Bücherschau der Woche
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Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Von Lesern empfohlene Bücher

Petur Gunnarsson: punkt punkt komma strich

Moti Kfir, Ram Oren: Sylvia Rafael

Bücherbrief
Bücherbrief Dezember 05
Der Newsletter zu den interessantesten Büchern des Monats.
03.12.2005. Liebende im Sozialamt, eine Ukrainerin im Kanal, ein Haudrauf in Hochform und ein Klops auf dem Mond: In unserem Bücherbrief finden Sie die besten Bücher des vergangenen Monats.
Willkommen zu den besten Büchern des Monats! Sie wissen ja: Wenn Sie Ihre Bücher über den Perlentaucher bei buecher.de bestellen, ist das nicht nur bequem für Sie, sondern auch hilfreich für den Perlentaucher, der eine Provision bekommt.
Der Bücherbrief kommt auch per eMail, wenn Sie hier Ihre Adresse hinterlassen. Außerdem finden Sie weitere Anregungen hier in den Büchern der Saison, hier in der Auswertung der neuen Literaturbeilagen, hier in Arno Widmanns "Nachttisch" oder hier im vergangenen Bücherbrief.
Sex mit dem Sachbearbeiter
"Jeder Satz knallt und bumst und brennt." Endlich! In diesem an Newcomern so armen Bücherherbst ist Kirsten Fuchs' Romanerstling gleich doppelt willkommen, und so feiert die FAZ "Die Titanic und Herr Berg" überschwänglich (bestellen). Tanja hat beim Sozialamt Sex beantragt, Herr Berg ist ihr zuständiger Sachbearbeiter und natürlich landen beide miteinander im Bett. Der Roman ist auf schamlose und nette Weise obszön, prustet die SZ, drastisch und komisch zugleich. Die taz führt ihr Amüsement weniger auf die Geschichte als auf den "herrlich sprachmanschettenlosen" Stil zurück.
Koloniales Portugal
Bis in sechsstellige Gefilde hat es Miguel Sousa Tavares in Portugal mit seinem Roman über das humanitäre und wirtschaftliche Scheitern des portugiesischen Kolonialismus geschafft. Nicht ohne Grund: Mit journalistischer Präzision und "ungebrochener Erzählfreude", wie die FAZ anerkennend bemerkt, beschreibt der bekannte Reporter und Fernsehmoderator die historische Kulisse und Gesellschaft einer kleinen Insel-Kolonie in Afrika. Dort, "Am Äquator" (bestellen), versucht Luis Bernardo Tavares in einer "exuberanten" tropischen Landschaft gegen alle Widerstände, die Lage der schwarzen Plantagenarbeiter zu verbessern. Indem der Autor sich stilistisch am historischen Roman a la Alexandre Dumas orientiert, erfindet er zudem ganz nebenbei und mit hundertjähriger Verspätung das Genre des "afrikanischen Decadence-Romans".
Manifest der neuen Ukraine
Ljubko Deresch war unglaubliche 16 Jahre alt, als er "Kult" geschrieben hat. Umso mehr staunt die FAZ über diesen "irrwitzigen Mix aus literarischen und pokulturellen Versatzstücken", in der Hochkultur, Esoterik, Trash und Splatter mit "atemberaubender Kühnheit" zur Reaktion gebracht werden (bestellen). Der angehende Lehrer Jurko Banzai, der sich in der hintersten Ukraine mit einer Schülerin an diversen Drogen erfreut, wird auserkoren, die Welt vor den Mächten der Finsternis zu retten. Für die Zeit leuchtet dieses Manifest der neuen, westorientierten Generation in der Ukraine in der Nacht. Einzig die NZZ bleibt nüchtern und wundert sich zunächst über die befremdliche Belesenheit des Teenagers und Kultautors Deresch.
