesen
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Wo der Strom herkommt: Zur Shibuya-Minoru-Retrospektive
Von Thomas Groh, 10.02.2011, 00:02

Ganz heimlich, still und leise schleicht sich der elektrische Strom in die japanischen Haushalte - zwar kommt er auch hier aus der Steckdose, doch die ist, wie man in "Righteousness" (1957) von Shibuya Minoru sehen kann, Bestandteil der von der Decke hängenden Lampe. Und wenn die nicht leuchtet, kriegt man auch keinen Saft auf den allseits etwas beäugten elektrischen Rasierapparat, den die Schwarzmarkthändlerin Okyo (Miyoshi Eiko) arg aufdringlich ausgerechnet an ihre Nachbarinnen verhökern will. Eine findet ihn als Massagegerät wohl brauchbar, die andere rasiert sich zum Test den Nacken aus - abnehmen will ihn der ansonsten sehr geschäftigen Händlerin indessen keiner.
Es fehlt schlicht am Geld - die Leute leben, zwölf Jahre nach der Kriegsniederlage, bescheiden und in traditionellen Wohneinrichtungen, in denen der Strom eben von der Decke kommt. Weder bescheiden noch traditionell lebt die ... mehr lesen
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Welt am Draht: Mamoru Hosadas 'Summer Wars'
Von Thomas Groh, 17.02.2010, 11:35

Nach einigen Festivaljahrgängen hat man auf der Berlinale geheime Freundschaften geschlossen: Im Fall des Hongkong-Kinos sind es einige Straßen, die mit hoher Regelmäßigkeit auftauchen, im Fall des japanischen Kinos sind es die Zikaden, die bei Außenaufnahmen vernehmlich schnattern und spotten. Die typische Rhythmik des Zikadenschnatterns steht meist für den Sommer, mitunter für eine gewisse Angespanntheit, sehr häufig: Für die Provinz und das Landleben.
"Summer Wars" beginnt gar nicht wie ein japanischer Provinzfilm: OZ heißt die angesagte virtuelle Welt, eine Art Meta-Web, das Facebook mit Second Life verbindet, eine bonbonfarbene, räumlich repräsentierte Utopie eines von seiner Glückseligkeit felsenfest überzeugten Konsum- und Differenzkapitalismus, die Individualität mit Avatardesign übersetzt und für alle persönlichen Interessen die passenden virtuellen Waren vorrätig hält - Zutritt per Handy, Internet, Fernsehen. In der Welt von "Summer Wars" trifft die Welt sich umfassend in ihrer Spiegelung ... mehr lesen
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Post-Berlinale: Shimazu im Arsenal.
Von Thomas Groh, 16.02.2010, 11:02

"Wer auf der diesjährigen Berlinale nur drei Filme sehen möchte: der sollte exakt diese drei auswählen", schreibt Perlentaucher-Kritiker Lukas Foerster in seiner einführenden Forumsschau. Gemeint sind die drei Filme von Yasujiro Shimazu, die im Forum als eine Art "Mini-Hommage" laufen. Fraglich bleibt dabei, ob ein Festival - mit seinem Stress, seinen blank liegenden Nerven, dem Geschubse an Eingängen und Transiträumen - wirklich die passende Umgebung für die kleinen Alltagsdramen (shomingeki) des japanischen Regisseurs darstellt (wenn man denn überhaupt Karten bekommen hat).
Man kann die Filme, wie das Kino Arsenal gerade mitteilte, auch in entspannterer Atmosphäre genießen: Vom 23. bis 25. Februar werden sie dort wiederholt.
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Gott auf zwei Rädern: Koji Wakamatsus 'Caterpillar'
Von Ekkehard Knörer, 16.02.2010, 09:40

