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Essay
Boykottiert Durban 3!
Von Nasrin Amirsedghi, Alex Feuerherdt, Thomas von der Osten-Sacken, Benjamin Weinthal
22.08.2011. Aktualisierung vom 4. September: Deutschland boykottiert Durban 3. Auf der Durban-Konferenz kurz vor dem 11. September 2001 wurde Israel im Namen des Antirassismus für alle Übel der Welt verantwortlich gemacht. Die UNO droht zum Jahrestag mit einer neuen Durban-Konferenz - unweit von Ground Zero. Demokratische Länder sollten sie boykottieren.
Aktualisierung vom 4. September: Deutschland boykottiert Durban 3, mehr hier. (D.Red.)
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Es gibt Ereignisse, die man nicht einmal mehr als Farce bezeichnen kann. Im September dieses Jahres laden die Vereinten Nationen zu einer "Durban 3" genannten Folgekonferenz gegen "Rassismus und Xenophobie" nach New York ein. Zur Erinnerung: Was 2001 im südafrikanischen Durban begann, geriet binnen weniger Stunden zu einer grotesken Veranstaltung, bei dem Diktatoren verschiedenster Couleur Israel die Schuld an allem Übel dieser Welt gaben. Das Spektrum reichte dabei von der offenen Leugnung des Holocaust bis zur Diffamierung des jüdischen Staates als "Apartheidregime". Der französische Romancier und Essayist Pascal Bruckner resümierte damals im Perlentaucher: "Man verdammte den Zionismus als gegenwärtige Form des Nazismus und der Apartheid, aber auch den 'weißen Furor', der 'mit dem Menschenhandel, der Sklaverei und dem Kolonialismus in Afrika einen Holocaust nach dem anderen verursacht hat'. Israel sollte verschwinden, seine Politiker sollten vor einem international Strafgericht ähnlich dem von Nürnberg verurteilt werden. Antisemitische Karikaturen machten die Runde, Exemplare von 'Mein Kampf' und der 'Protokolle der Weisen von Zion' wurden herumgereicht: Unter einem Foto Hitlers hieß es, dass Israel niemals existiert hätte und die Palästinenser ihr Blut nicht hätten vergießen müssen, wenn er gesiegt hätte. Einige Delegierte wurden physisch bedroht, man rief 'Tod den Juden'."
Da blieb selbstverständlich keine Zeit, über Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in anderen Ländern zu sprechen; im Gegenteil wurde der Eindruck vermittelt, der jüdische Staat sei die schlimmste Ausgeburt des Rassismus und das eigentliche Grundübel der Welt. Kurz nach dem Ende dieser bizarren Veranstaltung kam es zu den Attentaten vom 11. September. Dennoch veranstaltete die UNO im April 2009 eine Durban-Folgekonferenz in Genf, die ähnlich schmachvoll verlief und von zahlreichen demokratischen Staaten boykottiert wurde. Der Tiefpunkt dieser Veranstaltung war zweifellos die mit antisemitischen Tiraden gegen Israel gespickte Rede des iranischen Präsidenten und notorischen Holocaustleugners Mahmud Ahmadinejad. Längst ist der Antirassismus in der UNO zur Ideologie der Diktaturen, Despotien und totalitären Bewegungen geworden, die ihn für ihre Zwecke benutzen. Eine Neue Inquisition etabliert sich, die insbesondere den Begriff der "Verunglimpfung der Religion" hochhält, um jede Regung des Zweifels, vor allem in islamischen Ländern, als "rassistisch" zu brandmarken und zu unterdrücken.
Zehn Jahre nach 9/11 und ausgerechnet in Sichtweite von Ground Zero soll nun eine weitere Durban-Folgekonferenz stattfinden. Und als wäre das nicht schon symbolträchtig genug, hat erneut Mahmud Ahmedinejad sein Kommen angekündigt. Gelernt hat man bei den Vereinten Nationen aus der Geschichte der letzten zehn Jahre also nichts. Andernorts wurde in der Zwischenzeit Geschichte gemacht: auf den Straßen von Teheran, Kairo, Tunis und auch Damaskus. Überall standen (und stehen) im Nahen Osten Millionen von Menschen gegen Diktatur und Unfreiheit auf. In Syrien unterdrückt ein Regime, das sich auf den Durban-Konferenzen besonders hervortat, mit unbeschreiblicher Brutalität die dortige Protestbewegung. Das wird in New York allerdings niemanden davon abhalten, den Vertretern Syriens eine Bühne zu bieten, auf der sie gegen Israel hetzen und die angeblich grassierende "Islamophobie" zum "neuen Antisemitismus" erklären werden, während gleichzeitig syrische Panzer Moscheen zerstören.
Erst kürzlich schrieb der syrische Journalist Faisal al-Qasim: "Es stimmt zwar, dass Israel ein Embargo gegen den Gazastreifen verhängt hat, aber ich glaube trotzdem nicht, dass die Israelis die Palästinenser an den Rand des Verhungerns bringen. Sie stellen auch nicht den Strom oder das Telefon in Wohnungen, Krankenhäusern und Schulen ab. Im Gegensatz dazu haben die Sicherheitskräfte in einigen arabischen Staaten Autos gestoppt, die Nahrungsmittel in verschiedene Gebiete bringen wollten."
All dies soll einmal mehr in Vergessenheit geraten, wenn die Vertreter von Diktaturen und Autokratien in New York aufs Neue das Heft des Handelns in ihre Hände nehmen werden, während sie gleichzeitig ungerührt ihre eigene Bevölkerung zusammenschießen lassen. Und statt von Anfang an deutlich zu machen, dass sie dieses Theater, das der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bitteren Hohn spricht, boykottieren werden, haben die meisten europäischen Staaten inklusive Deutschland - anders als beispielsweise Kanada, die USA und Israel sowie die Niederlande, Tschechien und Italien - bisher ihre Teilnehme zugesagt. Diese Uneinsichtigkeit zwingt uns dazu, einen Aufruf, den wir 2009 gemeinsam formuliert haben, nun noch einmal zu wiederholen: Boykottiert Durban 3!
Thomas von der Osten-Sacken*
Alex Feuerherdt*
Nasrin Amirsedghi*
Benjamin Weinthal
* Die AutorInnen haben 2008/2009 die Kampagne Boykottiert Durban II initiiert.
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