Perlentaucher - Das Kulturmagazin

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zuletzt aktualisiert 12.02.2012, 21.04 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Bücher der Saison

Herbst 2005

10.11.2005.

Romane und Erzählungen / Lyrik, Reportagen, Erinnerungen / Politische Bücher / Sachbücher

Lyrik


Bild zum ArtikelKo Un gilt als einer der bedeutendsten Dichter Südkoreas. Auch er war wegen seines Protests gegen die Militärdiktatur 1980 im Gefängnis, so dass die Zeit die Geschichte des modernen Korea und seiner Literatur mittlerweile als eine Geschichte der Inhaftierung seiner Dichter versteht. Die in "Die Sterne über dem Land der Väter" (bestellen) versammelten Gedichte erschienen nach seiner Entlassung und kritisieren neben dem japanischen Kolonialismus auch die Diktatur. Es sind aber auch einige Stücke aus Ko Uns riesigem Projekt zu bewundern, allen Personen, denen er jemals begegnet ist, ein Gedicht zu widmen. Diese "Geschichtsschreibung von unten" begeistert die Zeit, die das Vorhaben auch als Beleg des buddhistischen Empathie-Ideals deutet.

Bild zum ArtikelYisang, der 1937 mit 27 Jahren nach der Verhaftung wegen "ungesunden Gedankenguts" in Tokio starb, hat mit seinen dadaistischen und surrealistischen Gedichten die Moderne nach Korea gebracht. Ausgerechnet beim Erzfeind Japan hatte er die Anregungen für seine formalen Experimente bekommen, die die heimische, an konfuzianische Naturlyrik gewohnte literarische Öffentlichkeit in empörte Aufregung versetzten. Der Dichter wurde zu einem Symbol des kulturellen Umbruchs in Korea in den 20er Jahren, sein in "Mogelperspektive" (bestellen) versammeltes lyrisches Werk somit nicht nur zu einem literarischen, sondern auch zeitgeschichtlichen Dokument.

Bild zum ArtikelBild zum ArtikelMit aufrichtiger Sympathie und Rührung haben die Kritiker Friederike Mayröckers "Abschiedsbuch" für Ernst Jandl "Und ich schüttelte einen Liebling" (bestellen) gelesen. Mit nicht nachlassender Sprachkraft habe Mayröcker eine "Symbiografie" (SZ) über die Liebe, das Schreiben und die Abwesenheit geschrieben, ein von "künstlerischer Rücksichtslosigkeit" geleiteter Blick auf den Kern des Menschlichen. Die NZZ würde am liebsten Amy Clampitts "Eisvogel" (bestellen) zur Pflichtlektüre machen. Beeindruckt hat sie vor allem, dass Clampitt und ihre Verse immer auf Reisen sind, von Mexiko bis nach Hellas, von Asur bis Auschwitz. Die 1996 verstorbene Amerikanerin, die ihr Debüt als Dichterin 1983 im Alter von 63 Jahren gab, sei eine "Visionärin, die nie den Kopf verliert". Ans Herz gelegt wird uns noch ein Gedichtband der polnischen Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska, "Der Augenblick / Chwila" (bestellen), dessen "schwebende Anmut" die FR bewundert.


Reportagen und Essays

Bild zum ArtikelWieder ist der Historiker Karl Schlögel durch Osteuropa gereist, nach Nischni Nowgorod, Krakau und Riga, nach Brünn und Bukarest - und in die litausche Provinzstadt Marjampole zum größten Gebrauchtwagenmarkt der Welt. Hier, unter den Händlern und Fernfahrern, hat er die eigentlichen Europäer gefunden. Die FAZ bewundert den genauen Blick auf "Alltägliches", den Schlögel in seinen Essays und Reportagen "Marjampole" (bestellen) beweist. Sehr erfrischend findet die NZZ das Buch angesichts der sonstigen "Mattigkeit" des europhilen Diskurses. Die FR mag zwar nicht ganz Schlögels Diktum "Europäisierung ist offene Grenzen plus Automobilisierung" folgen, hat sich aber trotzdem von seiner Entdeckerfreude anstecken lassen.

Bild zum ArtikelBild zum Artikel"Das kommt auf uns zu", freut sich die taz über das Osteuropa, das der polnische Schriftsteller Andrzej Stasiuk in seinen Reportagen "Unterwegs nach Babadag" (bestellen) beschreibt. Seit sieben Jahren reist Stasiuk durch den "ewig unfertigen Saustall des Ostens", wie er liebevoll alles nennt, was sich zwischen Ostsee und Schwarzem Meer auftut: von Albanien über Rumänien bis Transnistrien. "Stasiuk lesen heißt, das Bewusstsein zu erweitern", schwärmt die taz. Gelobt wird auch Wolfgang Büschers Reportage "Deutschland eine Reise" (bestellen). Wie schon für sein Vorgängerbuch "Berlin - Moskau" (bestellen) hat sich Büscher für drei Monate zu Fuß aufgemacht, diesmal in eine "fremde, düstere Zauberwelt" - die deutsche Grenze entlang. Die SZ lobt das Buch als kenntnisreich und hintergründig und rät, über den recht hohen Pathosgehalt einfach hinwegzulesen.