Haudrauf in Hochform
Für alle, die ihr Bücherregal effizient nutzen wollen: Martin Amis bietet in "Die Hauptsachen" (bestellen) gleich dreierlei: eine Auseinandersetzung mit den wichtigsten Erfahrungen in dem nicht gerade erfahrungsarmen Leben des britischen Starschriftstellers, eine "rasante" Reflexion über den Zustand des menschlichen Geistes sowie das "unendlich reizvolle" und zugleich universell anwendbare Porträt einer Vater-Sohn-Beziehung. Und das alles ist, versichert die FAZ, ist auch noch "glänzende Unterhaltung auf stilistisch höchstem Niveau". Noch Fragen? Nun gut: Amis, der taz bisher als "eitler Haudrauf" bekannt, wird hier sympathisch empfindsam, und die SZ ist jetzt noch geblendet von der "Brillanz jeder einzelnen Szene".
Grausamkeit mit Stil
Eine Empfehlung aus der von uns hier traditionell vernachlässigten Sparte des Kriminalromans: Eine alte Ukrainerin im Kanal, deutscher Adel mit dunkler Vergangenheit in Grunewald, ein Anwalt in Handschellen am Heizkörper. "Das Kindermädchen" (bestellen) von Elisabeth Herrmann wird vom Tagesspiegel als politischer Krimi mit hohem Unterhaltungswert gepriesen. "Wunderbar!" Und auf der Bestenliste von Welt, Arte und Nordwest-Radio steht Herrmann im Dezember ganz oben. Die Jury hat die in feinsten Kreisen angesiedelte "Grausamkeit mit Messerbänkchen" restlos überzeugt.
Minotaurus revisited
Für Borges waren alle Geschichten Variationen von vier Urgeschichten. Die griechischen Mythen sind Beispiele dieser Universalerzählungen und werden nun von einer internationalen Auswahl von Autoren neu erzählt. Im Berlinverlag sind die ersten Ergebnisse dieser Zusammenarbeit von 30 Verlagen aus der ganzen Welt erschienen, die die SZ ehrfurchtsvoll als "verlegerische Herkulestat" bezeichnet. Von Karen Armstrong gibt es zur Einführung "Eine kurze Geschichte des Mythos" (bestellen), Margaret Atwood hat sich in "Die Penelopiade" (bestellen) Odysseus und Penelope vorgenommen, Viktor Pelewin erzählt in "Der Schreckenshelm" (bestellen) den Mythos von Theseus und dem Minotaurus aus seiner Sicht, und Jeanette Winterson widmet sich in "Die Last der Welt" (bestellen) Atlas und Herkules.
Gesellschaftliches Totalversagen
Nicht gerade besinnlich, aber wichtig: Nach dem Mord an Theo van Gogh hat die niederländische Gesellschaft eine kollektive Panik vor dem Fremden erfasst. Geert Mak, der mit seinem hochgelobten Familienroman "Das Jahrhundert meines Vaters" (bestellen) vor zwei Jahren auch in Deutschland reüssierte, erzählt in einem schmalen Suhrkamp-Band (bestellen) nun das Versagen der Politiker in der öffentlichen Diskussion, die Suche nach Sündenböcken und das Heißlaufen der medialen Meinungsmaschinerie. Eine "glänzende" Streitschrift, jubelt die FAZ, ein "Manifest zum Menschheitsthema Xenophobie", das nicht and die Niederlande gebunden sei, sondern alle zwei, drei Wochen wieder irgendwo auf der Welt neue Gültigkeit erlangt.
Zum Mond und zurück
Das letzte "geradezu beflügelte" Werk von Friedrich Karl Waechter, der im September verstarb, ist nicht nur ein "wunderbares" Büchlein zum Verschenken, versichert die FAZ. Waechter hat mit "Vollmond" (bestellen) aus einem alten Kindervers eine "schöne, anmutige" Geschichte gemacht, die den Kindern, aber auch den Liebenden dieser Welt nicht vorenthalten werden sollte. Eine "spezifische Schwere" erhalten die Bilder, wenn man weiß, dass Waechter die Geschichte unmittelbar nach seiner zweiten Cortison-Behandlung gezeichnet und geschrieben hat. Das geht aus einer kurzen Notiz hervor, die der aktuellen Auflage beigelegt wird.
