Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 24.05.2012, 14.09 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Ossip Mandelstam

Ossip Mandelstam wurde 1891 in Warschau in eine jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Sein Vater war Lederhändler, seine Mutter Klavierlehrerin. Seine Kindheit und Jugend verlebte Mandelstam in Pawlowsk und St. Petersburg. Dort besuchte er das fortschrittliche Tenischew-Gymnasium, wo auch Vladimir Nabokov zur Schule ging. Danach reiste er nach Paris (1907-08) und Deutschland (1908-10), wo er von zwei Jahre Französische Literatur studierte. Von 1911-17 studierte er Philosophie an der Universität von Petersburg. In dieser Zeit gehörte Mandelstam zur Dichtergruppe der Akmeisten um Nikolaj Gumiljow und Anna Achmatowa. Bekannt wurde er durch seine Gedichtbände "Der Stein" (1913/1916) und "Tristia" (1922). In dem autobiografischen Prosaband "Das Rauschen der Zeit" (1925) schuf er ein atmosphärisches Porträt des vor-revolutionären Russland, seiner "kränklichen Ruhe" vor dem großen Sturm. Es war eine Erinnerung an seine Kindheit und Jugend voller Gerüche und Geräusche.
Die Februarrevolution 1917 begrüßte Mandelstam noch, dem Oktoberumsturz der Bolschewiken stand er jedoch kritisch gegenüber. Die Konflikte mit seiner Epoche verarbeitete er in einer Reihe berühmter Gedichte: "Meine Zeit, mein Tier", "Der Hufeisenfinder", "Der 1. Januar 1924", "Niemands Zeitgenosse". 1922 heiratete Mandelstam Nadeschda Khazin. In den zwanziger Jahren schrieb er Kinderbücher, übersetzte Werke von Upton Sinclair, Jules Romains, Charles de Coster und anderen und schrieb Prosa. 1930 reiste er nach Armenien und unternahm als Journalist weitere Reisen in den Süden, um sich einflussreichen Gegnern zu entziehen, die ihm misstrauten. Im Jahr 1928 können noch einmal Bücher von Mandelstam erscheinen: der Band "Gedichte", die Essaysammlung "Über Poesie" und eine kühn-bizarre Prosa unter dem Titel "Die ägyptische Briefmarke". Im Jahr 1930 unternahm er eine mehrmonatige Reise in den Kaukasus, nach Georgien und Armenien, und fand dort seine Stimme als Lyriker wieder. "Die Reise nach Armenien" erschien 1933 in einer Zeitschrift und entfachte einen politischen Skandal. Im selben Jahr schrieb Mandelstam ein folgenreiches Gedicht gegen Stalin: "Seine Finger sind dick und, wie Würmer, so fett, / Und Zentnergewichte wiegts Wort, das er fällt, / Sein Schnauzbart lacht Fühler von Schaben, / Der Stiefelschaft glänzt so erhaben".
Im Mai 1934 wurde Mandelstam verhaftet und zunächst nach Tscherdyn (Ural), dann nach Woronesch verbannt. Dort entstanden seine letzten Gedichte: "Die Woronescher Hefte". Am 2. Mai 1938 wurde er erneut verhaftet und zu fünf Jahren Arbeitslager in Sibirien veurteilt. Ossip Mandelstam starb am 27. Dezember 1938 in einem Transitlager für Zwangsarbeiter bei Wladiwostok.
Seine Frau Nadeschda überlebte wie durch ein Wunder die Stalin-Epoche. Sie lernte Mandelstams Gedichte auswendig und ließ das Werk nach Amerika schmuggeln, wo es in den sechziger Jahren zu einer ersten Ausgabe kam. Das Archiv wird noch heute an der Princeton University (New Jersey) verwahrt. Die Memoiren Nadeschda Mandelstams - auf Deutsch 1971 unter dem Titel "Das Jahrhundert der Wölfe" erschienen - trugen entscheidend zur weltweiten Entdeckung Mandelstams bei.

Bücher von Ossip Mandelstam

Mandelstam, Ossip: Du bist mein Moskau und mein Rom und mein kleiner David. Gesammelte Briefe 1907 ? 1938

Cover: Du bist mein Moskau und mein Rom und mein kleiner David

Ammann Verlag, Zürich 1999, ISBN 3250104108, gebunden, 491 Seiten, 34,77 EUR

Der Band enthält über zweihundert Briefe des russisch-jüdischen Dichters Ossip Mandelstams. Er beginnt mit einer Karte des nach Paris reisenden Studenten Mandelstam und endet mit dem letzten, auf einen Zettel gekritzelten Schreiben des Lagerhäftlings aus dem Transitlager bei Wladiwostok. Neben Zeugnissen der Verfolgung und des Widerstandes gibt ... mehr lesen
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Mandelstam, Ossip: Ossip Mandelstam: Das Gesamtwerk. 10 Bände in Kassette

Cover: Ossip Mandelstam: Das Gesamtwerk

Ammann Verlag, Zürich 2000, ISBN 3250104191, Gebunden, 3224 Seiten, 199,00 EUR

Herausgegeben und aus dem Russischen übersetzt von Ralph Dutli. (Auch in Einzelbänden lieferbar). ... mehr lesen
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Mandelstam, Ossip: Die beiden Trams. Kinder- und Scherzgedichte. Epigramme auf Zeitgenossen 1911-1937

Cover: Die beiden Trams

Ammann Verlag, Zürich 2000, ISBN 3250104183, Gebunden, 237 Seiten, 29,65 EUR

Aus dem Russischen und herausgegeben von Ralph Dutli. In diesem Band soll Raum sein für einen "anderen" Mandelstam. Ausgelassener Humor, durchtriebene Ironie, ein poetischer Spieltrieb ? all dies kennzeichnet den großen Lyriker nicht weniger als die unzweifelhaft tragischen Umstände seines Lebens in der finsteren Stalin-Epoche. Mandelstams Scherzgedichte ... mehr lesen
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