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Schwule Priester in Not: Malgoska Szumowskas 'In the Name of' (Wettbewerb)

Von Thekla Dannenberg, 08.02.2013, 16:30

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Wie die Faust aufs Auge passt Małgośka Szumowskas Film "In the Name of" in die Kämpfe, die Europa gerade mit der katholischen Kirche ausficht, um Kindern Wiedergutmachung zukommen zu lassen, die in kirchlichen Einrichtungen missbraucht und misshandelt wurden. Von Irland bis Polen ist der katholische Priester, der weder mit seiner Machtstellung noch mit seiner Sexualität klarkommt, zum paneuropäischen Schreckensbild geworden. Szumowska erzählt in ihrem so feinsinnigen wie kraftvollen Film von einem solchen Mann, und sagen wir es so: Noch nie hat man einem katholischen Priester so sehr den Sex mit einem Schutzbefohlenen gegönnt!

Adam kommt in ein polnisches Provinzkaff. Wie so viele strafversetzte Priester gehört er eher zu der modernen, weltoffenen Fraktion. Und da die Ödnis in dieser sehr maskulinen und etwas verrohte Gegend so frappant ist, wird Adam bald für den ganzen Ort zum wichtigsten Anlaufpunkt. Er baut ein Zentrum für Jungen auf, spielt Fußball und kommt in die Kneipe zum Tanzen. Natürlich interessiert sich auch gleich die gelangweilte Frau seines Mitarbeiters für ihn, doch Adam will von Ewa nichts wissen. Denn Adam begehrt Lukasz, den Sohn einfacher Bauern, der sich durch seine Hilfsbereitschaft und Fürsorglichkeit gegenüber seinem behinderten Bruder vom Rest der Jungen abhebt. Nach einigen zarten Blicken und liebevollen Gesten schlagen sich die beiden in einer hinreißenden Szene in ein Maisfeld, locken, werben und suchen sich, doch werden sie sich nicht finden, die Lust schlägt in Selbstanklage um.

Problematisch werden die Dinge, als sich auch unter den Jungen amouröse Verwicklungen ergeben, und Adam keinen Weg findet, damit umzugehen. Einem Junge, der sich ihm, verwirrt über seine zutage tretende Homosexualität offenbart, kann er nichts Besseres raten als zu joggen. Den eigenen Körper unter Kontrolle zu halten versuchen. Als er ihn und seinen Freund in flagranti erwischt, eskalieren die Dinge, oder vielmehr nimmt der unterschwellige Druck zu, denn zur Sprache gebracht wird nichts. Adam gerät in Verdacht, in Verruf und Verzweiflung. Es sind Szenen echten Rock'n'Rolls, wenn Adam (wunderbar gespielt von Andrzej Chyra) sturzbetrunken seine Schwester in Toronto via Skype anschreit: "Ich bin kein Pädophiler, ich bin eine Schwuchtel!" Oder wenn er mit der Flasche Wodka und dem Bild des Papstes durch seine Wohnung tanzt.

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Mit ihrer Frauengeschichte "Elle" ist Szumowska im vorigen Jahr auf der Berlinale weithin durchgefallen. Mit "In the Name of" zeigt sie eine reine Männerwelt und das gelingt ihr weitaus besser. Voller Symathie erzählt sie diese Geschichte eines Mannes, der vor seiner Homosexualität in die Kirche flieht und auch andere in die Kirche treiben wird, und wirft dabei einen ganz eigenen Blick auf ein Land, indem die Macht der Kirche so eklatant ist wie die Schwulenfeindlichkeit. Das Tolle an dem Film ist, dass sich die katholische Kirche über die einfühlsame Sicht auf schwule Priester so wenig freuen wird wie ihre Ankläger.

Thekla Dannenberg

"W imię..." (In the Name of). Regie: Małgośka Szumowska. Mit Andrzej Chyra, Mateusz Kosciukiewicz, Maja Ostaszewska und anderen. Polen 2012, 102 Minuten. (Alle Vorführtermine)





Stichwörter: homosexualität, in the name of, katholische kirche, malgoska szumowska, polen, schwule priester, w imie, wettbewerb 2013

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