Vollendung
Ein prächtiges Präsent ist schließlich Richard Avedons letzter Bildband "Woman in the Mirror" (bestellen). Im Rückblick und "in Vollendung" verhandelt er hier noch einmal seine Lebensthemen Schönheit und Tod, meldet eine bildertrunkene FAZ. Und wenn Avedon wie in der Studie von Marilyn Monroe aus dem Jahr 1957 dem "Schauer des Lebens" auf der Spur ist, gibt es kein Halten mehr. "Abgründiger kann ein Porträt nicht sein."
Archiv: Bücherbrief
Dies pralle Leben
02.01.2012. Albrecht Selge flaniert durch Berlin. Christina Maria Landerl streift durch Wien. Josh Weil liebt seinen Deutz-Traktor. Mary Bauermeister experimentiert mit Karlheinz Stockhausen. Doug Saunders erkundet die Geburtsstätte der neuen Mittelschicht. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Januar. Mehr lesen
Dorfbrunnengespräch
09.12.2011. Inka Parei schickt uns in die Kältezentrale des Neuen Deutschlands. Jose Eduardo Agualusa präsentiert tropischen Barock aus Angola. Joseph Roth und Stefan Zweig sehen in ihren Briefen das Unheil heraufziehen. Nuran David Calis findet die Liebe in Bielefeld. Neil MacGregor öffnet eine Schatzkammer. Orlando Figes führt uns durch den Krimkrieg. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Dezembers. Mehr lesen
Sinnlos, aber bedeutungsvoll
09.10.2011. Sibylle Lewitscharoff tröstet Blumenberg mit einem Löwen. Josef Bierbichler übergibt einem Möchtegernkünstler eine Wirtschaft. Josef Haslinger erzählt vom Schicksal der tschechoslowakischen Eishockeymannschaft. Und Peter Englund erzählt vom Ersten Weltkrieg. Mehr lesen
Dessen Rot für keine Fahne taugt
07.09.2011. Reiche Ernte im Bücherland: Ein junger Autor, Leif Randt, hat mit "CobyCounty" nicht nur ein unterhaltsames, sondern auch eine leise unheimliches Buch geschrieben, versichern die Kritiker. Dann der monumentale neue Roman des ewigen Nobelpreiskandidaten: Ngugi wa Thiong'o. Der neue Götz Aly sorgt für Debatten. Und Anna Reid erinnert an die Blockade Leningrads. Dies alles und mehr in den besten Büchern des September. Mehr lesen
Begnadet böse Blicke
08.08.2011. Liao Yiwu erzählt unverschämt schamlose Geschichten aus dem Gefängnis, Elisabeth Filhol erzählt kühl vom Tscherenkow-Effekt, Annette Pehnt zeichnet ein fieses Porträt einer gutherzigen Studentin. Ralph Bollmann bewundert die Walküre in Detmold. Dies alles und mehr in den besten Büchern des August. Mehr lesen
VERGISS ALLES!
