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Schiere Erstreckung: Constantin Popescus 'Portrait of the Fighter as a Young Man'

Von Ekkehard Knörer, 13.02.2010, 09:00

Ein Historienfilm in den Bergen, in den Wäldern, in Dörfern, im Gras, in den Feldern. Rumänien im Nachkrieg. Darum, dass dieser Nachkrieg nicht enden darf, dass eine Fahne hochzuhalten ist gegen das neue kommunistische Regime, darum geht es dem Fähnlein der bis an die Zähne bewaffneten Aufrechten, die den Guerillakampf in den Bergen bis zum letzten Tropfen ihres eigenen Bluts kämpfen. "Portrait of the Fighter as a Young Man", das Langfilm-Debüt des Regisseurs Constantin Popescu, beruht auf historischen Tatsachen. Die Guerilla-Truppen, von denen er erzählt, gab es tatsächlich und den Helden, dem der Film gewidmet ist, Ion Gavrila-Ogoranu, Anführer einer zusehends dezimierten Kämpfergruppe, gab es auch. Als seine Geschichte stellt sich der Film im Nachhinein dar, weil er nämlich als einziger bis ins Jahr 1976 (!) durchhielt.

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Die Konzentration auf diese Figur ist jedoch eine perspektivische Täuschung, die sich einzig vom Ende her einstellt. Die wahre und eigentliche Pointe des Films ist das Gegenteil einer Pointe, also einer Zuspitzung auf eine These, einen Punkt, die Pointe ist nämlich, dass Popescu die Konzentration auf dramaturgische wichtige Momente gerade vermeidet. (Wenngleich nicht ganz kompromisslos genug). Die Pointe des Films ist die schiere Erstreckung, die Dauer, die Wiederholung und die damit verbundene Entleerung eines Heroismus, der sich bald schon aus nichts anderem mehr nährt als seiner eigenen Geschichte und Dauer: Es muss weitergehen, weil man nicht aufgeben darf. Man darf nicht aufgeben, weil es weitergehen muss. Die rumänische Nachkriegsgeschichte wird so zum Niemandsland. Die historische Zeitform transformiert sich in der Bewegung des Films in eine Zeit der Wiederholung, der immerselben Vorgänge, des Schleichens, Sammelns, Fliehens, Verfolgens, das zwar eifrig immer weiter datiert wird, aber doch  längst außerhalb jener Kontexte stattfindet, die ein beliebiges Geschehen zu Geschichte sedimentieren.

Einerseits betrachtet Popescu, Autor auch des Drehbuchs, das Geschehen dabei merklich aus der Position der antikommunistischen Rechten. Er verschweigt, was man ihm mit dem Blick des Historikers vorwerfen kann, die faschistoid-antisemitischen Hintergründe vieler der Figuren, die hier - wie sinnlos auch immer - heroisch erscheinen. Zugleich porträtiert er in zunächst häufig, dann immer seltener eingeschobenen Vignetten die kommunistischen Verfolger der Guerilla-Kämpfer als ultrabrutale, entmenschte Barbaren. Andererseits zeigt sich: Entmenscht, wenngleich auf andere Art, sind die Verfolgten durchaus auch. In zwei, drei Gesprächen versucht sich Popescu - und das gehört zu den Schwächen des Films - in Sinngebung des sinnlosen Kampfs.

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Insgesamt aber löst er die Geschichte des Widerstandskampfs gegen den Kommunismus konsequent in eine interessante Form von Fast-Nichts-Mehr auf. Er entwindet seine Protagonisten der Geschichte, in deren Kontext sie als rechte Helden stürben, fielen, dastünden. Was bleibt, ist ein leerer Heroismus, ein Stehenbleiben, Weiterrennen, für das Popescu überzeugende Bilder (mit sehr viel Handkamera in den Feldern und  Wäldern) findet. Bilder, die oft leichthin gefilmt scheinen, vielleicht von Steven Soderberghs "Che" inspiriert und ganz das Gegenteil sind des typischen - auch typisch deutschen - Historienfilms aus möglichst genau nachgebauten Attrappen von Gebäuden, Dialogen, Figuren.

Constantin Popescu: Portretul luptatorului la tinerete - Portrait of the Fighter as a Young Man. Mit Constantin Ditá, Alin Mihalache und anderen. Rumänien 2010, 163 Minuten (Vorführungen)




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