Erinnerungen / Tagebücher

Bild zum ArtikelBild zum ArtikelIn ausgelassenste Schwärmereien gerieten die Kritiker über Martin Walsers Tagebücher aus den Jahren 1951 bis 1962 "Leben und Schreiben" (bestellen). "Selten habe ich in jüngster Zeit ein Buch gelesen, das so wispert und knistert und raunt von der Faszination durch Frauen", frohlockt Fritz J. Raddatz in der Zeit, der über den wunderbaren Tagebüchern den "brachialen Redner" Walser glatt vergessen hat. Überaus scharfsinnig findet auch die FR diesen Band, der schon ganz im typischen Walser-Stil geschrieben sei: "Eigentümlich scharf und weich zugleich." Tief berührt hat der Theatermacher Luc Bondy die Rezensentinnen von SZ, NZZ und Zeit mit seinen Erinnerungen an die Kindheit "Meine Dibbuks" (bestellen). NZZ-Rezensentin Barbara Villiger Heilig hat dabei Hinweise darauf gefunden, dass Bondys "schwebender Witz" aus der generellen Schwierigkeit des Daseins rührt. Ach ja, ein Dibbuk ist der Geist eines Toten, der sich eines Lebenden bemächtigt.

Bild zum Artikel"Was für ein Buch, was für eine Figur!": In den höchsten Tönen spricht die taz von Peter Glotz' und seinen Erinnerungen "Vom Heimat zu Heimat" (bestellen). Ein "letztes, glänzendes Stück " sei dem bereits schwer erkrankten Glotz hier gelungen. Es beginnt mit der Flucht der Familie aus Böhmen und endet mit dem Umzug in die Schweiz. Dazwischen liegen die deutsche Nachkriegsgeschichte, eine Karriere als SPD-Politiker , Intellektueller und als Universitätsrektor - und immer wieder neue Heimaten.

Romane und Erzählungen / Lyrik, Reportagen, Erinnerungen / Politische Bücher / Sachbücher

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Archiv: Bücher der Saison

Bücherherbst 2011

28.11.2011. Liegt's am Hype des Deutschen Buchpreises oder ist die deutsche Literatur tatsächlich so in Form? Jedenfalls dominierte sie in den Buchmessenbeilagen. Außerdem begegnen wir Michelangelo in Konstantinopel, selbstmöderischen Käfern in Bukarest und Dandys in Stockholm. Wer etwas belebenden Optimismus tanken will, vertiefe sich in Steven Pinkers "Gewalt". Eva Illouz' Analyse des Liebesmarktes ist eher was für Hartgesottene. Und, tja, wer die Geschichte des Computers besser verstehen will, sollte die Steve Jobs-Biografie von Walter Isaacson durchaus lesen!
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Bücherfrühjahr 2011

11.04.2011. Literatur ist, wenn es ungemütlich und doch herrlich ist. Den Literaten gelang es in dieser Saison am besten in Erzählungen, an erster Stelle Clemens J. Setz in "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes". Große Romane sind in dieser Saison Mangelware. Dafür gibt's gute Reportagen, Erinnerungsbücher und viel böse Philosophen.
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Bücherherbst 2010

15.11.2010. Dieser Bücherherbst war stärker von politischen Büchern geprägt als von literarischen. Stichwort: Sarrazin und Auswärtiges Amt. Dabei gibt es eine Fülle literarischer Neuerscheinungen, die politische Themen aufgreifen. Das gilt in hohem Maße für die argentinischen Romane, aber auch zum Beispiel für Ian McEwans "Solar", eine Komödie über den Klimawandel, oder Sofi Oksanens Roman "Fegefeuer" über die estnischen Traumata. Mehr lesen

Frühjahr 2010

06.04.2010. In den Frühjahrsromanen sehen wir die unheimliche Welt mit den Augen einer Horde Kinder, beobachten Liebende in Teheran, lassen uns von Rosslyns Brüsten zu einem Reim inspirieren und begleiten einen Lehrer auf einer Höllenfahrt im Volvo. Unter den Sachbüchern stachen Daniel Everetts Buch über die Pirahas, "Das glücklichste Volk", heraus, Oliver Jens Schmitts Biografie des albanischen Nationalhelden Skanderbeg und Simon Sebag Montefiores farbenprächtiges Porträt des Fürsten Potemkin. Mehr lesen

Bücherherbst 2009

18.11.2009. Dies ist ein Literaturherbst! Man kann sich auf literarische Entdeckungsreise nach China begeben. Eine Vielzahl von gut besprochenen deutschen Romanen ist erschienen, allen voran Herta Müllers "Atemschaukel". Und in den Amerikas sind zwei fette Romane erschienen, die die Rezensenten euphorisiert und erschöpft haben. Viel Spaß beim Lesen!
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Bücherherbst 2008

