Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 25.05.2012, 14.00 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Wolfgang Neuss

Hans Otto Wolfgang Neuss wurde 1923 als Sohn eines ehemaligen Fliegeroffiziers in Breslau geboren. Nach der Volksschule absolvierte er eine Lehre als Schlachter, mit 15 Jahren ging er nach Berlin, um Clown zu werden, landete dort jedoch in einer Anstalt für verwahrloste Jugendliche. 1940 wurde er an die Ostfront geschickt, wo er mehrfach verwundet wurde. Neuss schoss sich schließlich einen Finger ab, um wieder ins Lazarett zu kommen. Er floh nach Kopenhagen und erlebte das Ende des Krieges in einem Internierungslager in Flensburg. Danach tourte Neuss mit einem Kabarettprogramm durch Deutschland, das ihm 1946 eine Haftstrafe der britischen Besatzungsmacht einbrachte. 1949 traf Neuss Wolfgang Müller, mit dem er seitdem als Duo "Die zwei Wolfgangs" auftrat. In Berlin traten die beiden im Kabarett "Die Bonbonniere" auf. Dort hatte Neuss auch seinen legendären Soloauftritt als "Der Mann mit der Pauke", der zu seinem Markenzeichen wurde. Ab 1952 traten Neuss und Müller bei den "Stachelschweinen" auf. Theater, Radio-Kabarett und Filmrollen folgten.
Der bekannteste Film von Neuss ist "Wir Kellerkinder" von 1960, die Geschichte eines HJ-Trommlers, der in seinem Keller zuerst einen Kommunisten vor den Nazis und später seinen Vater vor der Entnazifizierung versteckt. Das kam in den Wirtschaftswunderjahren nicht so gut an. In diesem Jahr kam Wolfgang Müller bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Neuss machte allein weiter. 1962 veröffentlichte er in einer Zeitungsanzeige den - erratenen - Namen des Täters in einem Fernsehkrimi von Durbridge. Die Bild-Zeitung nannte ihn daraufhin einen "Verräter der Nation". Danach wurde es ruhiger, auch der Erfolg nahm ab. 1969 ging Neuss nach Chile, später lebte er in einer kleinen Wohnung in Charlottenburg. In den 80ern erlebte er ein Comeback. Unvergessen sein Auftritt in einer Fernsehshow, bei der er - langhaarig und fast zahnlos - Richard von Weizsäcker mit den Worten "Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen" begrüßte. Neuss war für seinen exzessiven Cannabis-Konsum bekannt. Wolfgang Neuss starb 1989 in Berlin.

Bücher von Wolfgang Neuss

Neuss, Wolfgang: Drei Reisen ins Leben. Das Interview von Thomas Hackenberg. 1 CD

Cover: Drei Reisen ins Leben

Delta Music, 2007, ISBN 3865387993, CD, 14,90 EUR

1 CD, Laufzeit ca. 40 Minuten. Als der junge Thomas Hackenberg - Ende der 80er Jahre noch ein ziemlicher Grünschnabel - im Auftrag eines Senders Wolfgang Neuss in seiner Bude in Berlin besuchte, wollte er eigentlich nur einen kurzen O-Ton zum Thema "Reisen" von ihm einholen. Was dann geschah, war eine Art Ur-Erfahrung - Wolfgang Neuss ... mehr lesen
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Archiv: Buchautoren

Archiv: Bücherschauen

Ungesetzliche Liaison

25.05.2012: Die FAZ taucht mitgenommen aus Stefan Merrill Blocks Roman über seinen bipolaren Großvater auf und verliebt sich mit Peter Goldsworthys 15-jährigen Helden in eine Lateinlehrerin. Die SZ findet die erstaunlichsten Querverbindungen in Marcel Beyers Reisebeschreibungen, Gedichten und ornithologischen Recherchen. Und sie stellt fest: Wer heute über Plagiat und Urheberrecht reden will, muss Philipp Theisohn lesen. Mehr lesen

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Archiv: Kolumnen

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23.01.2007: Eine Debatte über schwarze Löcher und weiße Zwerge, ein Politkrimi von Ulrike Sommer, der Hinduismus des Mahatma Gandhi, Elena Ferrantes radikaler Roman über die kalte Gewalt einer verlassenen Frau, Michael Kittners Geschichte des Arbeitskampfs.
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08.01.2007: Er bewundert einen prächtigen Bildband über Indien, empfiehlt Alain de Libera und Al-Farabi als Impfung gegen christlichen Hochmut gegenüber dem Gott der Muslime, bewundert einen prachtvoll gewachsenen Krieger, jagt Gespenster mit einem echten Aufklärer und erliegt der Schönheit von George Steiners Melancholie. Mehr lesen