Bücherschau der Woche

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Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

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Außer Atem: Das Berlinaleblog

Entropie des Firlefanz: Wong Kar-Wais 'The Grandmaster'

Von Thomas Groh, 07.02.2013, 14:53

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Bruce Lee war der große Pragmatiker und Eklektiker des Kung-Fu: "Sei Wasser", war sein Leitspruch - nicht die Verbundenheit zu einer bestimmten Schule, sondern die Situation beherrschte seinen Kampfstil: Gut ist, was praktisch ist, Stiltreue nur soweit von Belang, wie sie im Moment weiterhilft. Einen ganz ähnlichen Pragmatismus hört man zu Beginn von "The Grandmaster", dem Berlinale-Eröffnungsfilm von Jury-Präsident Wong Kar-Wai, der darin Schlaglichter auf das Leben von Ip Man (Tony Leung), Bruce Lees Lehrmeister, wirft: Im Grunde läuft bei Kung-Fu alles auf zwei Begriffe hinaus - horizontal und vertikal. Einer steht, einer liegt am Boden.

Dass Wong Kar-Wai sich diesen Pragmatismus zu Herzen nimmt, wäre zu wünschen gewesen. Doch aufs Minimale und Praktische lässt Wong Kar-Wai sich (nicht, dass es zu erwarten gewesen wäre) von vornherein nicht ein: Er schlägt Schneisen in die chinesische Geschichte, die oft ... mehr lesen



Stichwörter: china, hongkong, wettbewerb 2013, wong kar-wai

Verbindet Ökonomie und Action: Dante Lams 'The Stool Pigeon'

Von Thomas Groh, 18.02.2011, 10:05

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Die Schulden des frisch aus dem Knast entlassenen Ghost Jr. (Nicholas Tse) belaufen sich auf rund 800.000 Dollar. Bis er die, was unwahrscheinlich ist, zusammenkriegt, bleibt seine Schwester in den Händen von Zuhältern. 780.000 Dollar kostet ein kleiner Ohrring in einem Edel-Schmuckladen, der bis unter die Decke vollgepackt ist mit solchem und teureren Schmuck. Der Juwelier soll ausgeraubt werden - Ghost Jr. ist da nur eines von vielen Rädchen im Getriebe. Zugleich ist Ghost Jr. Spitzel für die Polizei - wenn alles glatt läuft und am Ende seiner Tätigkeit eine Verhaftung steht, erhält er eine Million Dollar.

Mit viel Sorgfalt fächert Dante Lam ein ökonomisches Geflecht aus - und stellt dabei stets die Wertfrage: Was ist ein Menschenleben wert - auf der Straße, auf dem Strich, im Knast? Vom Edeljuwelier bis zur verlausten Kleinstwohnung, von Konsumtempelbewohnern bis zum ... mehr lesen



Stichwörter: china, dante lam, forum 2011, hongkong, the stool pigeon

Passport!

Von Anja Seeliger, 15.02.2010, 19:50

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Rein publikumsmäßig gesehen ist die Berlinale auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Saal 8 im Cubix-Kino am Alexanderplatz ist fast ausverkauft, nur in den ersten zwei Reihen bleiben ein paar Plätze frei. Gezeigt wird ein russischer Film, und die russische Community ist gut sichtbar vertreten: viele pelzgefütterte Ledermäntel, in der Luft hängt mehr als nur ein Hauch Chanel. Anna Fenchenkos Film "Missing Man" ist ein sehr ruhiger Film über einen russischen Webdesigner - man sieht ihn in einer Szene kurz vor zwei großen Apple-Bildschirmen sitzen - der plötzlich aus seinem Leben gestoßen wird. Das Mietshaus, in dem er wohnt, wird abgerissen, seine Schwester verschwindet spurlos und seine Sachen ebenfalls. Er soll in eine andere Stadt ziehen und sich dort in der Behörde melden.

Kurze Zeit später ist der Mann, dessen Namen man erst fast am Ende des ... mehr lesen



Stichwörter: anna fenchenko, china, debra granik, forum 2010, missing man, ozarks, panorama 2010, russland, usa, zhang yimou

Postmodernisiert: Zhang Yimous 'A Woman, a Gun and a Noodle Shop'

Von Lukas Foerster, 14.02.2010, 16:17

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Das Titelbild ist altmodisch. Dann drei Schüsse und durch drei Risse im Bild dringen Lichtstrahlen. Mehrmals wird der Film dieses Motiv spiegeln: die Risse in einer zerbrechlichen Oberfläche, durch die Licht eindringt. Am Anfang kommt hinter dem Riss die Welt zum Vorschein. Oder das, was der neue Film von Zhang Yimou als die Welt ausgibt. Farbenfroh ist sie und völlig artifiziell. Rot-weiß gestreifte, pittoresk zerklüftete Hügellandschaften, über die bald schwarze Soldaten mit blauen Fahnen geritten kommen werden. Doch zunächst macht die Welt, die durch den Riss in der Oberfläche bricht, Krawall. Wir sind im Nudelrestaurant, das Wang gemeinsam mit seiner deutlich jüngeren Frau betreibt. Jetzt werden erst einmal Pistolen und Kanonen eingeführt. Zumindest in diesem einsamen, hinterwäldlerischen Fleckchen Erde (wer soll hier eigentlich ein Nudelrestaurant frequentieren? Uninteressant, nächste Frage) sind Schusswaffen noch unbekannt. Das Personal des Restaurants, insbesondere ... mehr lesen



Stichwörter: a woman, a gun and a noodle shop, blood simple, china, joel und ethan coen, pulp, wettbewerb 2010, zhang yimou

Essen, Singen, Scheiden, Regen: Wang Quan'ans 'Eröffnungsfilm 'Tuan Yuan' (Wettbewerb)

Von Thomas Groh, 11.02.2010, 21:00

Eine pikante Situation: 50 Jahre nach der Trennung von China und Taiwan, die zahllose Familien zerriss, kehrt der einstige Soldat Liu zu seiner Ex-Frau Yu-E aus dem taiwanesischen Exil zurück. Seine taiwanesische Frau ist vor kurzem gestorben, Yu-E wiederum ist mittlerweile Großmutter einer ansehnlichen chinesischen Familie. Was als Wiedersehen beginnt, scheint bald eine Zerreißprobe in Aussicht zu stellen: Liu ist entschlossen, Yu-E nach Taiwan mitzunehmen.

Dass Wang Quan'an die Geschichte seines Berlinale-Eröffnungsfilms "Tuan Yuan" nicht als Drama erzählt, sondern als mit lakonischem Humor durchzogene Alltagsgroteske, gehört zur größten Überraschung. Die für kurze Zeit als "Ehe zu dritt" laufende Konstellation funktioniert nicht als Melodram unvereinbarer, biografisch bedingter Ansprüche, sondern als hinnehmendes Sich-Einrichten, ohnedies ist Yu-E, ob beim Kochen, sich Artikulieren oder für zukünftigen Ehepartner Entscheiden, eher quasi-existenzialistische Beobachterin ihres Daseins. Ihr chinesischer Ehemann etwa ist mit fast schon verwirrendem Enthusiasmus dabei, seine Großfamilie der Auflösung zu überantworten.
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Stichwörter: china, taiwan, tuan yuan, wettbewerb 2010