04.12.2008. Dieser Winter bietet die Gelegenheit, sich auf literarische Entdeckungsreise in die Türkei zu begeben, oder sich von Uwe Tellkamps "Turm" in die Stadt Dresden vor der Wende zurückversetzen zu lassen. Reiche Ernte auch bei den Sachbüchern. Diskutieren Sie mit!
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Frühjahr 2008

22.04.2008. Okay, da sind die "Feuchtgebiete", da sind Jonathan Littells SS-Fantasien, da sind ein paar wackere deutsche Romane. Aber es gibt nur zwei Bücher, die auf einhelliges Echo der Kritiker stießen. Eins ist gut, das andere ist böse. Außerdem lasen die Kritiker herausragende Comics. Kroatien interessierte nicht alle, aber einige um so mehr. Ein Blick auf die Bücher des Frühjahrs 2008. Mehr lesen

Herbst 2007

26.11.2007. Dieser Literaturherbst gehört zwei russischen Schriftstellern: Wassili Grossman und Warlam Schalamow, deren Jahrhundertwerke endlich auf Deutsch erschienen sind. Einen respektablen Auftritt haben aber auch die deutschen Autoren der mittleren Generation, polnische Tunten, rumänische Manieristen, deutsche Romantiker, streitlustige Atheisten, neapolitanische Camorristi, katalanische Ritter und ein ungenierter Genussmensch. Mehr lesen

Frühjahr 2007

19.04.2007. Einen großen Auftritt haben in diesem Jahr die deutschen Erzähler und Erzählerinnen, und zwar quer durch alle Altersklassen. Wir begegnen verliebten Trollen in Schweden, erbarmungswürdigen Pechvögeln aus Dänemark, piemontesischen Schmugglern und abgestürzten bulgarischen Schriftstellern. Bei den Sachbüchern stechen vor allem die Reportagen und Essays zum Multikulturalismus von Ian Buruma und Amartya Sen hervor, aber auch Geschichtsbände zum Kalten Krieg und Preußen. Und die Kunst wird übersichtlich. Mehr lesen

Herbst 2006

10.11.2006. Absurde Komik aus der Ukraine und Gangsterbosse aus Bombay: Indien und Osteuropa retten die Literatur in dieser Saison. Die Erinnerungen großer Männer bestimmen die Presse, die Erinnerungen an den Ungarnaufstand 1956 berücken die Feuilletons. Das real existierende Sarmatien entzieht sich jeglicher Definition. Und noch vieles mehr in unseren Büchern der Saison. Mehr lesen

Frühjahr 2006

03.04.2006. Die deutschen Feuilletons haben die Fremden entdeckt - und das mit Macht. Die am häufigsten besprochenen literarischen Bücher beschäftigen sich mit einem Reisenden des 19. Jahrhunderts, türkischen Mädchen im Anatolien der Fünfziger, Jugendbanden in Leipzig oder global Sex suchenden serbischen Diplomatentöchtern. Im Sachbuchbereich hat vor allem Necla Keleks Untersuchung über die türkischen Männer in Deutschland heftige Diskussionen ausgelöst. Mehr lesen

Herbst 2005

14.11.2005. Die wichtigsten Romane der Saison handeln von Klonen. Die zweitwichtigsten von der Wende. Die wichtigsten Sachbücher handeln von Mao, von der Rückständigkeit Arabiens und vom Hass. Der Perlentaucher hat die Produktion der Saison durchgesehen und viel interessanten Stoff für lange Abende gefunden. Mehr lesen

Frühjahr 2005

06.04.2005. Erfahrung schlägt Jugend, zumindest in diesem belletristischen Frühling! Der Trend geht zum Zweitroman. Thomas Kling, zu früh verstorben, wird noch einmal für seinen letzten Gedichtband gefeiert. Der Zweite Weltkrieg beherrscht die Sachbücher, aber auch die Idee von einem Leben ohne Arbeit. Wir haben dagegen keine Mühen gescheut, gesichtet und gesiebt, und die besten Neuerscheinungen des Frühlings ausgewählt. Mehr lesen

Herbst 2004

01.11.2004. Terezia Mora, Antje Ravic Strubel, Juli Zeh, Brigitte Kronauer und Irina Liebmann: Dies ist eindeutig der Herbst der deutschen Autorinnen! Es ist auch ein Herbst monumentaler Biografien und des Buchmessenschwerpunkts "Arabische Welt". Wir stellen wir Ihnen die interessantesten Neuerscheinungen des Literaturherbstes vor. Mehr lesen

Frühjahr 2004

09.04.2004. Franziska Gerstenberg und Dorota Maslowska brachten die Kritik fast zum Weinen (vor Glück!). A. L. Kennedy weiß, wie sich ein Mörderwal fühlt, der einen Brief öffnen will. Dies ist ein großer literarischer Frühling. Wir haben die besten Bücher ausgesucht. Mehr lesen

Gesamtes Archiv: Bücher der Saison