08.07.2011. Nihad Siris beobachtet den Führerkult in Syrien. Kathrin Schmidt macht Sprachspiele. William Gibson sucht einen Schneider. Adaobi Tricia Nwaubani erforscht die "419er -Szene". Adam Mansberg erschreckt seine Kinder mit Samuel L. Jackson. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Juli. Mehr lesen
Hundert Austern und vier Flaschen Vouvray
06.06.2011. Najem Wali erinnert an die vertriebenen Juden von Bagdad, Albert Ostermaier schildert eine katholische Erziehung, Ingeborg Bachmann schreibt eine Soap opera, Florian Klenk mischt sich unter die Flüchtlinge am Ende der Welt, Anke Muhlstein beobachtet Honore de Balzac beim Schlemmen - dies und mehr in den besten Büchern des Junis. Mehr lesen
Grundlegende Erinnerungsskepsis
13.05.2011. Zwei Jahre Knast im Irak, ein Prozess gegen den Vorsitzenden des Judenghettos von Lodz, sieben unheimliche Geschichten aus dem Museum, Reise in das Innere Afrikas und der USA, ein Blick auf den Ursprung der Schönheit und in die Ordnung des Periodensystems - man kommt rum mit den besten Büchern des Monats Mai. Mehr lesen
Man soff es aus Prinzip
04.03.2011. Eine eiskalte Künstlerin in Shanghai, swingende GIs und eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte in Island, ein Putschversuch in Spanien, eine unanständig kluge Frau, Texte zum Post-Autorenkino, eine Geschichte der Prohibition - dies alles und mehr in den Büchern des Monats März. Mehr lesen
Schule des Erzählens
07.02.2011. Esther Kinsky nimmt uns mit in den Banat, Georges-Arthur Goldschmidt liest Kafka, Milada Souckova führt uns in eine Schule des Erzählens, Edward Said bespricht Musik ohne Grenzen, Karen Duve isst anständig und Jan Wagner besingt eine Schnecke, Hamed Abdel-Samad prophezeit den Untergang der islamischen Welt. Dies alles und mehr in den besten Bücher des Monats Februar. Mehr lesen
So viel Erhellendes
10.01.2011. E. L. Doctorow erzählt die Geschichte der zwei berühmtesten amerikanischen Messies, Homer & Langley. Peter Esterhazy krachende Parodie auf den sozialistischen Produktionsroman von 1979 amüsiert die Rezensenten 30 Jahre später noch. Parsua Bashi schickt Briefe aus Teheran. Bei Ling schildert das Leben Liu Xiaobos, Bertrand M. Patenaude den Tod Trotzkis. Und Peter Watson feiert den deutschen Genius. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats. Mehr lesen
Memphis in Schwarzweiß
16.12.2010. Barbara Conrad übersetzt Tolstois "Krieg und Frieden" mit allen Ecken und Kanten. Mathias Enard schreibt eine Urgeschichte der Gewalt. Janet Frame hat Heimweh nach Neuseeland. Ein unsichtbares Komitee verkündet den kommenden Aufstand. Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats. Mehr lesen
Nette Pynchon'sche Dödel
04.10.2010. Eine Entdeckung ist Sofi Oksanens Roman "Fegefeuer", der die Geschichte Estlands vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch des Kommunismus in den Erinnerungskampf zweier Frauen verwandelt. Im Roman "Angerichtet" des niederländischen Autors Herman Koch verhandeln zwei gut situierte Paare in einem vornehmen Restaurant die Schandtat ihrer Söhne. Außerdem: Tom Segevs Biografie über Simon Wiesenthal und Thomas Schulers kritischer Bericht über die "Bertelsmannrepublik Deutschland". Dies alles und mehr in den besten Büchern des Monats Oktober. Mehr lesen
Rätselhafte magnetische Beben
10.09.2010. Im Monat September: Muhammas el-Bissati erzählt von einer Tagelöhnerfamilie in Ägypten, Jonathan Franzen von Vorzeigeeltern im Amerika der Bush-Jahre und Roberto Bolano von zwei gefallenen Engeln in Rom. Bei den Sachbüchern dominierte die Debatte um Thilo Sarrazin. Außerdem warnt Elisabeth Badinter vor der Vermutterung der Frau, und Claude Lanzmann schreibt seine Memoiren. Mehr lesen
Ich verhungere auch
05.08.2010. Marketa Pilatova zeigt uns vier Frauen, die ums Glück kämpfen. Elizabeth Strout zeigt uns eine nicht nette Frau mit Empathie. Vladimir Sorokin schickt uns noch einmal zur Bruderschaft des Lichts. Wojciech Jagielski porträtiert die irre ugandische Lords Resistance Army. Kirsten Heisig erklärt, warum jugendliche Straftäter nicht härter, sondern schneller bestraft werden sollen.
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