So abspannhaft nüchtern ist noch selten ein Vorspann über die Anfangsbilder eines Spielfilms getickert. Die Bilder, über die die Schriftzeichen laufen, sind Dokumentaraufnahmen von Kämpfen und Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg, allerdings nachträglich mit Kriegskampfkrach und Kriegsfeuerlärm synchronisiert. Vom Dokumentarfilmkriegsfeuerlärm schneidet in einer Art trockenem Match Cut Koji Wakamatsu dann hinüber ins Spielfilmbild. Man sieht: eine Vergewaltigung hinter mit billigem Digitaleffekt in die Bilder kopiertem Feuer. Der Effekt und das Geschehen gehen eine Verbindung ein, aber sie ist sichtlich künstlich. In diesem extrem sachlich dissoziierten Dokumentarbild-Spielfilmübergang setzt Koji Wakamatsu die Parameter, an die er sich fortan konsequent hält.
Der billige Digitaleffekt ist Absicht, wie der alles andere als slicke Digitalvideolook des Films überhaupt. Kein ästhetisches Jota geht Wakamatsu über das hinaus, was er für seinen Film braucht. Mit Historienfilmen, die Geschehenes für ihr ... mehr lesen
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16. februar 2010, caterpillar, japan, koji wakamatsu, sex, wettbewerb 2010
In der Krabbenhölle: 'Kanikosen' von Hiroyuki Tanaka aka Sabu (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 14:30
Eine Klappe öffnet sich, ein Mann schaut heraus, blickt nach oben. Der Himmel verdunkelt sich. Dunkle Wolken mit Greifzangen an beiden Seiten fliegen auf ihn zu. Er schließt den Verschlag wieder. Mit diesem Mini-Prolog beginnt "Kanikosen", der neue Film des japanischen Regisseurs Hiroyuki Tanaka. Hiroyuki Tanaka aka Sabu, der bis Anfang des Jahrzehnts in schneller Folge eine Serie kleiner, kreativer Genrefilme vorgelegt hatte und durch sie mindestens zum Geheimtipp unter den jungen japanischen Regisseuren avanciert war, hatte vor diesem Film eine kreative Pause eingelegt. Nun ist er zurück, mit einem ziemlich sonderbaren Film.
"Kanikosen" basiert auf dem gleichnamigen Roman des marxistischen Autors Takiji Kobayashis aus dem Jahr 1929. Kobayashis Aufruf zur Revolution hat in seinem Heimatland eine vielschichtige Rezeptionsgeschichte, wurde 1953 schon einmal verfilmt, 2006 als Manga adaptiert und machte, wie Mark Shilling in ... mehr lesen
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12. februar 2010, forum 2010, hiroyuki tanaka, japan, kanikosen, kommunismus, revolution, sabu
Home movies aus Nordkorea: 'Sona, the Other Myself' von Yang Yong-hi (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 12:02
Vor vier Jahren präsentierte das Forum "Dear Pyongjang" (hier mehr in einem pdf-Dokument), einen kleinen Dokumentarfilm über einen Besuch der Regisseurin Yang Yong-hi und ihrer exilkoreanischen Familie bei der Verwandtschaft in Nordkorea. Eindrucksvolle Bilder aus einer im Allgemeinen hermetisch abgeriegelten Welt, aber auch die tragische Familiengeschichte, die hinter diesen Bildern zum Vorschein kam, machten den Film zu einem der stärksten seines Berlinalejahrgangs.
"Sona, the Other Myself", der zweite Film Yang Yong-his, ist dieses Jahr im Programm; leider kann er Dear Pyongjang nicht allzu viel hinzufügen. Die interessantesten Elemente des Films wirken wie ein Nachhall des ersten Films: Wieder sind das zunächst einfach nur die Bilder aus Nordkorea. Nordkorea findet ins mediale Bildregister ansonsten nur Einlass über Militärparaden, die von Kim Jong-il abgenommen werden. Angesichts der bizarren, deswegen aber noch lange nicht unrealistischen Horrorgeschichten, die über dieses fast ... mehr lesen
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Shimazu-Videos
Von Anja Seeliger, 12.02.2010, 09:35
Bei Youtube gibt's zwei Ausschnitte aus Shimazu-Filmen. Der erste, aus "The Trio's Engagement", ist nicht untertitelt. Man guckt trotzdem fasziniert zu, weil der Boss - es scheint um ein Einstellungsgespräch zu gehen - ausgiebig an seinem Adolphe-Menjou-Bärtchen zupft. Die Männer tragen alle westliche - und sehr schick taillierte - Anzüge.
Das zweite Video ist ein Ausschnitt aus Shimazus "Our Neighbor, Miss Yae". Mit englischen Untertiteln! Es gibt einen wunderbaren Moment, in dem zwei junge Frauen sich zurückziehen und reden, wie junge Frauen beim Umkleiden eben reden - "Du hast hübsche Brüste" - während der Held sich nebenan mit etwas Nudelartigem vollstopft. Als eine von ihnen ins Wohnzimmer zurückkommt, versteht sie überhaupt nicht, worüber er sich beschwert: "Wir sind beide Mädchen, kein Grund, sich zu genieren ... Sei ... mehr lesen
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Momente der Freiheit: Drei Filme von Yasujiro Shimazu (Forum)
Von Lukas Foerster, 12.02.2010, 09:02
Ein Mann in seinem Appartment, vor einem Fenster, durch das man weit in die Stadt blicken kann. Ein Blick nach draußen; ein Zug fährt von rechts nach links durchs Bild. Ein zweiter Blick; ein zweiter Zug, diesmal von links nach rechts. Ein dritter Blick; ein dritter Zug, jetzt wieder von rechts nach links. Ein vierter Blick; diesmal zwei Züge, einer von rechts, einer von links. Mit einer spielerisch kontemplativen Situation, in die sich unter die Züge noch ein Frauenbademantel mischt, beginnt "The Trio's Engagement", einer von drei Filmen des japanischen Regisseurs Yasujiro Shimazu, die das Forum dieses Jahr in einem Spezialprogramm präsentiert. Die Szene ist zweideutig: Auf die falsche Fährte führt sie, weil das, was folgt, kein ruhiges Familiendrama mit antidramatischen pillow shots ist, wie man es von Shimazus eisenbahnversessenem Zeitgenossen Yasujiro Ozu kennt, sondern eine schwungvolle romantische Komödie. Auf die richtige Fährte führt sie, weil ... mehr lesen








